US-Expertin Cybercrime macht mehr Geld als Drogenhandel

Per Computerkriminalität, behauptet Valerie McNiven, IT-Beraterin der US-Regierung, sollen 2004 weltweit mehr als 105 Milliarden Dollar umgesetzt worden sein. "Cybercrime" boome so sehr, dass die Strafverfolgung nicht mehr mitkäme.


Es ist so eine Sache, die durch Computerkriminalität entstehenden Schäden abzuschätzen: Da treffen echte Einnahmen durch Phishing und anderen Finanzbetrug auf die zahlreichen Fälle von durch Cybercrime verursachten Umsatzeinbußen und hochgerechneten Schäden.

IT-Kriminalität: Mehr Umsatz als die Drogenmafia?

IT-Kriminalität: Mehr Umsatz als die Drogenmafia?

Man kennt das aus der Berichterstattung über spektakuläre Hacks oder Virenattacken. Schnell halten Experten den Daumen in den Wind und überschlagen die Kosten im dreistelligen Millionenbereich - Wochen später entpuppt sich der tatsächliche Schaden dann meist als sehr viel kleiner. "Mit Mythen", meint dazu der IT-Kritiker Rob Rosenberger, "lässt sich Geld verdienen."

Dass es ein IT-Sicherheits- und Kriminalitätsproblem gibt, steht jedoch außer Frage. Spätestens seit die Phishing-Welle richtig rollt, wird auch den meisten Internet-Nutzern klar, wie viele Betrüger im Web unterwegs sind.

Genug, behauptet Valerie McNiven, um 2004 mehr Geld als die gesamte Drogenindustrie umgesetzt zu haben. McNiven gehört zu den Leuten, die den Daumen von Berufs wegen in den Wind halten. Und wenn sie schätzt, dann hört man ihr auch im Weißen Haus zu: McNiven nennt sich "Cybercrime-Beraterin" der Regierung Bush. Ihre Meriten verdiente sich McNiven unter anderem als IT-Sicherheitsexpertin für die Weltbank.

Sie hält "unsere Unwilligkeit oder Unfähigkeit, sichere Systeme zu entwickeln" für den Kern des Cybercrime-Problems. Nur weil die IT-Infrastrukturen so angreifbar seien, könnte sich Computerkriminalität so explosionsartig verbreiten - zu schnell für die Strafverfolgungsbehörden, die der Entwicklung hinterher trabten. Und dass, obwohl sie überhaupt nur einen Bruchteil der Cyber-Verbrechen überhaupt verfolgen: Die Mehrzahl der betroffenen Unternehmen, fand 2002 das FBI heraus, zeigen Schäden durch IT-Kriminalität noch nicht einmal an.

Die Risiken durch Computerkriminalität, meint McNiven, würden in den nächsten Jahren noch steigen. Gerade durch die zunehmende Vernetzung auch von Entwicklungs- und Schwellenländern mit ihren sehr unsicheren Struturen sei ein Anstieg vor allem im Bereich des Finanzbetruges zu befürchten. Korruption, leichter Identitäts-Diebstahl und die Möglichkeiten, Informationen zu manipulieren, begünstigten den künftigen Cybercrime-Boom in Entwicklungsländern: "Deren Systeme werden vom Start an korrumpiert."

Ansteigen werde die Bilanz aber auch durch mittelbare Cybercrime-Folgen. So begünstige die zunehmende Vernetzung nicht nur die Verbreitung von Pornografie, sondern erleichtere auch die Abwicklung des internationalen Menschenhandels.



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