Angriffe auf US-Banken: Geheimdienst macht Iran für Netzattacken verantwortlich

Amerikanische Banken werden massiv im Netz attackiert. Die Angriffe haben offenbar eine neue Qualität: Sie gehen nicht von gekaperten Privatrechnern aus, sondern von ganzen Rechenzentren. Laut "New York Times" vermuten US-Geheimdienste Iran als Urheber - doch es gibt auch Zweifel an dieser These.

Botnet-Darstellung (bei US-Cyberabwehr-Übung): Profi-Angriffe aus Iran? Zur Großansicht
AFP

Botnet-Darstellung (bei US-Cyberabwehr-Übung): Profi-Angriffe aus Iran?

New York - Netzangriffe auf Bank-Websites sind eigentlich keine Seltenheit. Doch in den vergangenen Wochen, so die "New York Times" ("NYT"), habe sich die Qualität dieser Vorfälle verändert. Sicherheitsexperten zufolge sind nun nicht mehr zusammengeschaltete, ferngesteuerte Rechner von Privatbesitzern die Angriffswerkzeuge. Stattdessen würden komplette Computernetze in professionellen Rechenzentren, etwa von Unternehmen, für DDoS-Massenangriffe missbraucht. Die Zeitung zitiert IT-Sicherheitsfachleute, die berichten, Rechenzentren rund um den Globus seien auf diese Weise zweckentfremdet und in Botnetze verwandelt worden.

In einem online veröffentlichten Bekennerschreiben behauptet eine Gruppe, die sich selbst Märtyrer Izz ad-Din al-Qassam Cyber Fighters nennt, sie habe "JP Morgan Chase und Co., Bank of America Corp, Citigroup Citibank, Wells Fargo & Company, U.S. Bancorp, PNC Financial Services Group, BB&T Corporation, Suntrust Banks, Regions Financial Corporation" mit DDoS-Attacken angegriffen. Begründet wurden die Angriffe mit dem von vielen Muslimen als beleidigend empfundenen Anti-Mohammed-Video, das ein christlicher Fundamentalist in den USA gedreht und in Teilen veröffentlicht hatte. Ziel der Angriffe sei "die Entfernung dieses absurden und beleidigenden Films".

"Kein Zweifel, dass Iran hinter den Angriffen steht"

Die "NYT" zitiert ungenannte Geheimdienstquellen mit der Einschätzung, hinter der Gruppe stecke in Wirklichkeit Iran. Die für die Angriffe nötigen Fertigkeiten ließen nur diesen Schluss zu. Namentlich zitiert die Zeitung allerdings keine Beamten, sondern nur Analysten und Mitarbeiter von Sicherheitsfirmen. "Es besteht in der US-Regierung kein Zweifel, dass Iran hinter den Angriffen steht", sagte James A. Lewis, einst in führenden Positionen im Außen- und Handelsministerium tätig, jetzt Sicherheitsexperte beim Zentrum für internationale und strategische Studien CSIS, der "NYT". Die Attacken würden als Revanche für die Virenangriffe mit Cyberwaffen wie den Stuxnet- und Flame-Viren gewertet, mit denen das iranische Atomprogramm attackiert beziehungsweise dortige Rechner ausspioniert worden waren.

Die Attacken offenbarten Fachwissen, das weit über einfaches Amateur-Niveau hinausreiche. Sie setzten beispielsweise auf eine spezifische Eigenschaft von Bank-Websites: Die Datenpakete, mit denen die Seiten überflutet werden, fordern gewissermaßen verschlüsselte Rückantworten an. Das erzeugt bei den angegriffenen Servern zusätzliche Belastung. Zudem überstiegen die eingesetzten Traffic-Mengen selbst diejenigen, die im Jahr 2007 Teile des estnischen Internets lahmgelegt hatten, und zwar "um ein Vielfaches". Selbst mit viel Bandbreite ausgestattete Bank-Websites gingen so in die Knie.

