USA: Gericht verbietet Verkauf gebrauchter Musikdateien

Online-Flohmarkt Redigi: Urheberrechtsverletzung durch gebrauchte Musikdateien Zur Großansicht

Online-Flohmarkt Redigi: Urheberrechtsverletzung durch gebrauchte Musikdateien

Für den Weiterverkauf von Musikdateien ist eine Erlaubnis des Rechteinhabers nötig. Mit diesem Urteil hat ein US-Bezirksgericht gegen die Handelsplattform Redigi entschieden. Das Geschäftsmodell des Start-ups lasse sich nicht mit dem Urheberrecht vereinbaren.

Gebrauchte Musikdateien dürfen im Internet nicht ohne Erlaubnis des Rechteinhabers verkauft werden, befand das New Yorker Bezirksgericht. So lange eine solche Genehmigung nicht vorliege, sei der Weiterverkauf von digital gespeicherter Musik eine Urheberrechtsverletzung. Deshalb verstoße das Angebot der Online-Handelsplattform Redigi gegen das alleinige Recht des Rechteinhabers, seine Musik zu vervielfältigen. Die sogenannte "First Sale"-Doktrin, ein Weiterverkaufsrecht, mit dem das Start-up sein Geschäftsmodell rechtfertigt, lasse sich nicht auf Musikdateien übertragen, entschied das Gericht. Redigi war von dem Musik-Label Capitol Records verklagt worden.

Gegenüber "Cnet" kündigte ein Redigi-Sprecher an, das Unternehmen werde in Berufung gehen. Weiter betonte er, das Urteil des Richters betreffe die Version 1.0 der Redigi-Software, mittlerweile nutze das Unternehmen eine weiterentwickelte Fassung. Ein Hauptstreitpunkt des Prozesses war der Transfer der Dateien vom Rechner des ursprünglichen Käufers auf die Redigi-Server und zum neuen Käufer. Dabei ging es um die Frage, ob die Dateien während des Transfers ohne Erlaubnis des Rechteinhabers vervielfältigt werden.

Redigi ist 2011 gestartet. Das Unternehmen ermöglicht seinen Kunden den Weiterverkauf von Musikdateien, die bei iTunes gekauft wurden. Vor dem Verkauf werden die Dateien vom Computer des ursprünglichen Käufers gelöscht. Bezahlt wird auf dem Online-Flohmarkt mit sogenannten Redigi-Credits.

Für den Markt mit gebrauchten digitalen Gütern interessieren sich auch andere Unternehmen. Im Februar hatte es Spekulationen gegeben, ob Amazon einen "Zweitmarkt für digitale Objekte" startet. Grundlage der Gerüchte war ein Patent, das sich das US-Unternehmen gesichert hatte. 2012 entschied der Europäische Gerichtshof, dass gebrauchte Software-Lizenzen weiterverkauft werden dürfen.

mbö

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
niska 02.04.2013
Zitat von sysopFür den Weiterverkauf von Musikdateien ist eine Erlaubnis des Rechteinhabers nötig. Mit diesem Urteil hat ein US-Bezirksgericht gegen die Handelsplattform Redigi entschieden. Das Geschäftsmodell des Start-ups lasse sich nicht mit dem Urheberrecht vereinbaren. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/us-gericht-verbietet-verkauf-gebrauchter-musikdateien-a-892038.html
Absurd. Dann wird man in USAland bald also verhaftet, wenn man sein originales White Album von den Beatles auf dem Flohmarkt oder bei ehBäh vertickt...
2. nix verstanden?
hgg66 02.04.2013
es geht dabei um Musik in DIGITALER Form
3. Das kann doch nur ein Aprilscherz sein...
lustiger_leser 02.04.2013
Seit wann sind den legal gekaufte digitale Songs an eine PErson gebunden? Abgesehen davon, dass so eine Datei dann eine Individual-Lizenz samt Signatur haben müsste, kann ich mir nicht vorstellen, dass das in den AGB der Anbieter steht. Außerdem: wie soll denn ein Rechteinhaber nachweisen, welchem Individuum die verkaufte Datei ursprünglich gehörte? Und: am Anfang des ganzen Raubkopierei-Zoffes erwirkte die Musik-Mafia, dass digitale Files echte "Produkte" seien, deren Diebstahl genauso anzusehen sei, wie der Diebstahl "fester Produkte", und jetzt aber wollen die das damit verbundene private Produkt-Wiederverkaufsrecht umgehen? Da sieht man, welch absurde Blüten Raffgier und Lobbyarbeit hervorruft...
4.
kraftwerk05 02.04.2013
Zitat von niskaAbsurd. Dann wird man in USAland bald also verhaftet, wenn man sein originales White Album von den Beatles auf dem Flohmarkt oder bei ehBäh vertickt...
Früher hat man Artikel gelesen, verstanden und dann ggf. kommentiert. Die guten alten Zeiten! Hier geht es nicht um Vinyl, CD oder sonstige käuflich erwerbbare Musikdatenträger. Es geht z.B. um den DRM-Müll von Apple, die zwar ein Patent auf den Wiederverkauf digitaler Musikdateien halten, aber keine Möglichkeit dazu anbieten. In diese Lücke wollte Redigi springen. Und das White Album will eh keiner, weil es das mit Abstand schlechteste Album der späten Beatles ist :)
5. US-Bezirksgerichte
quietschbär 02.04.2013
US-Bezirksgerichte gehören, glaube ich, eher nicht zur deutschen Justiz. So what?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Web
RSS
alles zum Thema Digitale Musik
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 12 Kommentare
Zum Autor
  • Natalie Stosiek
    Markus Böhm schreibt von München aus am liebsten über Medien und die Menschen dahinter. Als "Kioskforscher" setzt er sich voller ungesunder Begeisterung bloggend mit Zeitschriften auseinander.



Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon kaufen.