Copyrights Google darf Millionen Bücher digitalisieren

Entscheidung nach acht Jahren: Ein US-Richter ist zu dem Schluss gekommen, dass Googles Programm zur Bücherdigitalisierung nicht gegen US-Urheberrecht verstößt. Eine Klage der US-Autorenvereinigung wies er deshalb ab. Die Autoren wollen nun in Berufung gehen.

Buchscanner (Foto von 2008): Google Scanprogramm war rechtens
AP

Buchscanner (Foto von 2008): Google Scanprogramm war rechtens


Mit seinem Ende 2004 gestarteten Bücher-Digitalisierungsprojekt hat sich Google Freunde wie Feinde gemacht: Genutzt wird der zugehörige Online-Dienst Books unter anderem von Studierenden und Sachbuchfans; sie schätzen die Möglichkeit, Millionen von Büchern per Internet durchsuchen zu können. Kritisch steht dem Projekt dagegen die Authors Guild gegenüber: Bereits 2005 zog die US-Autorenvereinigung vor Gericht, in der Überzeugung, dass das Angebot gegen das Urheberrecht verstößt.

Acht Jahre später wurde nun in New York über die Klage entschieden: Richter Denny Chin wies sie am Donnerstag ab. "Meiner Meinung nach hat Google Books erhebliche Vorteile für die Allgemeinheit", schreibt Chin in seiner Urteilsbegründung. "Es beschleunigt die Fortschritte in Kunst und Wissenschaft, während es gleichzeitig die Rechte von Autoren und anderen Kreativen berücksichtigt."

In seiner Urteilsbegründung stützt sich Chin auf die im US-Recht gängige Norm des "Fair Use", der "angemessenen Verwendung". Books kopiere die Werke nicht, vielmehr habe der Dienst etwas Neues erschaffen, indem er den "Text zum Einsatz in der Forschung in Daten verwandelt". Den betroffenen Autoren käme die Digitalisierung sogar zugute: Dadurch, dass sich die Werke auffinden ließen, öffneten sich für Autoren und Verlage neue Einnahmequellen und Leser. Alte Bücher würden vor dem Vergessen bewahrt: "Tatsächlich hat die ganze Gesellschaft einen Nutzen."

"Von der Entscheidung enttäuscht"

Die Authors Guild sieht das nach wie vor anders. Sie hat angekündigt, gegen die Entscheidung in Berufung zu gehen, nur die "erste Runde" sei an Google gegangen. "Wir sind von der heutigen Gerichtsentscheidung enttäuscht", heißt es in einem Online-Statement. Ein Google-Unternehmenssprecher zeigte sich derweil "total begeistert" vom Urteilspruch, wie er "Wired" in einer Stellungnahme wissen ließ.

Google hatte 2004 damit begonnen, Bücher aus Bibliotheksbeständen einzuscannen und per Internet durchsuchbar zu machen. Die digitalisierten Werke können bei Google nicht komplett abgerufen werden, sondern nur in Ausschnitten. Komplette Digitalausgaben können Nutzer bei Google kaufen, wenn die Rechteinhaber Google die Erlaubnis für diesen Vertrieb gegeben haben. In den Gerichtsunterlagen heißt es, mittlerweile seien mehr als 20 Millionen Bücher eingescannt worden.