Allerdings, so die "New York Times", seien Regierungsvertreter bisher jeden Beweis für die behauptete iranische Verantwortung schuldig geblieben. Beim Online-Fachdienst für die IT-Branche The Verge herrscht ebenfalls Skepsis. Weder sei bekannt, wer genau innerhalb der US-Regierung Iran für die DDoS-Attacken verantwortlich mache, noch, auf welchen Beweisen diese These beruhe. Zwar weise das bisher beispiellose Ausmaß der Angriffe und die Schwierigkeiten, sie auf einen einzigen Urheber einzugrenzen, auf einen möglichen staatlichen Hintergrund hin. Doch auch wenn die Angreifer eine ungewöhnliche Ausdauer an den Tag legten, seien ihre Aktionen keineswegs übermäßig ausgeklügelt. Letztlich sei es schlichtweg aufsehenerregender, sich über staatlich geförderte iranische Cyber-Krieger Sorgen zu machen als über eine unorganisierte Gruppe von unzufriedenen Zivilisten.

cis/meu

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insgesamt 289 Beiträge
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1. Geht es schon wieder los
ein-berliner 09.01.2013
Zitat von sysopAFPAmerikanische Banken werden massiv im Netz attackiert. Die Angriffe haben offenbar eine neue Qualität: Sie gehen nicht von gekaperten Privatrechnern aus, sondern von ganzen Rechenzentren. Laut "New York Times" vermuten US-Geheimdienste Iran als Urheber - doch es gibt auch Zweifel an dieser These. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/us-regierung-iran-fuer-ddos-attacken-verantwortlich-a-876591.html
Dismal also keine biologischen oder chemischen Kampfstoffe...
2. Kann nicht sein...
tschautsen 09.01.2013
uns wird doch immer erzählt, dass die Iraner immer noch hinterm Mond leben und z.B. auch keine amerikanischen Drohnen vom Himmel holen können. Jaja, immer wie man es braucht...
3. optional
Werner655 09.01.2013
Ziemlich Dienste-lastiger Artikel. Gesagt haben will niemand etwas, lediglich ominöse Geheimdienstquellen werden angeführt. Und dann wird Herr Lewis zitiert, der wiederum die von ihm eingeschätzte Meinung der Regierung wiedergibt: Zitat Lewis: "Es besteht in der US-Regierung kein Zweifel, dass Iran hinter den Angriffen steht", sagte James A. Lewis, einst in führenden Positionen im Außen- und Handelsministerium tätig, jetzt Sicherheitsexperte beim Zentrum für internationale und strategische Studien CSIS, der "NYT". Und dann schaut man sich die prominente Besetzung des so harmlos und wissenschaftlich klingenden CSIS an. Im Board of Trustees (Aufsichtsrat) sitzen Angehörige des Verteidigungsministeriums, Investmentbanker, Vertreter von Wirtschaftsunternehmen, ehemalige Regierungsangehörige wie Henry Kissinger, Zbigniew Brzeziński, William Cohen und Brent Scowcroft sowie Wissenschaftler und Vertreter von Non-Profit-Organisationen. Obwohl mehrheitlich von Republikanern dominiert, wird das Gremium vom ehemaligen demokratischen Senator von Georgia und langjährigen Vorsitzenden des US-Senatsausschusses für Militärfragen, Sam Nunn, geleitet. Keine weiteren Fragen...
4. der übliche Verdächtige
realpolitiker 09.01.2013
Zitat von sysopAFPAmerikanische Banken werden massiv im Netz attackiert. Die Angriffe haben offenbar eine neue Qualität: Sie gehen nicht von gekaperten Privatrechnern aus, sondern von ganzen Rechenzentren. Laut "New York Times" vermuten US-Geheimdienste Iran als Urheber - doch es gibt auch Zweifel an dieser These. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/us-regierung-iran-fuer-ddos-attacken-verantwortlich-a-876591.html
Immer der übliche Verdächtige. Diesen Geheimdienst glaube ich keine einzige Silbe! Im übrigen sollte er lieber den Mund halten, denn zurückliegende Cyber-Attacken gegen Atomeinrichtungen des Iran sollen doch aus einem bestimmten westlichen Regierungumfeld erfolgt sein.
5. Wie du mir, so ich dir, alte Weisheit.
prince62 09.01.2013
Zitat von sysopAFPAmerikanische Banken werden massiv im Netz attackiert. Die Angriffe haben offenbar eine neue Qualität: Sie gehen nicht von gekaperten Privatrechnern aus, sondern von ganzen Rechenzentren. Laut "New York Times" vermuten US-Geheimdienste Iran als Urheber - doch es gibt auch Zweifel an dieser These. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/us-regierung-iran-fuer-ddos-attacken-verantwortlich-a-876591.html
Ach so, ist schon klar, die US- und israelischen Geheimdienste dürfen das im Iran natürlich tun, wenn sich die Iraner wehren, dann besteht pöööhhse Terrorgefahr, alles klar.
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