US-Gericht Universitäten dürfen Bücher digitalisieren

Müssen Universitäten vor dem Bücher-Einscannen die Erlaubnis des Autors einholen? Nein, entschied jetzt ein US-Gericht und verwies auf die amerikanische "Fair Use"-Norm. Das Urteil dürfte auch Google freuen.

Buchscanner einer Universität: Digitalisieren weiter erlaubt
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Buchscanner einer Universität: Digitalisieren weiter erlaubt


US-Universitäten haben das Recht, große Mengen Bücher einzuscannen und auf diesem Weg durchsuchbar zu machen - das hat jetzt ein New Yorker Berufungsgericht entschieden. Das Einverständnis des Autors muss dafür nicht extra eingeholt werden.

Wie der "Guardian" berichtet, sieht das Gericht das Vorgehen der Universitäten durch die im US-Recht gängige Norm des "Fair Use", der "angemessenen Verwendung", gedeckt.

Verhandelt worden war über eine Klage der Autorenvereinigung Authors Guild aus dem Jahr 2011. Die Vereinigung hatte gegen die 2008 gestartete HathiTrust Digital Library geklagt, ein Projekt, an dem mehr als 80 Universitäten beteiligt sind. Die Vereinigung warf insgesamt 17 Einrichtungen vor, mehrere Millionen Werke ohne Erlaubnis digitalisiert zu haben.

Auch Google feierte im November einen Etappensieg

Die HathiTrust Digital Library ermöglicht es, Bücher nach Stichwörtern zu durchsuchen. Im Volltext sind die Werke aber nur abrufbar, wenn eine Genehmigung des Autors vorliegt. Ein Großteil der Bücher der HathiTrust Digital Library wurden im Rahmen von Googles Buchprojekt Books digitalisiert.

Es gebe keinen Grund anzunehmen, dass die Kopien angesichts ihres Einsatzzwecks unangemessen seien, heißt es nun in den Ausführungen des Gerichts. Mit dem Einscannen würden die Universitäten den Nutzen der Werke erweitern. Das Argument, durch die Datenbank entstünde den Autoren finanzieller Schaden, überzeugte das Gericht nicht.

Google hatte mit seinem Buchprojekt bereits im November vor Gericht einen wichtigen Etappensieg errungen. Ein US-Richter war damals zum Schluss gekommen, dass sich das Programm mit dem amerikanischen Urheberrecht vereinbaren lässt: Google kopiere die Werke nicht, vielmehr habe der Dienst etwas Neues erschaffen, indem er den "Text zum Einsatz in der Forschung in Daten verwandelt". Die Autorenvereinigung war gegen das Urteil in Berufung gegangen, eine Entscheidung steht noch aus.

mbö



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insgesamt 8 Beiträge
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gesell7890 11.06.2014
1. um
recht in anderen ländern scheren sich die feinen us-herren einen dreck? nsa gut - putin Verbrecher: eine ziemlich schlichte weltsicht... aber wenn unsere Regierung also nur damit beantwortet, daß sie auf dem bauch vorm großen robbt (angie ist das ja noch aus der DDR gewöhnt, wo sie es vor den russen tat), dann wird sich da nix ändern. außer, die bürger nehmen es mal wieder selbst in die Hand.
Kiste 11.06.2014
2. suboptional
Die Kläger haben nicht ganz Unrecht. Musste ich für mein Studium noch etliche Bücher kaufen, die teilweise über 100 DM kosteten, entgeht ihnen nun ein entsprechender Gewinn.
felisconcolor 11.06.2014
3. zu kurz gedacht
Zitat von KisteDie Kläger haben nicht ganz Unrecht. Musste ich für mein Studium noch etliche Bücher kaufen, die teilweise über 100 DM kosteten, entgeht ihnen nun ein entsprechender Gewinn.
der entgeht ihnen auch bei einer normalen Ausleihe.
Mertrager 11.06.2014
4. Diebstahl
Ist ein Text erst einmal digitalisiert, ist seine Verbreitung kaum kontrollerbar. Allgemein läßt sich sagen, dass digitale Informationen nicht zuverlässig vor Mißbrauch geschützt werden können. Wer also mit dem Erstellen dieses Textes Geld verdient hat, wird dann weniger bis nichts mehr einnehmen. Die geistige Leistung wird also ggf. gestohlen. Da hilft auch alles schön reden vom " armen" Studenten nichts. Verstehen werden dies die Befürworten dann, wenn Ihre eigene Arbeit entwertet wird und sie selbst in die "Röhre gucken".
hikage 11.06.2014
5. Der Gewinn..
..entgeht dem Verlag wohl vor allem, wenn ein Buch bei gezielter Stichwortsuche keinen Treffer ergibt, es also für den potentiellen Leser ein Fehlkauf gewesen wäre. Will man die Information im Buch selbst verwenden, so muss man es ja weiterhin ausleihen/kaufen - bzw. unter vom Autor genehmigten Bedingungen beziehen.
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