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US-Nachrichtenagentur: AP erklärt News-Verwertern den Kampf

Kampfeslust in Zeiten der Medienkrise: Die Nachrichtenagentur AP will nicht länger hinnehmen, dass ihre Inhalte von anderen Webseiten verwendet werden. Sie plant einen Aufstand der News-Produzenten gegen Aggregatoren und Abschreiber.

San Diego - Die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) will verstärkt gegen Urheberrechtsverletzungen im Internet vorgehen. "Wir können nicht länger zuschauen, wie sich andere unter Berufung auf eine sehr fehlgeleitete, unbegründete Rechtsauslegung mit unserer Arbeit davonmachen", sagte der Verwaltungsratsvorsitzende Dean Singleton vom Verlagshaus MediaNews auf der Jahresversammlung des genossenschaftlich organisierten Non-Profit-Unternehmens am Montag in San Diego.

AP-Aufsichtsratchef Dean Singleton: Kampf gegen parasitäre Nachrichten-Verwertung
AP

AP-Aufsichtsratchef Dean Singleton: Kampf gegen parasitäre Nachrichten-Verwertung

Damit versucht die AP, sich an die Spitze einer Gegenbewegung zu setzen, die vor allem die so genannte News-Aggregation aufs Korn genommen hat: das Sammeln und Wiedergeben von Inhalten, die andere geschaffen haben. Das geschieht in relativ kleinem Maßstab in Blogs und auf privaten Webseiten, in großem und kommerziellen Maßstab auf den News-Sammelseiten diverser Anbieter, von denen der größte natürlich Google heißt.

Mit dem hat die AP einen Vertrag, der gewährleistet, dass sie an den Verdiensten der Aggregatorenseite beteiligt wird. Bei den als solchen gekennzeichneten AP-Inhalten bei Google News geschieht dies auch - nicht aber bei all dem abgeschriebenen, über die Regeln von fair usage oder Zitationsrecht hinaus verarbeiteten Material, das sich dort ebenfalls findet. Das ist ein Problem, das die AP mit allen Agenturen, Zeitungs- und Nachrichtenseiten teilt. Auf den Sammelseiten kommen lizenzierte Inhalte mit solchen zusammen, die dies nicht sind. Viele kleine Web-Unternehmen und Blogs generieren Inhalte aus den Artikeln anderer, und News-Aggregatorenseiten verleihen ihnen Gewicht - was keineswegs alle Medienunternehmen negativ sehen.

Die Agentur allerdings scheint das nicht länger hinnehmen zu wollen. Künftig sollen auch AP-Inhalte erkannt und in Rechnung gestellt werden, die auf anderen Seiten stehen, denn die abgekupferten Inhalte sind für sie doppelt schmerzhaft: Sie stehen für Verdienstausfälle und konkurrieren mit dem eigenen Angebot.

Modell Hulu?

In der Vergangenheit gab es mehrfach Konflikte zwischen AP und Bloggern über die Auslegung des Grundsatzes fair use im US-Urheberrecht. Dieser Regelung zufolge ist in begrenztem Rahmen die Verwendung von urheberrechtlich geschützten Inhalten zulässig. AP hat auch einzelne Nachrichten-Websites verklagt, die den Nachrichtendienst ohne vertragliche Grundlage genutzt haben. Dabei geht es stets darum, entweder eine Zahlung für die verwendeten AP-Artikel zu erstreiten oder zumindest deren Nutzung zu unterbinden.

Die Einzelheiten des Plans gegen solche Formen des Parasitentums stehen noch nicht fest. Erwogen wird ein technisches System, das bestehende Tracking-Dienste erweitert und erkennt, ob Nachrichten und Berichte auf legale Weise im Netz verbreitet werden.

Geplant ist außerdem eine Zusammenarbeit mit Zeitungen und Rundfunksendern, um gemeinsame Nachrichten-Webseiten zu erstellen.

Damit würde AP dem Modell Hulu folgen: In den USA bieten die TV-Firmen Fox und NBC Universal Web-Videoportalen wie Megavideo oder Veoh Paroli, indem sie ihren Angebote in hoher Qualität selbst im Web vertreiben. Das erst seit einem Jahr bestehende Portal Hulu.com gehört - trotz seines limitierten Angebotes - bereits zu den fünf größten Videoportalen in den USA. Das Beispiel dokumentiert, dass etablierte Medien mit Kooperationen durchaus Chancen haben: sowohl gegen die Anbieter auf dem Graumarkt des Webs als auch gegen neue Konkurrenten aus der Web-Wirtschaft.

Wer nicht will, der muss: der Umsatz bricht ein

Die Initiative könne viele Formen annehmen, sagte AP-Vizepräsidentin Sue Cross: "Dies ist ein bedeutender Schritt für die Zusammenarbeit in der Branche." Die Agentur versucht, ihre Kunden außerdem durch Preisnachlässe und neue Themenpakete zu binden. So soll es künftig skalierte Nachrichtenangebote geben, die Zeitungen die Möglichkeit eröffnet, statt eines großen Weltnachrichten-Services auch kleiner definierte Angebote zu abonnieren.

Die Agenturbranche erwartet für die kommenden Jahre ein Durchschlagen der Medienkrise auf ihre Geschäfte. Noch geht es AP gut: Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr um 5,3 Prozent auf 747,7 Millionen Dollar. Dazu trugen vor allem höhere Einnahmen aus dem Geschäft mit Internet-Medien sowie aus dem Video- und Foto-Angebot bei. Wegen höherer Kosten aufgrund der Berichterstattung über die Olympischen Spiele und die US-Präsidentenwahl ging der Gewinn vor Steuern um 18 Prozent auf 37,3 Millionen Dollar zurück. Steuersenkungen bewirkten jedoch eine Zunahme beim Nettogewinn um 4,5 Prozent auf 25,1 Millionen Dollar.

Das könnte schon 2009 völlig anders aussehen. Für dieses Jahr wird aufgrund der Zeitungskrise ein erheblicher Umsatzrückgang auf etwa 700 Millionen Dollar erwartet. Viele Zeitungen, die finanziell mit dem Rücken an der Wand stehen, kündigen ihre Agentur-Abos, auch die rapide steigende Zahl der Zeitungsinsolvenzen sorgt für Umsatzeinbußen. AP erwartet für die Zeit von 2008 bis 2010 einen Umsatzrückgang im US-Geschäft um 30 Prozent. Im November vergangenen Jahres kündigte die Agentur Personalkürzungen von zehn Prozent an - sie hat weltweit 4100 Mitarbeiter.

pat/AFP/AP

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