Netzwelt-Ticker US-Musikindustrie kündigt Internet-Filterung an

Der US-Lobbyverband der Musikindustrie erwartet im Sommer Internet-Filter - freiwillig von den Providern eingesetzte allerdings. Außerdem im Überblick: Reutlinger Richter will Facebook-Lobbyistin vorladen, mehr als 50.000 Unterstützer für die Anti-Acta-Petition.

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Stoppschild, Umleitungen: Im Sommer sollen US-Provider sperren - freiwillig
Corbis

Stoppschild, Umleitungen: Im Sommer sollen US-Provider sperren - freiwillig


Die Unterhaltungs-Branchenverbände lassen nicht locker: Internetprovider in den USA sollen angeblich schon ab Sommer selbständig und freiwillig Maßnahmen gegen Tauschbörsennutzer und andere Copyright-Sünder ergreifen. Schon im vergangenen Jahr hatten Comcast, Cablevision, Verizon und Time Warner Cable Maßnahmen zur Bekämpfung von illegalen Downloads angekündigt. Dann wurde es um diese Pläne wieder still.

Nun berichtete der Chef des US-Musikindustrieverbandes RIAA Cary Sherman während einer Podiumsdiskussion, die Vorbereitungen zur Implementierung entsprechender Techniken liefen planmäßig. Ab dem 12. Juli solle die Filterung beginnen. Gegenüber "Cnet" erklärte Sherman, jeder Provider habe die Infrastruktur für ein automatisiertes Filtersystem selbst zu entwickeln.

Mit dem so geschaffenen Datenbestand könnten hartnäckige Fans von illegalen Downloads identifiziert werden. Im Rahmen eines Programms namens "gestaffelte Antwort" sollen die Provider den ertappten Sündern einen oder zwei blaue Briefe schicken, verstießen sie dann immer noch gegen Urheberrechtsbestimmungen, würden weitere Schritte folgen. Die reichen von der Drosselung der Übertragungsgeschwindigkeit bis zum Abklemmen des Internetanschlusses.

Die RIAA-Ankündigung kommt überraschend. Die Proteste gegen den "Stop Online Piracy Act" (Sopa) im Januar zeigten deutlich, dass es starke Widerstände gegen entsprechende Pläne und Maßnahmen gibt. Der Gesetzgebungsprozess war bis auf weiteres gestoppt worden.

Amtsrichter will Facebook-Lobbyistin vorladen

Ein Reutlinger Amtsrichter, der im Prozess um einen Einbruch die Facebook-Daten eines Angeklagten beschlagnahmen will, kommt in der Auseinandersetzung mit dem Internet-Riesen nicht weiter. Facebook verweise inzwischen darauf, dass die Daten des Angeklagten auf einem Server in den USA gespeichert sind. Dort seien sie dem Zugriff der europäischen Behörden zunächst einmal entzogen, sagte Richter Sierk Hamann. Als nächstes werde er deshalb die Facebook-Lobbyistin Erika Mann als Zeugin laden. "Das ist im Moment die einzige Möglichkeit, dass man sich mal mit jemandem bei Facebook unterhält", sagte er.

Hamann erhofft sich von den Facebook-Daten des Angeklagten Hinweise darauf, ob der 20-Jährige an einem Einbruch beteiligt war. Facebook gibt an, mit Strafverfolgungsbehörden zusammenzuarbeiten. Man lege die Kontounterlagen aber ausschließlich auf der Basis der Nutzungsbedingungen und nach geltendem Recht offen. Dazu zähle auch ein Bundesgesetz der USA, der "Stored Communications Act".

