Urheberrechtsstreit Google soll eine Million Euro pro Tag zahlen

Eine Copyright-Organsation hat mit einer Klage gegen Google News Erfolg gehabt. Ein belgisches Gericht entschied, dass Google keine Meldungen aus französischsprachigen Zeitungen mehr verwenden darf. Weil sich Google nicht daran hält, drohen jetzt tägliche Strafzahlungen.


Die Organisation Copiepresse vertritt der Nachrichtenagentur Reuters zufolge deutsch- und französischsprachige Zeitungen in Belgien in Copyright-Fragen. Schon am 5. September hatte ein belgisches Gericht zugunsten von Copiepresse entschieden, dass Google keine Artikel aus französischsprachigen Zeitungen in der belgischen Version von Google News verlinken darf. Das Gericht hatte verfügt, dass Google ab dem heutigen Montag pro Tag eine Million Euro Strafe zahlen muss, wenn das Unternehmen sich nicht an das Urteil hält.

Google: Streit um Nachrichten
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Google: Streit um Nachrichten

Reuters zufolge sind Artikel aus belgischen Zeitungen wie "La Dernière Heure", "La Libre Belgique" und "Le Soir" jedoch auch heute noch über Google News Belgien abzurufen. Eine Sprecherin von Copiepresse, Margaret Boribon, sagte: "Wir bitten Google, zu bezahlen und Autorisierungen von uns einzuholen, wenn sie unsere Inhalte verwenden." Google verdiene mit Anzeigen und ziehe somit Profit aus den Inhalten der Copiepresse-Mitglieder. In seinen News-Angeboten schaltet Google bislang allerdings keine Werbung.

Boribon sagte, sie stünde im Kontakt mit ähnlichen Organisationen im übrigen Europa, um diese über den Ausgang des Verfahrens zu informieren. Es sei möglich, dass ähnliche Schritte auch in anderen Ländern unternommen würden.

Google ist in der Vergangenheit wiederholt für das Verlinken von Nachrichten bei Google News kritisiert worden. Eine Klage der französischen Nachrichtenagentur AFP gegen die Suchmaschinenbetreiber ist noch im Gange. Auch AFP möchte Google untersagen lassen, Überschriften, Fotos und Artikel-Anfänge der Agentur auf seinen Seiten zu verwenden. Google selbst hatte vor einiger Zeit angekündigt, man werde die Agentur AP künftig für die Verwendung aktuellen Materials bezahlen.

Bei Google war zunächst niemand für einen Kommentar zu erreichen.

Update: Inzwischen hat Stephan Keuchel, Sprecher von Google Deutschland, gegenüber SPIEGEL ONLINE zu dem Fall Stellung genommen. Man habe erst am Freitag von der Entscheidung erfahren, so Keuchel, "und wir haben vor, dagegen vorzugehen". Wer bei Google News nicht auftauchen wolle, müsse dies nicht, "wir respektieren die Wünsche von Content-Inhabern". Wer nicht wolle, dass eigene Inhalte verlinkt würden, werde nicht mehr in Google News erfasst. Auch die beanstandeten Quellen, "Le Soir" und "Grenzecho" seien nun aus Google News Belgien entfernt worden. Man habe nicht vor, Strafzahlungen zu leisten, sondern wolle sich wehren: "Wir werden die notwendigen rechtlichen Schritte einleiten", so Keuchel.

cis/rtr



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