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Überwachung in Indien: Apple und RIM bestreiten Schnüffel-Schnittstelle

Keine Hintertür für Lauscher: Die Smartphone-Hersteller Apple und RIM dementierten, auf Geheiß der indischen Regierung Hintertüren in ihre Smartphone-Betriebssysteme eingebaut zu haben. Indische Hacker drohen mit weiteren Veröffentlichungen zu angeblichen Überwachungsschnittstellen.

Blackberry-Werbung in Mumbai (2010): Der Hersteller wehrt sich gegen Schnüffel-Vorwürfe Zur Großansicht
AFP

Blackberry-Werbung in Mumbai (2010): Der Hersteller wehrt sich gegen Schnüffel-Vorwürfe

Nein, man habe indischen Ermittlern keine Abhörschnittstelle zum Mitlesen verschlüsselter Kommunikation bereitgestellt, sagt Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM). Die Firma gibt an: Die technischen Möglichkeiten zum Abhören verschlüsselter Kommunikation habe man gar nicht. Auch Apple dementiert: Man habe der indischen Regierung keine Zugriff über Hintertüren auf Apple-Software ermöglicht, kommentiert eine Apple-Sprecherin gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Die Vorwürfe kamen am Montag auf: Die indische Hackergruppe Lords of Dharmaraja veröffentlichte ein angebliches Memo der indischen Regierung, das genau erklären soll, wie "Rinoa" (RIM, Nokia, Apple) Abhörmöglichkeiten in Handys implementierten, um im Gegenzug die Zulassung für den indischen Markt zu erhalten. Mit diesen Hintertüren, suggeriert das angebliche Regierungsdokument, habe Indien unter anderem E-Mails der U.S.-China Economic and Security Review Commission (die Kommission berichtet an den US-Kongress) abgefangen.

Auch die indische Armee, von der die Überwachung ausgehen soll, dementierte zwischenzeitlich alle Vorwürfe. Die Hacker würden bösartige Absichten verfolgen, das Dokument sei gefälscht.

Staatliche Überwachung, durch Terror legitimiert

Klar, dass diese Dementis Verschwörungstheoretiker nicht beruhigen werden. Aber was ist wirklich dran an der Geschichte? Indien macht kein Geheimnis daraus, Privat- und Geschäftshandys etwa im Kampf gegen terroristische Separatistengruppen abzuhören. Tatsächlich ist das staatliche Abhören Gesetz und zumindest Blackberry-Hersteller RIM unterstützt die indische Regierung laut "Wall Street Journal" bei dem Lauschangriff.

Dass die Hackergruppe keine reine Luftnummer ist, bewies sie, als Antivirus-Hersteller Symantec vor einigen Tagen einräumte, dass die Gruppe Teile des Quellcodes von zwei älteren Versionen ihrer Antivirus-Produkte entwendet hatte - die Codepassagen seien vier, beziehungsweise fünf Jahre alt. Symantec räumte die Authentizität des Quellcodes ein, konnte aber nicht erklären, woher der Code gekommen war. Die eigenen Systeme jedenfalls seien nicht geknackt worden. Kam auch der Symantec-Code aus dem gleichen Hack?

Die Hacker drohen mit weiteren Veröffentlichungen: Auf dem von ihnen geknackten Geheimdienst-Server hätten sie Quellcodes von rund einem Dutzend anderer Software-Firmen entdeckt, die alle ein Abkommen mit dem indischen "Tactical Network for Cellular Surveillance (TANCS)"-Programm und dem Central Bureau of Investigation (CBI) unterzeichnet haben sollen, um das weitgehende Abhören von Mobilfunk- und Datenverkehr in Indien zu ermöglichen.

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