Umsatz, Besucher, Bewertung So verdienen die Web-Riesen im Netz

Fast 20 Dollar Umsatz schafft Google im Jahr pro Benutzer, bei Facebook sind es nur drei - in der Summe werden trotzdem Milliarden daraus. Von AOL bis Xing: eine Analyse der Geschäftszahlen zeigt, welche Web-Firma ihre Reichweite am geschicktesten zu Geld macht.


Eigentlich gibt es gar keine neuen Geschäftsmodelle im Internet: Die einen verkaufen Werbeflächen ( Google, Facebook), die anderen verkaufen etwas, das einigen Menschen Geld wert ist (Zuckerwattebäume in Zyngas Online-Spiel Farmville). Nicht viel Neues scheinbar. Solange man sich nicht die Zahlen etwas genauer anschaut.

Zum Beispiel den Umsatz, den ein Unternehmen im Jahr durchschnittlich pro Nutzer erwirtschaftet. Dieser Wert gibt einen Eindruck davon, wie gut das Geschäftsmodell eines Unternehmens funktioniert, wie viel Erlös das Publikum einbringt. Gut 19 Dollar pro Nutzer verdiente Google im Jahr 2010 den Berechnungen von SPIEGEL ONLINE zufolge, Facebook hat im selben Jahr schätzungsweise nur gut drei Dollar je Nutzer eingenommen (siehe Infografik unten). Das ist ein erstaunlicher Unterschied - schließlich verkaufen doch beide Unternehmen Werbung im Umfeld eines beliebten, kostenfreien Dienstes.

Irgendetwas macht Google da im Moment besser als Facebook: Google nahm 2010 je Nutzer etwa sechsmal so viel ein wie das Soziale Netzwerk. Entweder bieten die Anzeigenkunden bei Google höhere Preise pro Klick. Oder: Ein höherer Anteil der Nutzer klickt auf Seiten mit Suchergebnissen auf passende Anzeigen zu den spezifischen Suchanfragen als auf die Banner im halb-privaten Umfeld eines sozialen Netzwerks, wo man sich eher gemütlich aufhält statt gezielt zu suchen.

Einige weitere Erkenntnisse aus den Daten:

  • Die " New York Times " nimmt mit ihrem Online-Angebot mehr Geld je Nutzer ein als die Huffington Post, AOL oder Facebook. Allerdings haben AOL und erst recht Facebook ein viel größeres Online-Publikum.
  • Twitter fehlt derzeit ein Geschäftsmodell, aus der enormen Aufmerksamkeit (etwa 160 Millionen Nutzer) im gleichen Maß Einnahmen zu erzielen wie andere Web-Unternehmen: Facebook macht ungefähr dreimal so viel Umsatz pro Nutzer wie Twitter.
  • Dennoch bewerten Twitter-Investoren das Unternehmen hoch - 23 Dollar ist ihnen ein Twitter-Nutzer wert - die Bewertung ist ähnlich hoch wie beim Spieleanbieter Zynga, obgleich diese Firma etwa dreimal so viel Umsatz je Nutzer erwirtschaftet.
  • 19 Milliarden Dollar hat Google 2010 allein mit Werbung auf den eigenen Web-Seiten umgesetzt. 19 Milliarden - Facebook, Twitter, AOL und alle anderen Unternehmen in unserem Vergleich kamen 2010 zusammen nur auf gut ein Fünftel dieser Summe. Zum Vergleich: Im Jahr 2004 machte Google 3,1 Milliarden US-Dollar Umsatz.
  • Xing verdient mit einem ähnlichen Geschäftmodell wie Zynga: Die Minderheit der Nutzer zahlt (acht Prozent bei Xing, etwa drei Prozent bei Zynga). Xings Abo-Modell (oder vielleicht auch der von zahlenden Nutzern empfundene Wert des Angebots) bringt aber einen doppelt so hohen Umsatz je Nutzer ein wie bei dem Spielanbieter. Zynga ist nur aufgrund des großen Publikums (276 Millionen Nutzer Anfang 2011) so lukrativ (schätzungsweise 47 Prozent Umsatzrendite).

Grundlage der Berechnungen sind Umsätze, Besucherzahlen, Gewinne und Firmenbewertungen von acht großen Online-Unternehmen im Jahr 2010, zum Teil beziehen sich die Zahlen auch auf das Jahr 2009 oder 2011, da andere Angaben nicht öffentlich sind. Die Angaben sind alle mit Vorbehalt zu interpretieren, sie skizzieren eher Verhältnisse als dass sie exakte Angaben zum Tagesgeschäft der Unternehmen liefern. Einige Zahlen stammen aus Interview-Äußerungen von Firmengründern oder Managern, einige von anonymen Insidern oder aus Prognosen. Um diese Unterschiede transparent zu machen, dokumentiert eine kommentierte Linksliste auf der Folgeseite alle Quellen. Wir haben zudem das Zahlenmaterial in einer Tabelle angehängt.



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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
worte 16.02.2011
1. Fakten, ..
Man kann von Inhalt und Bedeutung des Artikels halten was man will, aber ist schön zu sehen, dass hier jemand sich der journalistischen Mühe unterzieht transparent zu machen welche Daten verwendet werden, woher sie kommen, usw. So wünsche ich mir guten Journalismus. Leider findet man das aber nur ganz selten (hier und anderswo).
sverris 16.02.2011
2. Recht guter Artikel.
Zitat von sysopFast 20 Dollar Umsatz schafft Google im Jahr pro Benutzer, bei Facebook sind es nur 3 - in der Summe werden trotzdem Milliarden daraus. Von AOL bis Xing: eine Analyse der Geschäftszahlen zeigt, welche Webfirma ihre Reichweite am geschicktesten zu Geld macht. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,745755,00.html
Freilich tues ich mir bis auf Ausnahmen die digitale Umweltverschmutzung nicht an.. Adblock + scroogle.de schoen gebracuhen, und man ist davon groesstenteils befreit...
sandundmeer 16.02.2011
3. Nutzerzahlen
Zitat von sverrisFreilich tues ich mir bis auf Ausnahmen die digitale Umweltverschmutzung nicht an.. Adblock + scroogle.de schoen gebracuhen, und man ist davon groesstenteils befreit...
Für Google werden wöchentliche Nutzerzahlen angesetzt, für alle anderen monatliche Nutzerzahlen. Wenn man das richtigstellt, relativiert sich auch das Verhältnis Umsatz/Nutzer. genau, man ist ja so ein Schlaufuchs, umsonst konsumieren...
sverris 16.02.2011
4. ...
Zitat von sandundmeerFür Google werden wöchentliche Nutzerzahlen angesetzt, für alle anderen monatliche Nutzerzahlen. Wenn man das richtigstellt, relativiert sich auch das Verhältnis Umsatz/Nutzer. genau, man ist ja so ein Schlaufuchs, umsonst konsumieren...
Mit schlau hat das nichts zu tun. Wäre Goo*** nicht so ein mieser Verein und Quasimonopolist, würde ich mich anders verhalten. Suchen kann man auch mit ecosia.org, und Ads nicht blocken, und von deren Einnahmen gehen 80% an den WWF. Das ist ok.
suchbuddha 16.02.2011
5. wow
wow, ich bin ausnahmsweise vom spiegel mal ausnahmslos begeistert ... sogar mit download! danke herr lischka
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