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Rekordstrafe in Spanien: Sechs Jahre Haft wegen Urheberrechtsverletzungen

YouKioske: Die Webseite der Verurteilten ist längst offline, die Facebook-Seite kann man noch heute liken Zur Großansicht

YouKioske: Die Webseite der Verurteilten ist längst offline, die Facebook-Seite kann man noch heute liken

Zwei Spanier haben Zeitungen und Zeitschriften kostenlos über ihr Newsportal im Netz verbreitet. Jetzt erhielten sie die härteste Strafe, die in Spanien bislang für Urheberrechtsverletzungen im Internet verhängt wurde.

Zwei Spanier stehen wegen Urheberrechtsverletzungen im großen Stil jeweils sechs Jahre Haft bevor. Sie hatten kostenlos die Inhalte zahlreicher europäischer Zeitungen und Zeitschriften über ein Internetportal verbreitet, ohne zuvor die Zustimmung der jeweiligen Verlage einzuholen.

Die Strafe, über die der Nationale Gerichtshof in Madrid entschieden hat, ist laut der Tageszeitung "El País" die härteste, die in Spanien je wegen Urheberrechtsverletzungen im Netz verhängt wurde.

Die Männer hatten dem Gericht zufolge die Inhalte von über 17.000 Zeitungen- und Zeitschriftenausgaben aus Spanien, Deutschland, Italien, Frankreich, Großbritannien, Portugal, Russland und den Niederlanden auf einer Webseite namens YouKioske angeboten.

Die beiden Männer seien sich der Illegalität ihrer Aktivität bewusst gewesen, betonte das Gericht. Sie seien wegen eines Verstoßes gegen das Gesetz zum Schutz geistigen Eigentums und wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung verurteilt worden. Spanische Medien schreiben, dass sie für beide Delikte jeweils eine Haftstrafe von drei Jahre bekamen.

Die Angeklagten müssen auch Entschädigungszahlungen leisten, deren Höhe später festgelegt werden soll. Die Zeitung "El País" - die zu den Geschädigten zählt und damit vermutlich nicht ganz unvoreingenommen ist - beziffert den durch die Tat entstandenen Schaden für die Verlage auf 3,7 Millionen Euro. Die Männer dürfen zudem fünf Jahre lang keine Internetseiten betreiben. Ein dritter Angeklagter wurde freigesprochen, weil seine Beteiligung an der Tat nicht nachgewiesen werden konnte.

"Die Angeklagten zeigen mit der Tat ihre absolute Verachtung, nicht nur gegenüber geltendem Recht", schrieb das Gericht in seiner Urteilsbegründung. Sie hätten die Geschädigten "damit verspottet, dass sie ihr Geld dazu verwendeten, paradiesische Strände zu genießen, während andere arbeitslos wurden."

Die spanische Regierung hatte im Juli 2014 ein neues Urheberrechtsgesetz verabschiedet. Laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens GfK bezogen die Spanier 2013 84 Prozent aller Filme, Musik, Spiele und Verlagsinhalte illegal über das Internet.

