Gerichtsurteil Minus bei Prepaid-Konten ist Sache des Anbieters

Rutscht ein Prepaid-Guthabenkonto ins Minus, müssen Handy-Kunden den Betrag nicht bezahlen. Das haben zwei Gerichte entschieden und eine entsprechende Klausel in Prepaid-Verträgen zweier Anbieter für unwirksam erklärt.

Prepaid-Kunden: Minus auf dem Guthabenkonto muss nicht bezahlt werden
Corbis

Prepaid-Kunden: Minus auf dem Guthabenkonto muss nicht bezahlt werden


Das Guthaben auf Prepaid-Handys darf nicht in die roten Zahlen rutschen, entschieden die Landesgerichte in München und Frankfurt am Main. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hatte gegen eine entsprechende Klausel in den Verträgen zweier Mobilfunkanbieter geklagt und Recht bekommen. Auch wenn die Anbieter in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen einen Negativsaldo möglich machen und einen unverzüglichen Ausgleich fordern, müssen die Kunden das Minus nicht bezahlen.

Die Kammer in München erklärte in der Urteilsbegründung, die Klausel widerspreche "dem Zweck eines Prepaidvertrages, bei dessen Abschluss der Kunde davon ausgeht, dass ihm keine unvorhergesehenen Kosten entstehen". Auch die Frankfurter Kammer geht davon aus, "dass durch die Vorauszahlung ungenehmigte, unter Umständen hohe Telefonkosten ausgeschlossen sind".

Zu einem Minusstand auf einem Prepaid-Konto kann es vor allem bei kleinen Anbietern kommen. Bei Prepaid-Tarifen zahlen Kunden Geld auf ein Guthabenkonto ein. Sobald das Guthaben aufgebraucht ist, ist bis zum erneuten Aufladen normalerweise kein Anruf mehr möglich. Kleinere Anbieter ohne eigenes Mobilfunknetz erhielten die Daten der Netzbetreiber aber oft zu spät, sagte ein Sprecher der Verbraucherzentrale. So kann das Guthabenkonto ins Minus rutschen.

Die Klagen der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen richteten sich gegen die Anbieter Discotel und Simplytel, die beide zum Telekommunikationskonzern Drillisch gehören. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

hev/dpa



insgesamt 15 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
garfield 17.04.2013
1.
Zitat von sysopCorbisRutscht ein Prepaid-Guthabenkonto ins Minus, müssen Handy-Kunden den Betrag nicht bezahlen. Das haben zwei Gerichte entschieden und eine entsprechende Klausel in Prepaid-Verträgen zweier Anbieter für unwirksam erklärt. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/urteil-kunden-muessen-minus-auf-prepaid-konto-nicht-zahlen-a-894812.html
Gut so. Das wäre kein PREPAID mehr, das ja gerade auf Guthaben basiert und damit Sicherheit gibt, wenn man plötzlich doch wie bei einem Postpaid-Vertrag "Kredit" bekommt, den man hinterher ausgleichen muss. Das ist wohl einer der wichtigsten Punkte, warum man sich für Prepaid entscheidet. Wenn ein Anbieter Kosten nicht in Echtzeit dem Guthabenkonto belasten kann, ist das sein Problem und nicht das des Kunden. Das muss er im Computerzeitalter mit dem Netzbetreiber klären und darf nicht durch Perversion des Prepaid-Begriffs das Risiko auf den Kunden abwälzen.
ralf wagner 17.04.2013
2. Ja, ja die Marktwirtschaft
oder besser - was davon übrig geblieben ist! Ob Strom, Gas, Kommunikation etc.: dem Verbraucher wird ein Markt vorgegaukelt, den es so gar nicht gibt. Pseudoanbieter, die oft auch Töchter der 4 oder 6 Großen sind suggerieren Anbietervielfalt. Der Konzentrationsprozess ist soweit fortgeschritten, dass nur noch eine Illusion der Marktwirtschaft übrig geblieben ist. Wieso habe ich immer nur die Wahl zwischen Übeln?
westenmax 17.04.2013
3. Müssen nicht bezahlen, können aber
Ich denke aber, dass der Kunde den Negativsaldo dennoch freiwillig ausgleichen kann. Wenn er beim Aufladen nochmals Geld einsetzt, um von seiner Nummer aus zu telefonieren. Ich wäre überrascht, wenn es z.B. möglich ist, bei z.B. 1 Ct Guthaben eine 0190 Nummer die 50 € pro Anruf kostet anzurufen. Wenn dann der Saldo nicht negativ sondern 0 ist, schnell wieder einen Ct aufladen. Dann das ganze wiederholen. Mit geringem Ct-Einsatz könnte man da schon eine Telefonfirma ruinieren. Ich denke, das Urteil bedeutet, wenn man nicht bezahlt bleibt die Telefonkarte gesperrt. Nur entstehen keine Schulden die man eintreiben kann.
freister 17.04.2013
4. So Probleme hatte ich mit callmobile
Hatte bei diesem Anbieter sogar das Problem, dass nach meiner Kündigung ein größeres Negativ aufgelaufen ist, weil ich weitere Abbuchungen zurückbuchen ließ. Habe aber dann doch bezahlt.
labrador2002 17.04.2013
5. Empfehle Congstar
Super Unternehmen mit zwar einigen kleinen Schwächen, aber wenn man alles was man buchen oder nutzen will, rechtzeitig, 14 Tage, abschließt. Gibt es keine Probleme. Viele kleine Anbieter wie Fonic, Simyo oder Klarmobil, sollte man vom Markt nehmen. Was die, Ihren Kunden antun ist genauso kriminel, wie die Machenschaften der von DTAG kontrollierten Drittanbieter. Es darf nicht sein das Kunden 20 oder 30 Rufnummermitnahmeanfragen stellen lassen und diese Anbieter sich bedinungslos über das Telekommunikationsgesetz hinwegsetzen. Congstar ist auch ein kleiner Anbieter, gemessen an den Kunden und den jährlichen Unternehmensumsatz. Doch die Kundenbindung ist einmalig. Und das wird auch durch diverse Umfragen oder dem größten Meinungsfachblatt in der Telekommunikationsbranche, Connect" bestätigt. Die importierten Rufnummern liegen über dem vielfachen der Importierungen, als bei anderen Anbietern in der Onlinebranche. Und das Geld im Minusbetrag, als Prepaidkartenkunde besteht, ist unmöglich. Denn das ist laut AGBs bei Congstar nicht erlaubt. Natürlich gibt es viele Verbesserungsmöglichkeiten und diese werden von den Congstarverantwortlichen umgesetzt, sogut wie es halt geht. Fakt ist, geht zu den gro´ßen Vier in Deutschland und diese Problematik wird nicht auftreten. Auch bei Congstar oder Blau.de ist der Service soweit fortgeschritten, dass ein Kunde mit orientierter Kundenberatung rechnen darf. Dazu Prozesse, nicht aus eigenen Ermessen heraus umändern.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.