Richter Hamann warf dem Konzern vor, "widersprüchliche und verwaschene Angaben" zu machen. Hamann hatte seinen Beschlagnahme-Beschluss zunächst an Facebook Deutschland geschickt. Er wurde nach Irland verwiesen. Als er aus der dortigen Facebook-Europazentrale nach mehreren Monaten noch keine Antwort bekommen habe, sei er noch einen Schritt weiter gegangen und habe ein Rechtshilfeersuchen an die irischen Behörden gestellt. Von Facebook sei die Antwort gekommen, dass die Daten des Angeklagten auf einem Server in den USA gespeichert seien. Um dort an die Daten heranzukommen, müsste nun ein Rechtshilfeersuchen an die US-Behörden gestellt werden. (lis/dpa)

BBC plant kostenpflichtiges Downloadangebot für TV-Inhalte

Unter dem Namen "Projekt Barcelona" plant die BBC die Öffnung der TV-Archive. Fernsehzuschauer sollen die Möglichkeit erhalten, ihre Lieblingssendungen herunterzuladen. Dabei werde eine "ziemlich maßvolle" Gebühr berechnet, so Senderchef Mark Thompson. Bis es zu so einem BBC-iTunes komme, müssten jedoch noch die Einverständniserklärungen der britischen Produzenten eingeholt werden. Auch bisher nicht zum Kauf verfügbare Programminhalte würden angeboten. Der Kritik, hier würde die öffentlich-rechtlich finanzierte BBC die TV-Zuschauer für bereits bezahlte Inhalte ein zweites Mal zur Kasse bitten, hielt Thompson entgegen, das Programm bilde nichts als die exakte Entsprechung zu Handelsketten, die DVDs verkaufen würden. Und mit BBC-Klassikern wie "Fawlty Towers" auf DVD würde ja schon heute gutes Geld verdient.

Anti-Acta-Petition erreicht Quorum

Eine Online-Petition gegen das Acta-Abkommen hat vor Ablauf der Mitzeichnungsfrist die wichtige Hürde von 50.000 Petenten überschritten. Damit wird der Anti-Acta-Protest im Petitionsausschuss des Bundestages öffentlich beraten, der Petitionssteller Herbert Bredthauer zu dieser Beratung eingeladen, er erhält dort Rederecht. Auch wenn die Petition das notwendige Quorum erreicht hat, gibt es weiterhin Aufforderungen, die Petition noch bis zum 22. März mitzuzeichnen. Auf diese Weise könne ihrem Anliegen noch mehr Nachdruck verliehen werden, ähnlich wie im Falle der Petition gegen Netzsperren, die 2009 mehr als 130.000 Unterstützer gewann.

Regierungssoftware laut Studie fehleranfälliger als private Programme

Wer hätte das gedacht? Laut einer Untersuchung von Sicherheitsexperten sind Programme, die im Auftrag der US-Regierung entwickelt werden, wesentlich verletzlicher gegenüber Attacken als solche, die von Unternehmen in Auftrag gegeben wurde. Im Rahmen der Black Hat Europe Sicherheitskonferenz stellte Chris Wysopal von der IT-Sicherheitsfirma Veracode die Ergebnisse seiner Analyse vor, für die er insgesamt 9910 Programme automatisch auf Fehler überprüfte. Zwar habe die Rate sowohl der Programme von amtlichen und privaten Auftraggebern, die den Veracode-Anforderungen nicht entsprochen hätten, bei 80 Prozent gelegen. Allerdings sei die Art der Fehlerhaftigkeit unterschiedlich. Nur 16 Prozent der Regierungsprogramme würden die Richtlinien der Open Web Application Security Project (OWASP) gegen schwerwiegende Sicherheitsschwachstellen von Web-Anwendungen erfüllen. Im Bereich der kommerziellen Programme liege diese Rate immerhin bei 28 Prozent.

Sag mir, wie viel Amazon-Server stehen

Aus Anzahl und Standorten seiner Server macht das Online-Kaufhaus Amazon zumeist ein großes Geheimnis. Was aber nicht heißt, dass sich darüber nichts herausfinden ließe. Huan Liu, Forscher beim Beratungsunternehmen Accenture, schaute sich Amazons EC2-Programm der Cloud-Server näher an und präsentierte als Ergebnis eine Zahl: 445.000. So viele Server werden für den Computerservice genutzt. Davon stünden allein 322.000 im US-Bundesstaat Virgina, der Rest sei in aller Welt verteilt.

