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05. April 2002, 17:23 Uhr

Urheberrecht

Das Ende des Foto-Film-Musik-Klauens

Bilder, Filme und Texte von fremden Homepages sind schnell heruntergeladen und auf die eigene Seite gestellt. Selbst wenn Internetdiebe an der digitalen Beute nicht verdienen, müssen sie oft teuer dafür bezahlen. Auch beim CD-Brennen sollen die Urheberrechte gestärkt werden. Und in den USA wird gar diskutiert, wie die Sache bei Links aussieht.

Big Brother-Filme auf der eigenen Homepage: Das kann teuer werden

Big Brother-Filme auf der eigenen Homepage: Das kann teuer werden

Der junge Mann dachte sich nichts Böses. Er richtete eine private Fanpage zu der Container-TV-Serie "Big Brother" im Internet ein, auf der auch eine Filmsequenz zu sehen war. Doch statt sich für die kostenlose Werbung zu bedanken, schickte die Produktionsgesellschaft eine Abmahnung. "Am Ende hatten die Eltern Anwaltskosten in Höhe von einigen tausend Mark am Hals", erinnert sich Maximilian Herberger, Direktor des Instituts für Rechtsinformatik an der Universität in Saarbrücken.

Immer mehr User mischen auf der Homepage eigene Werke bedenkenlos mit Inhalten anderer Websites. "Es ist ein fundamentaler Irrtum zu glauben, dass man das darf, nur weil kein Geschäftsinteresse besteht", mahnt Herberger, der eine Zunahme der Streitigkeiten um dieses Thema beobachtet hat.

Geistiges Eigentum ist nicht kostenlos

Ob Text, Layout oder Musik, egal ob kommerziell ausgerichtet oder nicht - nach dem Urheberrechtsgesetz ist die Verbreitung fremden geistigen Eigentums ohne Erlaubnis unzulässig. Und das gilt auch im Internet. Wer auf die interessanten Fundstücke aus fremder Feder nicht verzichten will, muss beim Rechteinhaber nachfragen. Manchmal finden sich auch schon im "Kleingedruckten" von Websites entsprechende Hinweise.

Während die Musikunternehmen die Wahrnehmung ihrer entsprechenden Rechte an die Gema übertragen haben, ist der Fall bei Texten anders. "Hier müssen die einzelnen Verlage angesprochen werden", sagt Frank Thoms von der Verwertungsgesellschaft Wort in München. Eine Erlaubnis sollte sich der Nutzer am besten schriftlich geben lassen. Frei nutzbar sind nur Gesetzestexte, Gerichtsentscheidungen und andere amtliche Dokumente - sowie Werke, deren Urheber seit mindestens 70 Jahren tot sind. Erlaubt sind dabei auch Zitate in einem eigenen Text und Parodien. Verlage, die in ihren Online-Angeboten Fotos oder Texte aus ihren Publikationen wieder verwerten, müssen ebenfalls die gesonderte Erlaubnis des Urhebers einholen und ihn dafür extra bezahlen. Wird die Printausgabe hingegen nur zitiert, kann sich die Online-Reaktion munter bedienen.

Die Brennerabgabe scheint zu kommen

Nicht nur private Betreiber von Homepages streiten sich in Sachen Urheberrecht. Auch das Brennen von CDs, das in den letzten Jahren immer populärer geworden ist, bietet Zündstoff. Die Gema und der CD-Brenner-Hersteller Hewlett-Packard werden sich deshalb wahrscheinlich bald vor Gericht treffen. Die Gema fordert vom Marktführer eine Abgabe von rund zehn Euro für jeden verkauften Brenner. Wenn der sich weigert, will die Gema den Fall von der Justiz klären lassen. Sie fordert rund 1,5 Millionen Euro von der Firma.

Doch bei Hewlett-Packard will die Gema es nicht belassen: Etwa 30 andere Brenner-Hersteller hat die Gesellschaft aufgefordert, die Zahl der hergestellten Geräte bekannt zu geben und entsprechende Abgaben zu leisten. Fließt kein Geld, will die Gema auch sie verklagen. Insgesamt 40 bis 70 Millionen Euro sollen so in die Gema-Kassen kommen. Die Chancen für die Gesellschaft, die die Vervielfältigungsrechte für Musik wahrt, stehen nicht schlecht: Im vergangenen Jahr bereits hatte das Stuttgarter Landgericht Hewlett-Packard angewiesen, sich mit der Gema auf eine Abgabe zu einigen. Ein Urteil, das Vorbildcharakter haben könnte.

Wird das Netz zerstört zu Gunsten der Urheberrechte?

Die USA scheinen auf dem Gebiet schon weiter zu sein: Dort wird ein Gesetz debattiert, das vorschreiben soll, dass in die meisten elektronischen Geräte ein Kopierschutz eingebaut werden soll. Betroffen wären nach Ansicht der Befürworter im Senat Hard- und Software, CD-Player, Fernsehgeräte, und Computer. Die Technikindustrie sollte demnach aktiv gegen Piraterie vorgehen und die Urheberrechte stärken. Die öffentlicher Verfügbarkeit der Inhalte würde dadurch sicherlich stark eingeschränkt.

Ein kalifornisches Gericht ging gar noch weiter, was den Schutz der Urheberrechte angeht. Der Fotograf Les Kelly hat in einem Prozess einen Teilsieg gegen die Bildersuchmaschine Ditto.com errungen. Diese hatte Bilder von Kelly in Thumbnails umgewandelt und verlinkt. Im Prinzip sei das erlaubt, so das Gericht, doch das Originalfoto direkt in einem neuen Fenster öffnen zu lassen, widerspreche dem Urheberrecht. Ob das das Ende der Verlinkung ist? Wahrscheinlich nicht, denn ein wesentliches Merkmal des Internet sind die Querverweise, ohne die das Netz einer Bibliothek ohne Katalog entspräche.

Die Electronic Frontier Foundation, die für die digitale Freiheit kämpft, sieht das genauso. Das Urteil aus Kalifornien könnte dazu führen, dass jegliche Verlinkung ohne die Erlaubnis des Urhebers gegen dessen Rechte verstößt. "Es wäre ein Alptraum, wenn das Urheberrecht auf jede Verlinkung im Internet ausgedehnt würde", so deren Anwalt Fred von Lohmann. Es ist jedoch nicht abzusehen, dass in Zukunft die Verlinkung in Amerika verboten wird, während in Deutschland von jeder Homepage munter auf andere Netzinhalte verwiesen werden darf.

Urs Zietan

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