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Unliebsame Journalisten: Uber-Manager träumt von Schmutzkampagne

Protest gegen Uber in Kalifornien (im Juni): Sie sind so sauer, sie haben ein Schild gebastelt Zur Großansicht
REUTERS

Protest gegen Uber in Kalifornien (im Juni): Sie sind so sauer, sie haben ein Schild gebastelt

Der Fahrdienst Uber ist für rüde Methoden bekannt. Jetzt sagte der Top-Manager Emil Michael bei einer Party, er würde kritische Journalisten und deren Familien am liebsten ausspähen lassen. Eine bekannte Reporterin nannte er sogar namentlich.

Uber inszeniert sich gerne als Rüpel unter den Fahrdiensten. Weltweit legt es die Firma auf Scharmützel mit der Taxibranche an. Uber-Chef Travis Kalanick lässt gerne mal durchblicken, was er von den etablierten Anbietern hält. "Wir befinden uns in einer politischen Kampagne, in der der Kandidat Uber heißt und der Gegner ein Arschloch namens Taxi ist", verkündete er öffentlich. Kalanick mache "manchmal ein Gesicht wie eine geballte Faust", heißt es in einem wenig schmeichelhaften "Vanity Fair"-Porträt des Mannes.

Nun hat Uber-Manager Emil Michael im kleinen Kreis über die Möglichkeit schwadroniert, kritische Journalisten mit Details aus deren Privatleben unter Druck zu setzen. Das hat ihm empörte Reaktionen in der US-Presse und im Netz eingebracht, Boykottaufrufe eingeschlossen.

Während eines Dinners mit Reichen, Wichtigen und Journalisten in New York sei Michael ins Reden gekommen, berichtet "Buzzfeed". Auch deren Chefredakteur Ben Smith war anwesend. Demnach klagten die Uber-Verantwortlichen vor den Gästen, dass sie oft missverstanden würden. Dann legte Manager Michael laut "Buzzfeed" mit einer Tirade gegen eine kritische Journalistin los.

Unangenehme Fakten aus dem Privatleben

Dem Bericht zufolge sinnierte er laut über einen Plan, für eine Million Dollar Spezialisten für die Ausforschung von Gegnern anzuheuern. Diese könnten kritische Reporter und deren Familien durchleuchten und unangenehme Fakten aus deren Privatleben zutage fördern. Namentlich erwähnte Michael Sarah Lacy, die Chefin des Silicon-Valley-Blogs "PandoDaily", die Uber mehrfach scharf kritisiert hatte. Sie wirft dem Unternehmen unter anderem Sexismus vor, etwa weil es in Frankreich einmal vorübergehend damit geworben hatte, man könne sich auch attraktive Models als Fahrerinnen bestellen.

"Buzzfeed"-Chefredakteur Smith schreibt, der Uber-Manager habe nicht den Eindruck erweckt, als wolle das Unternehmen einen solchen Plan in die Realität umsetzen. Aber er habe diese Möglichkeit als gerechtfertigte Maßnahme von Uber skizziert.

Die einst eher Uber-freundliche Silicon-Valley-Presse reagiert mittlerweile entsetzt auf die Eskapaden der Manager der Firma. "TechCrunch" etwa kommentierte: "Es scheint, als gebe es keine Niederung, in die sich diese Firma in ihrem megalomanischen Versuch, den Markt für sich zu gewinnen, nicht begeben würde." "Forbes" nannte Michaels Verhalten "so pubertär wie dämlich", und auf Twitter sprang die Creme der US-Tech-Journalisten Lacy bei und verdammte Michaels Äußerungen. Der Suchmaschinenspezialist Danny Sullivan etwa twitterte, dies sei "das beste Argument, lieber (den Uber-Konkurrenten) Lyft zu nutzen".

Kaum hatte "Buzzfeed" den Artikel veröffentlicht, betonte Uber-Manager Michael, seine Worte seien bei einem privaten Essen gefallen. Sie hätten gar nicht veröffentlicht werden dürfen. Smith wiederum betont, ihm habe niemand gesagt, dass nicht zitiert werden dürfte.