Auch das noch:

  • Obamas IT-Chef erinnert sich an unzuverlässige Computertechnik, die man bei Übernahme des Weißen Hauses vorgefunden habe. Altehrwürdig war die Hardware im West Wing, die die Regierung Bush ihren Nachfolgern hinterlassen hat. Brook Colangelo, der IT-Chef des Weißen Hauses, erzählte jetzt, so seien die meisten Computer noch Modelle mit Diskettenlaufwerk gewesen. Dauernd habe es Komplettausfälle des Computersystems gegeben.
  • BKA-Chef sagt Treffen mit AK Vorrat ab. Eigentlich wollten sich Mitglieder des Arbeitskreises Vorratsdatenspeicherung am Mittwoch mit BKA-Chef Jörg Ziercke treffen. Weil die AK-Vertreter sich aber der in BKA-Gebäuden üblichen Registrierung ihrer Personalien und Videoüberwachung verweigerten, sagte Ziercke ab. Er sei nicht zu einem Gespräch außerhalb des BKA-Gebäudes bereit.

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Seite 1
Olaf 15.03.2012
1.
Zitat von sysopCorbisDer US-Lobbyverband der Musikindustrie erwartet im Sommer Internet-Filter - freiwillig von den Providern eingesetzte allerdings. Außerdem im Überblick: Reutlinger Richter will Facebook-Lobbyistin vorladen, mehr als 50.000 Unterstützer für die Anti-Acta-Petition. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,821523,00.html
Es ist erstaunlich, dass es offensichtlich möglich ist zum Schutz von Urheberrechten tiefer in die Grundrechte einzugreifen, als zum Schutz vor Terrorismus.
frietz 15.03.2012
2.
Zitat von OlafEs ist erstaunlich, dass es offensichtlich möglich ist zum Schutz von Urheberrechten tiefer in die Grundrechte einzugreifen, als zum Schutz vor Terrorismus.
also bitte... bei dem einen geht es um geld, bei dem anderen nur um menschenleben. man muss schon prioritäten setzen.
ausländer33 15.03.2012
3. Musikindustrie
Zitat von sysopCorbisDer US-Lobbyverband der Musikindustrie erwartet im Sommer Internet-Filter - freiwillig von den Providern eingesetzte allerdings. Außerdem im Überblick: Reutlinger Richter will Facebook-Lobbyistin vorladen, mehr als 50.000 Unterstützer für die Anti-Acta-Petition. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,821523,00.html
die Diktatur des Jahrtausends.
Benjowi 15.03.2012
4. Anfang vom Ende der Freiheit zugunsten der Raffkes dieser Welt
Zitat von OlafEs ist erstaunlich, dass es offensichtlich möglich ist zum Schutz von Urheberrechten tiefer in die Grundrechte einzugreifen, als zum Schutz vor Terrorismus.
Hätte ich auch nicht für möglich gehalten, dass sich die USA deswegen sogar auf eine Ebene mit China begeben. Denn man soll sich nichts vormachen-das ist eindeutig der Beginn von flächendeckender Zensur!
mitbestimmender wähler 15.03.2012
5. Einfach die Daten per E-Mail zuerst zusenden vor dem laden ;-)
Hier den nächsten Zug der Musikfreunde: Man wählt den Sound aus und lässt sich das Paket dan per E-Mail zusenden und lädt es dann hoch............. Und nun Musikindustrie? Itune etc. ist vorzüglich um Probezuhören aber holen kann man es sich immer irgendwie ohne Zensur, den es sind einfach nur Daten ;-) Und für Andere heisst es wieder zurück an die Wurzeln, CD ausleihen, kopieren, geniessen.... lässt sich im grossen Stil günstig starten und mittels Schneeballsystem extremst schnell ausbauen. Die Musikindustrie wird wohl weiter hinterher laufen
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