US-Gerichtsurteil: Programmcode kann man nicht stehlen

Als er seinen Job wechselte, kopierte er eine interne, extrem wertvolle Software: Ein ehemaliger Mitarbeiter von Goldman Sachs wurde deswegen zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt - nun kassierte ein Gericht das Urteil, weil die Gesetze einfach zu alt sind.

Softwarecode: Wo kein Ding ist, gibt es auch keinen Diebstahl, sagen US-Richter Zur Großansicht
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Softwarecode: Wo kein Ding ist, gibt es auch keinen Diebstahl, sagen US-Richter

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Für Ex-Goldmann-Sachs-Programmierer Sergey Aleynikov ist die Sache gut ausgegangen. Programmcode könne nicht gestohlen werden, urteilte am Mittwoch ein US-Berufungsgericht in New York und hob damit eine gegen Aleynikov verhängte Strafe auf. Ein Jahr hatte der Software-Entwickler bereits in Haft gesessen. Er war zu insgesamt acht Jahren Gefängnis verurteilt worden, nachdem das FBI ihn überführt hatte, internen Softwarecode der Wall-Street-Bank entwendet zu haben.

Das war passiert: 2009 hatte Aleynikov bei Goldman Sachs gekündigt. Eine neue Softwarefirma, die sich auf Programme für den automatisierten Wertpapierhandel spezialisieren wollte, hatte ihm einen erheblich besser dotierten Job angeboten. Der dreifache Vater mit russischer und amerikanischer Staatsangehörigkeit war dafür bestens geeignet, hatte er doch bei Goldman Sachs eine Software für computerisierten Hochfrequenzhandel entwickelt.

Zwei Jahre lang hatte er für seinen Arbeitgeber ein System programmiert, das Marktdaten von Börsen wie der New York Stock Exchange (NYSE) und der Nasdaq binnen Mikrosekunden, sprich Millionstel Sekunden, verarbeiten kann. Trades laufen dabei völlig automatisch ab, mit massiven Volumina. Programmcode, der zu diesem Projekt gehörte, hatte Aleynikov vor seinem Abgang bei Goldman Sachs auf einen Server in Deutschland kopiert.

Als das von der Bank alarmierte FBI ihm auf die Schliche kam, wurde er festgenommen und gleich doppelt angeklagt: Diebstahl von Handelsgeheimnissen sowie Transport der gestohlenen Ware ins Ausland, also Wirtschaftsspionage. Im Dezember 2010 schließlich wurde er zu acht Jahren Gefängnis verurteilt.

Software-Codes sind kein physisches Ding

Seit Februar aber ist der jetzt 42-Jährige wieder auf freiem Fuß, erst jetzt liefert das Berufungsgericht die Begründung für seine Entscheidung nach. Demnach sei das Urteil gegen ihn nicht rechtens gewesen, weil er sich keines Diebstahls im Sinne des National Stolen Property Act schuldig gemacht habe. Schließlich habe Aleynikov weder die physikalische Kontrolle über irgendetwas übernommen, noch Goldman Sachs die Nutzung der Software unmöglich gemacht.

Zudem sei die Software für Goldmann Sachs zwar zweifelsohne von großem Wert gewesen, das Unternehmen habe aber nie vorgehabt, sie zu verkaufen oder an andere Banken zu lizenzieren. Allein die Erkenntnis, dass die Wall-Street-Bank über eine solche Software verfügt, hatte 2009 Befremden ausgelöst, manche hatten gar übertrieben von einem "Goldman-Gate" gesprochen. Larry Tabb, der Gründer der Researchfirma TABB, sagte damals: "Wer diesen Code stiehlt, stiehlt im Prinzip die Methode, mit der Goldman Sachs am Aktienmarkt Geld verdient."

Mag alles sein, sagen nun die Richter, sehen Aleynikov dennoch als schuldlos im Sinne der Gesetze an, die geschrieben wurden, bevor Software ein relevantes Gut wurde. So urteilen sie: Weil Software-Codes kein physisches Ding sind, kann man sie auch nicht stehlen. "Wir lehnen es ab, geltendes Recht zu beugen oder zu aktualisieren, damit es besser ins digitale Zeitalter passt", heißt es in der Urteilsbegründung.

mak

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insgesamt 68 Beiträge
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1.
Robb Stark 12.04.2012
Zitat von sysopSchließlich habe Aleynikov weder die physikalische Kontrolle über irgendetwas übernommen, noch Goldman Sachs die Nutzung der Software unmöglich gemacht.. US-Gerichtsurteil: Programmcode kann man nicht stehlen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,827177,00.html)
Die armen Plattenfirmen. Wenn jemand also Songs aus dem Internet herunter lädt, hat er auch nicht die physikalische Kontrolle über die Original-Datei übernommen, und die Nutzung der Daten ist ebenfalls nicht unmöglich gemacht worden. Da müssen aber einige Gesetze schnell neu geschrieben werden in den USA.
2. Da freuen sich aber ganz bestimmt...
Tiananmen 12.04.2012
..die Chinesen und Karl Theodor von und zu Guttenberg. "Weil Software-Codes kein physisches Ding sind, kann man sie auch nicht stehlen. " Microsoft ist da sicher anderer Meinung und die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland auch. Programm-Code ist geistiges Eigentum (übrigens nicht des Programmierers, sondern der Firma, für die er entwickelt wurde), genau wie eine Doktorarbeit oder vergleichbare Schriften. Ansonsten dürfte es keine Industriespionage geben können, denn da wird ja auch nicht die z.B. Maschine geklaut, sondern "nur" die Entwürfe.
3.
Olaf 12.04.2012
Zitat von sysopAls er seinen Job wechselte, kopierte er eine interne, extrem wertvolle Software: Ein ehemaliger Mitarbeiter von Goldman Sachs wurde deswegen zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt - nun kassierte ein Gericht das Urteil, weil die Gesetze einfach zu alt sind. US-Gerichtsurteil: Programmcode kann man nicht stehlen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,827177,00.html)
Sieh an! Ganz meine Meinung. Aber wahrscheinlich ist der Richter ein Pirat und Anhänger jener Umsonstkultur die für das Internet ja so typisch ist.
4. falsch!
butcher82 12.04.2012
Zitat von OlafSieh an! Ganz meine Meinung. Aber wahrscheinlich ist der Richter ein Pirat und Anhänger jener Umsonstkultur die für das Internet ja so typisch ist.
es ist doch so, das goldman sachs die software nicht verkaufen wollte.... daruf bezieht sich das urteil. bei microsoft will man das produkt windows verkaufen... und jetzt mal weg von den piraten und der falschen vorstellung die würden die umsonstkultur etablieren!!!
5. ...
taggert 12.04.2012
Zugegeben, ich kenne das US Amerikanische Rechtssystem zu wenig im Detail um das beurteilen zu können... Daher die Frage: Schneidet sich die Justiz damit nicht selbst ins Fleisch und schafft so einen Präzedenzfall auf den sich jeder Raubkopierer in den USA berufen kann? Immerhin ist so ziemlich alles was im Internet getauscht wird ebenfalls nicht "physisch vorhanden" - und "kann" demnach gar nicht geklaut werden... Also so sagt mir das zumindest meine Logik, in Kombination mit dem Urteil.
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Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potentiell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.


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