Kreditkartenbetrug US-Ermittler nehmen russischen Hacker fest

Amerikanische Ermittler feiern die Festnahme eines Mannes. Ihm wird vorgeworfen, Daten von Hunderttausenden Kreditkarten gestohlen und weiterverkauft zu haben. Russlands Außenministerium ist empört über das US-Vorgehen.

Kreditkarten (Symbolbild): Millionengeschäfte mit gestohlenen Daten
DPA

Kreditkarten (Symbolbild): Millionengeschäfte mit gestohlenen Daten


Mit offensichtlichem Stolz hat der amerikanische Secret Service am Montagabend einen Fahndungserfolg gemeldet (PDF). Ermittler hätten "einen der weltweit erfolgreichsten Schwarzmarkthändler für gestohlene Finanzdaten" festgenommen. Der "New York Times" zufolge sitzt der Mann aus Russland jetzt auf der Pazifikinsel Guam in Haft.

Das russische Außenministerium hat die Festnahme scharf kritisiert. Die Vorgänge seien eine "neuerliche unfreundliche Geste" der Regierung in Washington, hieß es am Dienstag. Es sei "nicht das erste Mal", dass die USA "einen russischen Bürger entführen".

Während die US-Behörden keine Angaben zum Ort der Verhaftung machen, erklärte Moskau, der Mann sei am Flughafen der maledivischen Hauptstadt Male kurz vor dem Abflug nach Moskau festgenommen worden. US-Agenten hätten ihn dann gezwungen, in ein Flugzeug nach Guam zu steigen.

Das Ministerium verglich den Fall mit dem des russischen Waffenhändlers Viktor Bout und des Piloten Konstantin Jaroschenko, die beide im Ausland verhaftet und in die USA gebracht wurden, wo sie wegen illegalen Waffenhandels beziehungsweise Drogenhandels verurteilt wurden.

Hunderttausende gestohlene Kreditkartennummern

Dem Secret Service zufolge lag gegen den Mann bereits seit März 2011 ein Haftbefehl aus Washington vor. Ihm wird vorgeworfen, sich zwischen Oktober 2009 und Februar 2011 Zugang zu den Abrechnungssystemen mehrerer Einzelhandelsunternehmen in den USA verschafft zu haben.

In der Anklageschrift wird dem Russen angelastet, die Systeme seiner Opfer nach Schwachstellen abgesucht und über diese Schadsoftware eingeschleust zu haben. Auf diese Weise habe er in einem Fall zum Beispiel unbemerkt Daten von 32.000 Kreditkarten aus den Rechnern eines Restaurants abgreifen können. Auf ähnliche Weise soll er Finanzdaten aus vier weiteren Restaurants erbeutet haben.

Insgesamt soll er mehr als 200.000 Kreditkartennummern gestohlen und mindestens 140.000 solche Datensätze über Online-Foren weiter verkauft haben. Allein diese Geschäfte haben ihm angeblich mehr als zwei Millionen Dollar eingebracht.

Bis zu 30 Jahre Haft

Der Fall zeigt exemplarisch, wie Kriminelle Fehler in elektronischen Systemen ausnutzen, um aus deren Verkauf Kapital zu schlagen. Der Verdächtige soll online unter dem Namen Track2 aufgetreten sein, der Bezeichnung für jenen Teil des Magnetstreifens einer Kreditkarte, auf dem Daten wie die Kartennummer und das Ablaufdatum gespeichert sind.

Die Liste der Straftaten, die dem Mann zur Last gelegt werden, ist allerdings noch weit länger. So führt der Secret Service unter anderem fünf Fälle von Bankbetrug, acht Fälle von vorsätzlicher Beschädigung geschützter Computer, acht Fälle von Datendiebstahl und fünf Fälle schweren Identitätsdiebstahls auf. Sollte er schuldig gesprochen werden, drohen dem mutmaßlichen Täter 30 Jahre Haft.

Secret-Service-Chefin Julia Pierson lobte ihre Ermittler dafür, dass sie "hochmoderne Ermittlungstechniken" genutzt hätten, um "Cyberkriminelle in aller Welt zu identifizieren und zu verfolgen". Man dürfe den negativen Einfluss, den Kriminelle auf die amerikanische Wirtschaft haben, "nicht unterschätzen", führte Pierson weiter aus.

Staatsanwältin Jenny A. Durkan ging sogar noch weiter und nahm den Erfolg zum Anlass, weitere Täter zu warnen: "Cyber-Betrüger sollten sich in Acht nehmen: Egal wo ih seid, ihr könnt euch nicht hinter euren Tastaturen verstecken. Wir werden dafür sorgen, dass ihr Euch der Justiz stellen müsst."

mak/AFP

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