Urheberrecht Autoren klagen gegen Buchdigitalisierung an Unis

Der Streit um digitale Bibliotheken und Bücher-Scans geht weiter: Autorenverbände aus den Vereinigten Staaten, Australien, Kanada und Großbritannien verklagen mehrere US-Universitäten. Ihr angebliches Vergehen: die Digitalisierung gedruckter Werke.

Gedruckter Text: Gemeinsam mit Google wollen einige US-Unis Millionen Bücher scannen
AP

Gedruckter Text: Gemeinsam mit Google wollen einige US-Unis Millionen Bücher scannen


Bei dem Streit geht es um ein Projekt an dem fünf amerikanische Universitäten, der Internetkonzern Google und der Bibliotheken-Dienst HathiTrust beteiligt sind. Insgesamt sollen rund sieben Millionen Bücher eingescannt, digital aufbereitet und Studenten und Lehrkräften teilweise unbeschränkt angeboten werden soll. Beim Amtsgericht von Manhattan haben die Autorenverbände Klage gegen die University of Michigan, die University of California, die University of Wisconsin, die Indiana University und die Cornell University eingereicht.

Die Autoren stören sich an zwei Punkten: Zum einen ist das die zentrale, unsichere Speicherung der angeblich nicht autorisierten Scans - die Autoren fürchten, dass dies de facto einer Kostenlos-Veröffentlichung gleichkommt.

Zum anderen ist es ein Unterprojekt, das verwaiste Werke in dem Konglomerat ausfindig und Studenten und Lehrkräften unbeschränkt zugänglich machen soll. Verwaiste Bücher sind Werke, die nicht mehr gedruckt werden und deren Autoren nicht mehr aufzufinden sind. So weit die Theorie. Doch die Klageführer sehen das anders. Ihnen zufolge haben sich die Universitäten nicht ausreichend über den Status der Werke informiert, vor allem bei ausländischen Autoren. Kurz: Die Universitäten hätten von Google Bücher einscannen lassen, deren urheberrechtlichen Status sie nicht genau kennen.

In einem Statement erklärten die Kläger, dass sie konkret die für Oktober und November vorgesehene Veröffentlichung von 167 Werken verschiedener Autoren verhindern wollten. "Das ist ein empörender und unverschämter Versuch, Autorenrechte abzutun," erklärte Angelo Loukakis, Geschäftsführer der australischen Autoren-Gesellschaft. "Diese Gruppe amerikanischer Universitäten hat nicht das Recht zu entscheiden, wann oder wie Autoren ihren überrechtlichen Schutz aufgeben. Das sind keine verwaisten Bücher, das sind entführte Bücher."