Uber-Manager Emil Michael: Dachte laut über Schmutzkampagne nach Zur Großansicht
Bloomberg via Getty Images

Uber-Manager Emil Michael: Dachte laut über Schmutzkampagne nach

Dass er über eine Schmutzkampagne schwadronierte, bestritt Michael aber nicht. Seine Äußerungen seien "von Frust geprägt gewesen", ließ er mitteilen. Denn er empfinde die Berichterstattung über Uber als "sensationslüstern". Jedoch würden seine Äußerungen nicht seine aktuellen Ansichten widerspiegeln und hätten "keinen Bezug zu den Ansichten der Firma oder deren Herangehensweise". "Sie waren ungeachtet der Umstände falsch und ich bedauere sie", so Michael.

Auch Uber sah sich zu einem Statement genötigt. Die Firma betreibe keinerlei Nachforschungen über irgendwelche Journalisten, versicherte eine Sprecherin. Und Sarah Lacy bekam Post: Michael bat in einer knappen E-Mail um Entschuldigung.

Merkwürdiger Umgang mit sensiblen Daten

Es ist nicht das erste Mal, dass Uber Grenzen übertritt: Auf einer Party vor drei Jahren soll das Unternehmen prominente Nutzer ausgespäht haben. Die Aufenthaltsorte und Bewegungsprofile von 30 Promis sollen dabei gezeigt worden sein. Die Uber-App erfasst diese Daten, um den Taxidienst anbieten zu können.

Seitdem hat das Unternehmen offenbar beim Umgang mit den sensiblen Daten nicht viel dazugelernt. Denn bei einem Gespräch mit einer "Buzzfeed"-Journalistin soll ein Uber-Manager ihr persönliches Profil mit allen Fahrten aufgerufen haben, um etwas zu demonstrieren - ohne die Einwilligung der Journalistin.

Uber steht derzeit verstärkt unter öffentlicher Beobachtung. Denn das Unternehmen will expandieren und sich auch für den zähen Streit mit dem Taxigewerbe wappnen. Dafür will sich Uber laut Medienberichten ein bis zwei Milliarden Dollar bei Investoren besorgen. Der Fahrdienst ist nach einer Finanzierungsrunde von 1,2 Milliarden Dollar in diesem Jahr bereits eines der reichsten Start-ups. Das Taxigewerbe wirft dem Dienst unfairen Wettbewerb vor, weil er die Regulierungsvorschriften aushebele.

mmq/ore/cis/dpa

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insgesamt 52 Beiträge
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    Seite 1    
1. Holz vom selben Stamm
Bondurant 18.11.2014
...betonte Uber-Manager Michael, seine Worte seien bei einem privaten Essen gefallen. Sie hätten gar nicht veröffentlicht werden dürfen. Smith wiederum betont, ihm habe niemand gesagt, dass nicht zitiert werden dürfte. Bemerkenswert, einer wie der andere. Klar, sehe ich auch so: wenn mir jemand nicht ausdrücklich sagt, dass ich seine Worte nicht zitieren sollte, erzähle ich sofort alles weiter.
2. Dinge die die Welt nicht braucht
ralf_gabriel 18.11.2014
Hoffentlich richten die sich selbst zugrunde.... Aber wahrscheinlich wird es die "unsichtbare Hand" wieder nicht packen....
3.
Mr Bounz 18.11.2014
Da zeigen die Herren Ihr wahres Gesicht. Vielleicht sollte man mal bei denen im Privatleben spionieren ..... Aber zum Glück gibt es ja auch in D genug "Trottel" die Uber für eine Segnung halten. Gefahren und Finanzielle Risiken werden auf den kleinsten/letzten (der Fahrer) abwewälzt.
4. Gute Idee
winnie123 18.11.2014
Da könnten die Paparazzi und die Journaille der Boulevardpresse mal am eigen Leib spüren, wie es ist, wenn das Ansehen von Prominenten durch gewisse Medien öffentlich in den Dreck gezogen wird. Man darf an die Schmierenkampagnen gegen Jörg Kachelmann, Christian Wulff, Bischof Tebartz-van Elst u.v.m. erinnern.
5. was will man auch erwarten von einer Firma
Ostschweiz 18.11.2014
die von Google und einer US-Grossbank reichlich mit Geld ausgestattet wurde und nun als erste Handlung über Dumpingpreise eine Branche kaputt macht. In Zürich wurde jede Fahrt von obgenannten Grossunternehmen durch Uber subventioniert. Kaum ist das Taxi-Gewerbe irgendwann zerstört oder dezimiert, werden sie dann die Preise massiv anheben. Leider gibts zu viele Deppen, die wegen ein paar Franken oder Euro weniger abspringen - selbst wenn eine Versicherung bei der Fahrt fehlt.
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