mbö/dpa/AFP/Reuters



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 40 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Lebensberater 15.11.2013
1. optional
Megakonzern Google darf sich alle möglichen Daten zusammenschmarotzen, kopieren und verwerten, während Bürger für gleiches sanktioniert oder bestraft werden. Nennt man auch Klassenjustiz.
tropfstein 15.11.2013
2. Das war erst mal US-Recht
Das wird noch spannend! Wenn es nach US-Recht erlaubt sein sollte, heißt das ja noch nicht, dass es anderswo auch geht. Wie will man das regeln?
c++ 15.11.2013
3.
Ist wohl ähnlich wie das Angebot in Deutschland. Finde ich gut, man kann in die Bücher reinschauen, kann diese aber nicht ausdrucken lassen. Es werden nur Teile der Bücher veröffentlicht. So kann man prüfen, ob man sich das Buch kaufen will, was sonst nicht möglich ist, da der Präsentbestand der Buchhandlungen sehr gering ist und sich auf Bücher mit hohem Umsatz konzentriert. Ein Schritt in die richtige Richtung. Später kann man dann vielleicht gegen eine Gebühr für einen bestimmten Zeitraum vollen Zugang zum digitalisierten Buch kaufen. So sieht die Zukunft aus.
schlawiano 15.11.2013
4.
Wer schmarotzt denn ? Die Urheberrechte bleiben gewahrt. Wer schon mal Google Books genutzt hat, weiß dass abhängig von der Lage der Urheberrechte, bzw. was der Autor zulässt, manchmal gar keine Vorschau, manchmal nur kleine Ausschnitte zu sehen sind. Als Anwender ist es zumindest schon interessant, wenn er weiß dass sich ein oder mehrere Suchbegriffe in dem Buch befinden und sich ein genauerer Blick auf das gefundene Buch lohnt. Ich weiß nicht, wo hier Google verdient. Die Bücher werden aufwendig digitalisiert, im Rechenzentrum der Texterkennung unterlegt. Das kostet viel Zeit, Geld für die Anschaffung (die Scanner sind alles andere als billig) und Personal. Weiterhin Danke ich Euch für die Weiterentwicklung die Opensource-Texterkennung tesseract. Sie hat mir schon sehr geholfen. Ein großes Danke an Google für die Mühe. Ihr leistet Großes.
spätaufsteher 15.11.2013
5. Schön zu sehen
Offenbar gibt es noch Richter, die nicht vergessen haben, dass Monopolrechte auf Texte immer mit dem Allgemeinwohl, im Sinne eines freien Zugangs zu Kultur und Wissen kollidiert. Allen interessierten sei die Lektüre der rechtshistorische Untersuchung "Geschichte und Wesen des Urheberrechts" von Eckhardt Höffner empfohlen. Dieser stellt dort die These auf, dass eine der wesentlichen Bedingungen für die rasante Industrialisierung Deutschland im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, der hohe Bildungsstand der Bevölkerung war. Bis etwa 1850 gab es kein durchsetzbares exklusives Verwertungsrecht in Deutschland (Stichwort: Kleinstaaterei), weswegen Raubdrücke allerorten zirkulierten und die Preise für Bücher so gering waren, dass jeder sie sich leisten konnte. Die Folge war ein im europäischen Vergleich sehr hoher Grad an Alphabetisierung und Allgemeinbildung, der die Grundlage für die vielen Ingenieure, Verwaltungsangestellten und Fachkräfte darstellte, die die deutsche Wirtschaft wenig später so dynamisch machten. Die Aussage "Deutschland, Land der Dichter und Denker" bezog sich seinerzeit auch gar nicht auf Schiller, Goethe und Co. Sondern vielmehr darauf, dass fast jeder Knecht, fast jede Magd Zugang zu günstigen Büchern hatte und das Bildungsniveau insgesamt sehr hoch war. Übrigens: Zu keinem Zeitpunkt haben Autoren in Deutschland mehr Geld verdient, als in dieser Phase ohne allgemein durchsetzbare Verwertungsrechte. Kurzum, fast alle Annahmen die heute als Begründung zur Gewährung von Monopolen auf Werke jeder Art dienen, halten einer genaueren betrachtung nicht stand. Es wird höchste Zeit, dass wir das derzeit geltende, gesellschaftsschädigende Verwertungsrecht in Deutschland überarbeiten und in einer den technischen Mitteln des 21. Jahrhunderts angemessenen Form organisieren. Wie lange will es sich Deutschland noch leisten, das geistige Potential seiner Menschen für den monetären Gewinn einiger weniger Rechteinhaber zu verschwenden?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.