...und danke für den Fisch Zweiundvierzig

"Aus Deinen Büchern", schrieb ein Fan ins Forum, "habe ich mehr gelernt als aus irgendeinem philosophischen oder religiösen Buch." Douglas Adams wusste Bescheid über das Leben, das Universum und den ganzen Rest. Jetzt reist er mit Handtuch, und seine Fans trauern.

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Douglas Adams: Hoffentlich hat er sein Handtuch dabei
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Douglas Adams: Hoffentlich hat er sein Handtuch dabei

Was war das bloß für ein Mensch, der da starb, und dem nun so viele tausend Menschen ein gutes Handtuch wünschen? Von dem sie hoffen, er sei von den Vogonen gekidnappt worden? Oder in ein Raum-Zeit-Loch geraten? Von dem sie sagen, er habe den Sinn des Lebens gekannt und besser beschrieben als jede Religion oder Philosophie? Dem sie ein wehmütiges "42" hinterher rufen? Das ist doch nicht normal.

Wohl kaum. Douglas Adams, geboren 1952, Journalist, Autor, Umwelt-Bewegter, Humorist, Humanist und immer pfiffiger Kopf. Web-Unternehmer wurde er in den letzten Jahren seines Lebens, was zwangsläufig so war, und seine Firma starb mit ihm. Denn Douglas Adams stand für eine Botschaft: Alles, was Du brauchst, ist eine Zahnbürste, ein Handtuch, ein Babelfisch, Glück, ein Buch und viel Humor. Wer das begreift, der findet den Sinn des Lebens: 42.

Adams schrieb fürs Radio, 1978, und landete seinen großen Wurf: Den "Hitchhiker's Guide to the Galaxy". In einer total beknackten Welt braucht ein total beknackter Jedermann wie der von ihm erfundene Arthur Dent vor allem eines: Er braucht eine Quelle, die ihm alles erklärt, alles weiß, für alles eine Lösung parat hat - auch wenn die manchmal nicht weniger beknackt ist als das Problem, das es zu lösen gilt. Der Mensch, meinte Adams, braucht einen Fremdenführer, der ihm das Leben, das Universum und den ganzen Rest erklärt.

Der "Hitchhiker" wurde zum Kult-Hörspiel, wurde zum Kult-Buch, zur Kult-Fernsehserie und könnte vielleicht auch noch zum Kult-Film werden. Als Blödelstoff kam das alles daher und hielt sich doch in den Köpfen der Hörer, Leser, Zuschauer - denn Adams war mit dem "Hitchhiker" ein einmaliges Kunststück gelungen: Er hatte tatsächlich etwas vom Sinn des Lebens erfasst und dies in einer unnachahmlich zeitgemäßen Art und Weise auch herüberbringen können.

Und worauf kommt es an?

Es kommt darauf an, dabei zu sein. Nicht böse zu sein. Das Lachen nicht zu verlernen. Noch im bösesten Vogonen nicht den Feind, sondern nur das weltauslöschende, straßenbauende Übel zu sehen, dem man besser ausweicht. Darauf, nach der Antwort auf alle Fragen zu suchen und das auch noch lachend und unbeschadet überleben zu können, selbst wenn diese Frage nach dem Sinn nur mit einer dämlichen Zahl zu beantworten ist: 42.

Wenn nichts einen Sinn hat, meinte Adams, dann sollte man wenigstens Spaß dabei haben.

Spaß hatte Adams in seinen letzten Jahren vor allem am Web. Er muss schnell erkannt haben, dass mit dem World Wide Web seine Vision vom "Hitchhiker's Guide" Gestalt angenommen hatte: Hier entstand die Quelle aller Quellen, die alle Weisheit und allen Müll enthält, den Mensch sich nur vorstellen kann. Und das ist eine Menge Müll.

Adams versuchte, mit eigenen Projekten an diesem Prozess teilzuhaben. Versuchte, sich und seine Anliegen einzubringen. Und Spaß zu haben. Adams umarmte das Web, und jetzt umarmt das Web ihn.

Seit Sonntagabend gibt es die Firma, die er gründete, nicht mehr: Sie starb mit ihm. Auf seiner Website findet sich nun ein Forum, in dem sich seine Fans von ihm verabschieden. Hunderte von Babelfischen wurden ihm schon hinterhergeschickt, Hunderte von Handtüchern. Das geht unter die Haut: So viel Trauer und echte Betroffenheit sieht man selten im immer kälteren Web. Und selten auch so viel Heiterkeit.

Seine Leser haben ihn verstanden: "Douglas," schrieb Fan Chris ins Abschiedsbuch der Adams-Website, "Du hast die Art und Weise, wie ich die Welt sehe, nachhaltig verändert." Was für ein Kompliment für einen Autor.

Douglas Adams starb mit nur 49 Jahren, völlig sinnlos. Aber wenn nichts einen Sinn hat, soll man doch wenigstens Spaß dabei haben.

42, Mr. Adams, schön, dass Sie dabei waren. Schön, dass wir dabei sein durften. Darauf einen pangalaktischen Donnergurgler.



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