Video-Quickies: "Pornoprobleme" beim Kurzvideo-Dienst Vine

Weil man bei Twitters neuem Kurzvideodienst Vine auch erotische Inhalte finden kann, schreibt die US-Presse bereits über "Pornoprobleme". Tatsächlich nutzen Vine-Mitglieder den Dienst auch für solche Zwecke - Probleme dürften damit aber nur die Sittenwächter von Apple haben.

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Vine-Logo: "Dieser Beitrag könnte einen verletzenden Inhalt haben"

Twitters neuer Kurzvideo-Dienst Vine hat ein Pornoproblem, findet zumindest ein Teil der US-Presse. So schreibt der "Business Insider", dass man "mit ein paar schnellen Suchanfragen" Inhalte zu Sex, Pornos und anderen Themen finden könne, "die wir lieber nicht wiedergeben". Warum genau das ein Problem sein sollte, lässt "BI"-Autor Steve Kovach offen. Verwundert schreibt er, dass Vines Nutzungsbedingungen nicht einmal das Hochladen von "drastischen und/oder sexuellen Inhalten" regelten. Es sei den Nutzern überlassen, welche Videos sie als unangemessen markieren.

Tatsächlich findet, wer bei Vine nach den Themen-Schlagwörtern #sex oder #porn sucht, reichlich Inhalte: vor allem Aufnahmen von Penissen und Ausschnitte aus Pornos. Die Mehrzahl der Sex-Aufnahmen scheint von Sexarbeitern und -Arbeiterinnen zu stammen, die über Vine Werbung für ihre Produktionen und Web-Angebote machen wollen. Einige Videos dieser mutmaßlich professionell betriebenen Profile sind bereits als "möglicherweise unangemessen" markiert worden und nur noch über einen Extra-Klick abspielbar: "Warnung - Dieser Beitrag könnte einen verletzenden Inhalt haben. Klicke zum Anschauen."

Sieht so ein Pornoproblem aus? Wohl kaum. Allerdings dürfte das Thema die selbsternannten Sittenwächter von Apple verstören. Der Konzern duldet im puritanisch geführten App Store keine Programme, die zum Beispiel erotische Inhalte anzeigen. Zumindest nicht solche, die das potentiell zur Kernfunktion erheben. Sex-Apps gibt es dort jedenfalls keine. Selbst harmlos erotische Inhalte können zu einem Store-Rauswurf führen, wie die Entwickler der Foto-App 500px unlängst erfahren mussten.

Der angebliche Erfolg von Porno-Inhalten bei Vine bringt Apple in einen Zwiespalt: Die App-Store-Redaktion erhob Vine zur Top-App, der - tatsächlich hervorragend konzipierte - Kurzvideodienst kann als neues Aushängeschild für iOS-Geräte herhalten. Im Gegensatz zu anderen "harmloseren" Programmen wie etwa Operas "Mini Opera"-Browser warnt Apple nicht einmal vor potentiell jugendgefährdenden Inhalten der App.

Und ausgerechnet dieses Programm macht nun mit Pornos Schlagzeilen. Was wenn Vine tatsächlich zu einem Lieferanten für erotische Video-Quickies entwickelt? Dürfte man Vine-Mutter Twitter, immerhin eine Kooperationspartnerin, einfach so rauswerfen? Der Fall könnte womöglich klar machen: Nicht Twitter, wo ein relativ unverklemmter Umgang mit sexuellen Inhalten herrscht, hat ein Pornoproblem, sondern Apple.

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1. Probleme
Meckermann 28.01.2013
Zitat von sysopWeil man bei Twitters neuem Kurzvideo-Dienst Vine auch erotische Inhalte finden kann, schreibt die US-Presse bereits über "Pornoprobleme". Tatsächlich nutzen Vine-Mitglieder den Dienst auch für solche Zwecke - Probleme dürften damit aber nur die Sittenwächter von Apple haben. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/twitters-video-dienst-vine-hat-angeblich-ein-pornoproblem-a-879998.html
Genau. Wenn ich danach suche, will ich es ja finden. Ein Problem wäre es, wenn ich nicht danach suche und es trotzdem finde, oder aber wenn ich danach suche und es nicht finde...
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Zum Autor
  • Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.

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