Copyright-Streit: US-Professor verklagt australisches Musiklabel

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YouTube-Logo: Australische Plattenfirma lässt Mitschnitte von Vorträgen löschen

Lawrence Lessig ist einer der renommiertesten Copyright-Experten der USA. Ausgerechnet einen Mitschnitt seiner Vorlesung lässt eine australische Plattenfirma bei YouTube sperren. Grund: Im Video ist kurz Musik zu hören. Jetzt klagt der Harvard-Professor gegen die Sperre.

Immer wieder hatte ein australisches Musiklabel mit einem Prozess gedroht - nun dreht ein US-Professor den Spieß um: Der Jurist Lawrence Lessig verklagt das Label, weil es seiner Meinung nach ohne rechtliche Grundlage ein Video bei YouTube sperren ließ.

Das Video zeigt einen Vortrag des Harvard-Professors Lawrence Lessig in Südkorea aus dem Jahr 2010. Bei der Veranstaltung hatte er dem Publikum ein Video mit verschiedenen Amateur-Tanzvideos gezeigt, geschnitten zum Takt des Songs "Lisztomania" der französischen Band Phoenix. Liberation Music besitzt die Rechte an dem Lied. Das Label sah in dem YouTube-Video des Vortrags einen Verstoß gegen das Urheberrecht - und ließ den Clip vor einigen Monaten bei YouTube sperren.

Der Harvard-Professor beklagte sich über diese Entscheidung und verbreitete öffentlich, dass er keine Urheberrechte verletzt habe. Doch das Label drohte mit einer Klage, daraufhin zog er die Behauptung zurück. Nun zieht Lawrence Lessig zusammen mit der US-Organisation Electronic Frontier Foundation (EFF) gegen das Musiklabel vor Gericht. Die EFF setzt sich für Grundrechte im Internet ein und hat sich bereits im Spähskandal mit der US-Regierung angelegt.

Ist eine Vorlesung Fair Use?

Lessig und die EFF rechnen sich gute Chancen aus, da es das Urheberrecht erlaube, die Werke von Dritten zu verwenden, wenn sie beispielsweise "für Kritiken, Kommentare, im Unterricht und in der Wissenschaft eingesetzt werden", wie es in einer Mitteilung der EFF heißt. Dass der Professor das Lied in seinem Vortrag benutzt habe, sei ein "klassischer Fall von rechtmäßiger Nutzung und keine Urheberrechtsverletzung".

Das Ziel sei, mit der Aktion einen Präzedenzfall zu schaffen, um andere davor zu bewahren, sich vor Gericht durchkämpfen zu müssen. "Die Zunahme von extremen Zwangsmaßnahmen macht es immer schwieriger für Urheber, die Freiheiten zu nutzen, die ihnen das Urheberrecht einräumt", sagt Lessig.

Lessig ist ein vehementer Befürworter der Remix-Kultur im Internet. Er führt einen Feldzug gegen strenge Urheberrechtsregeln, die seiner Meinung nach die kreative Kultur im Netz verhindern. Aus diesem Anlass hat er auch den Rechtekatalog der Creative-Commons-Lizenzen mitbegründet, die es Künstlern vereinfacht, Musik, Videos und Bilder unter bestimmten Bedingungen für eigene Werke zu verwenden - um neue Kunst zu schaffen.

jbr

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