US-Wahl auf Youtube Hier Kermit, hallo Hillary!

Basisdemokratie 2.0: YouTube lässt einfache US-Bürger Fragen an Präsidentschaftsanwärter stellen, die dann auf CNN antworten sollen. Nur leider spielen sich bei der Aktion Ufologen und Halbirre in den Vordergrund.


Joseph Irvine meint es ernst: Er trägt ein Hemd, hellblau, seriös, aber etwas zu eng, dazu eine Krawatte mit der US-Flagge. Der 18-jährige Schüler aus Arizona steht in der Küche, hinter ihm liegen Einkaufstaschen, vor ihm steht die Videokamera. Er weist die demokratischen Präsidentschafts-Kandidaten darauf hin, dass die Nasa im Jahr 16 Milliarden Dollar ausgibt, fast so viel, wie ein Ende der Hungerkatastrophen auf der Welt kosten würde. Er fragt die Kandidaten in seinem YouTube-Video: "Was würden Sie tun?" Gegen den Hunger und die Nasa-Geldverschwendung.

YouTube-Wahlkampf: Eine Bush-Puppe befragt Präsidentschafts-Kandidaten

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Solche Fragen wünschen sich YouTube und CNN wohl bei ihrem Projekt der "CNN-YouTube-Debates", einer Art Basisdemokratie 2.0: Seit zehn Tagen können YouTube-Nutzer in einem speziellen Forum ihre Frage-Videos einstellen. Am 23. Juli sollen die Anwärter auf die Präsidentschaftskandidatur (unter anderem Barack Obama und Hillary Clinton) der Demokraten dann ausgewählte Fragen beantworten – von CNN live übertragen. 20 bis 30 Fragen wollen die Macher aus den YouTube-Beiträgen auswählen, rechnen mit Tausenden Einsendungen. Das berichtete vor zehn Tagen die US-Presse bei Projektstart. Die Hoffnungen vorab waren groß. Michael Bassik, demokratischer Wahlkampfberater: "Der Einfluss von YouTube kann kaum überschätzt werden."

Auf YouTube selbst sieht das derzeit anders aus. Gerade mal 163 Videobotschaften sind bislang in dem Forum zusammengekommen. Geht's in diesem Tempo weiter, werden die CNN-Redakteure nicht zwischen Tausenden, sondern zwischen ein paar hundert Fragen wählen können.

Angesichts der Zuschauerzahlen scheint das YouTube-Publikum auch nicht unbedingt an den großen, ernsten Fragen der Joseph Irvines interessiert zu sein. Irvine hatte in drei Tagen etwa 160 Zuschauer. Viel beliebter sind die Gaga-Fragen von Ufologen - die locken in sieben Tagen schon mal 5200 Zuschauer. SPIEGEL ONLINE zeigt die schrägsten Beiträge zur Präsidentschafts-Debatte:



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