Update-Ärger Apple drängt Windows-Nutzern Safari-Browser auf

Wer auf seinem PC die Musikbibliothek iTunes aktualisiert, wird mit dem Apple-Browser Safari zwangsbeglückt. Der Software-Auffrischer installiert das Programm standardmäßig mit, Apple nutzt die Sicherheitsfunktion als Vertriebsweg. Schlimmer als Microsoft, urteilen Kritiker.


Harte Worte: "Microsoft-Taktik", "Sicherheitsrisiko", "Vertrauensverlust" – so schimpfen US-Blogger ausgerechnet über Apple. Der Mac-Konzern hatte Windows-Kunden ein neue Version seines Browsers Safari zum Download angeboten. Allerdings kam dieses Angebot über den sogenannten "Apple Software Updater".

Apple-Boss: Steve Jobs preist die neuen iTunes-Videos
REUTERS

Apple-Boss: Steve Jobs preist die neuen iTunes-Videos

Der soll eigentlich alle Apple-Programme auf einem Windows-PC – also vor allem das allgegenwärtige iTunes und Quicktime – auf dem aktuellsten Stand halten und so größtmögliche Sicherheit garantieren.

Bei der letzten iTunes-Aktualisierung bot der Apple-Auffrischer Windows-Nutzern allerdings standardmäßig den Safari-Browser zum Download an. Das Zustimmungshäkchen zum Download war dabei standardmäßig schon gesetzt, man musste nur noch auf Okay klicken.

Über dieses Verfahren empört sich zum Beispiel John Lilly, Geschäftsführer der Firefox-Stiftung Mozilla.

Er kritisiert in seinem Blog, Apple lasse Nutzer Software installieren, die sie gar nicht angefordert haben, die sie vielleicht gar nicht haben wollen: "Das ist falsch, das grenzt an die Vertriebspraxis von Schadsoftware." Lilly erklärt, solche Zusatzangebote hätten in Software-Auffrischern nichts zu suchen: "Das untergräbt das Vertrauen von Nutzern, das wir alle schaffen wollen. Denn es zeigt, dass ein Update nicht nur ein Update ist, sondern vielleicht etwas mehr."

IT-Kolumnist Ed Bott schreibt beim Fachdienst ZDnet sogar, Apple solle sich mal bei Microsoft abschauen, wie man Software-Aktualisierungen transparent und respektvoll abwickle. Die These provoziert. Doch Bott untermauert sie mit einem durch Bildschirmfotos belegten Schritt-für-Schritt-Vergleich eines Apple- und eines Microsoft-Updates auf einem Windows-Rechner. Und in der Tat kommt bei diesem Vergleich Microsoft besser weg.

Apple gab auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE keinen Kommentar zu dem Vorgang ab.

Allerdings betonen auch die ärgsten Kritiker, dass sie sich nur am Vertriebsmodell stören. Mozilla-Boss Lilly: "In keiner Weise kritisiere ich Safari als Browser." Denn inzwischen bekommt die Windows-Version des Apple-Browsers in Tests gute Noten. Ars Technica bilanziert einen Selbstversuch so: sehr schnell, sehr schlank – "ein echter Konkurrent".

lis

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