fko

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insgesamt 5 Beiträge
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makutsov 13.09.2011
1. Wird Zeit
Wird Zeit, dass das auch bei uns kommt. Digitale Bibliothek. Das wär super. 4 Wochen ausleihen, einen Euro zahlen, genial. Da hätten alle was davon.
missoni 13.09.2011
2. neues Geschäftsmodell
leider hat bis jetzt alle alten Medien es versäumt ein neues Geschäftsmodell digitales Leben aufzubauen. Bei Bibliotheken, könnte man es so machen, das die Verlage die Bücher kostenlos an die Universitäten abgeben und die Uni zahlt für jedes ausgeliehene Buch (Rights Management) eine Gebühr von ca. 5 bis 10 Zent für eine Ausleihdauer von 4 Wochen oder die Unis kaufen das Buch 50 % vom normalen gedruckten Buchpreis und können es kostenlos ausleiehen.
Nania 13.09.2011
3. Bibliotheken
Es ist nur im Sinne der Wissenschaft, das Werke für Studenten und Mitarbeiter von Universitäten frei zugänglich sind. Das die Autoren Geld für ihre Bücher haben wollen, ist absolut verständlich, ein einmaliger Obulus ist hier schon zu entrichten. Es gibt aber auch Bestrebungen von Autoren und Verlägen, elektronische Ausleihen von E-Books und eingescannten Büchern, nicht mehr möglich zu machen. Es gibt Verläge, die darauf beharren, dass auch diese "Bücher" nur einmal ausgeliehen werden dürfen, damit die Bibliothek ein zweites Buch anschaffen muss. Im Rahmen der Geldknappheit an deutschen Universitäten - denn hier macht dieses Model Schule - ist das für mich nur ein Spucken auf die Leute, die einmal Ingenieure, Ärzte, Physiker oder ähnliches werden wollen - also die viel zitierten hochqualifizierten Fachkräfte.
murun 13.09.2011
4. die Liste der 167 Bücher...
Nachfolgend der Link zur Liste der 167 "verwaisten" Bücher, gegen deren digitale Veröffentlichung vorgegangen wird: http://orphanworks.hathitrust.org/ Bei den meisten Werken handelt es sich um Titel aus den 20er bis 40er Jahren des letzten Jahrhunderts, Belletristik ist dort kaum zu finden. Als Beispiel: Die jüngsten Veröffentlichungen aus der Liste stammen aus dem Jahr 1963, als da wären: V. N. Eremenko: The role of surface phenomena in metallury James MacGregor Apple: Plant layout and materials handling Charles Nelson Glaab: The American city, a documentary history Irving Lorge: Psychology of adults Und die gehören aus meiner Sicht noch zu den interessanteren Titeln ... ;-)
murun 13.09.2011
5. nächstes Mal
Um das Ganze noch einmal aufzudröseln: Beim Bibliothekendienst HathiTrust kann sich jeder anmelden und sich die eingescannten Bücher, die überwiegend wissenschaftlichen Charakters und sehr speziell sind, ansehen. Ein pdf-Downlad ist aber nur für die Angehörigen der teilnehmenden Universitäten möglich. Ein Umweg über Google Books hilft dort aber zugegeben oft... Nichtsdestotrotz empfinde ich Digitalisierungsprojekte mit Google Books als Segen. Als jemand, der oft auch nach Feierabend oder am Wochenende arbeitet und dazu alte Quellen vom 16. bis 19. Jahrhundert benötigt, ist dieser Service ein Glücksfall. An manche Sachen würde ich im Original herankommen, manchmal müsste ich aber auch mehrere hundert Kilometer reisen, um die Bücher dort vor Ort zu lesen. Aber das Wichtigste ist nicht diese vermeintliche Bequemlichkeit, sondern die Tatsache, dass man nicht mehr die wertvollen, teilweise raren und ebenso teilweise schlecht erhaltetenen Originale in die Hand nehmen muss. Aus konservatorischer und bestandserhaltender Sicht sowie zum Zwecke der Langzeitarchivierung historischer Buchbestände ist Google Books meiner Meinung nach das Beste, was den Bibliotheken passieren konnte. Jeder, der sich etwas in dem Metier auskennt, weiß, wie schwer aus Kosten- und Personalgründen größere Digitalisierungsprojekte in Bibliotheken gerade hierzulande zu stemmen sind. Und wenn da so ein Weltkonzern wie Google unterstützend daherkommt (Gewinnorientierung und Datenkrake hin oder her, zählen in diesem Fall für mich nicht), ist das eine tolle Sache. Solche Pauschalverdächtigungen mit der Keule "geistiger Diebstahl" wie in diesem Fall, der im Artikel beschrieben ist, helfen da nicht wirklich, um aufklärerisch zu wirken. btw: für mein Arbeitsgebiet gibt es bei Google Books mehrere Tausend Treffer, vollständig angezeigt werden nur Titel, bei denen es urheberrechtlich auch erlaubt ist. Bei moderneren Publikationen werden maximal als "Appetithäppchen" Auszüge angezeigt, ein Download als pdf ist hier auch nicht möglich...
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