kbl/dpa

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Wo Wikipedia in die Irre führte
Meist akkurat
Viele Wikipedia-Artikel sind genau so akkurat wie ihre Gegenstücke im Brockhaus oder der Encyclopaedia Britannica. Die Autorengemeinschaft pflegt aktuelle Ereignisse nicht selten binnen kürzester Zeit ein und bügelt Fehler meist schnell wieder aus. Wenn die "Weisheit der Vielen" versagt, kann es allerdings zu peinlichen Pannen kommen.
dpa
Falsche Namen
Der Freiherr zu Guttenberg hat viele Vornamen. Wilhelm gehört aber nicht dazu. Als der CSU-Politiker im Februar 2009 Wirtschaftsminister wurde, mogelte ein anonymer Scherzbold in dessen Wikipedia-Biografie neben den zahlreichen anderen Namen eben auch den Wilhelm rein. Dieser Fehler stand zwar nicht lange auf der Seite, zahlreiche Medien übernahmen ihn aber offenbar ungeprüft aus dem Online-Lexikon.
Falsche Verdächtigungen
Der amerikanische Journalist John Seigenthaler stellte im September 2005 schockiert fest, dass ihm in der Wikipedia eine Verwicklung in die Ermordung von John F. Kennedy und dessen Bruder Bobby unterstellt wurde. Die Behauptung stand monatelang unwidersprochen online. Der Fall führte zu heftigen Kontroversen unter den Wikipedianern, wie das Lexikon zuverlässiger werden kann.
Politische Grabenkämpfe
Die Parteizentralen messen Wikipedia große Bedeutung zu - und legen daher oft selbst Hand an. 2007 wurde von einem Rechner der hessischen CDU-Zentrale aus der Eintrag über den grünen Landespolitiker Tarek Al-Wazir bearbeitet. Die Union verwies auf einen Praktikanten. Ein Jahr später versuchte ein unbekannter Autor, die US-Politikerin Sarah Palin in ein besseres Licht zu rücken, indem er die wenig schmeichelhafte Passage über ihren Spitznamen "Sarah Barracuda" löschte. Die Community sperrte den Eintrag zwischenzeitlich für Bearbeitungen.
Geschöntes Image
Auch Unternehmen haben immer wieder versucht, die Einträge über sich oder ihre Produkte zu schönen. Microsoft etwa löschte eine kritische Passage über die Fehleranfälligkeit seiner Spielkonsole Xbox 360. Der Ölkonzern Chevron-Texaco ließ gleich einen ganzen Text über Biodiesel verschwinden. Die Manipulationen fielen aber auf - ein Instrument namens Wikiscanner konnte die Veränderungen auf die Anbieter zurückführen.
Die kleinen Geschwister der Wikipedia
Bildersammlung und Zitate
Wikipedia hat Weltruhm erlangt, doch im Schatten des Mitmachlexikons gibt es etliche Projekte, die sich ebenfalls dem Aufbau freien Wissens verschrieben haben. Freiwillige sammeln Fotos, Grafiken und Landkarten, arbeiten an einem Wörterbuch und einer Zitatesammlung. Wie auch bei der Online-Enzyklopädie steckt die Wikimedia-Stiftung dahinter.
dpa
Wikimedia Commons
Wikimedia Commons ist eine Datenbank für Mediendateien - vor allem Fotos, aber auch Videos, Landkarten und Grafiken. Privatleute und öffentliche Einrichtungen haben mehr als 7,8 Millionen Dokumente zusammengetragen. Das Bundesarchiv stellte beispielsweise 100.000 historische Fotos zur deutschen Geschichte zur Verfügung. Aus diesem Fundus bebildern die Autoren ihre Wikipedia-Artikel. Grundsätzlich darf aber jeder die Dateien herunterladen und benutzen, auch kommerziell: Die freie Verwendung ist Voraussetzung dafür, dass die Community die Bilder akzeptiert.
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In Wikiquote sammeln die Nutzer Zitate von mehr oder weniger berühmten Persönlichkeiten. Mehr als 7500 Artikel gibt es dort mittlerweile, sortiert nach Personen, Themen oder auch Filmen - bekanntlich eine ergiebige Quelle für Bonmots. Zitate von Schriftstellern oder Buchautoren sind allerdings auf zehn pro Person beschränkt, aus urheberrechtlichen Gründen. Anders ist es bei Politikern und Sportlern. Franz Beckenbauer und Gerhard Schröder kommen ausführlich zu Wort.
Wiktionary
Das Wiktionary ist ein Lexikon, in dem die Nutzergemeinde Bedeutungen, Herkunft oder Aussprache von Wörtern zusammenträgt. Es gibt Einträge in 170 Sprachen, darunter Tibetisch und Rätoromanisch. Erwartungsgemäß am größten ist allerdings die englische Sektion mit mehr als zwei Millionen Einträgen. Das deutsche Wörterbuch hat mit 127.000 Einträgen locker Duden-Dicke erreicht. Das erste Wort auf Deutsch, eingetragen im April 2002: Metamorphose.
Wikiversity
Das jüngste Projekt der Wikimedia-Stiftung startete 2006 und heißt Wikiversity - eine Online-Plattform "zum gemeinschaftlichen Lernen, Lehren und Forschen". Studenten und Wissenschaftler sollen damit zusammenarbeiten können, ohne eine eigene technische Infrastruktur aufbauen zu müssen. Die virtuelle Universität ist allerdings relativ leer: Bislang gibt es 27.000 Artikel in zwölf Sprachen, in der deutschsprachigen Sektion sind nur rund 200 Nutzer angemeldet.


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