US-Wahl Der Präsident, den das Internet will

Bush, Kerry oder Nader - auf der Webseite Globalvote2004 darf die Internet-Gemeinde weltweit kundtun, wer der nächste US-Präsident werden soll. Die Initiatoren des Projekts wollen so US-Wählern vermitteln, wie die Welt über die Wahl denkt.


Online-Wahl: Eine Stimme pro Sekunde

Online-Wahl: Eine Stimme pro Sekunde

Alle Welt redet über die Wahl des US-Präsidenten. Doch am 2. November, dem Tag der Entscheidung sind Nicht-Amerikaner sämtlich zum Zuschauen verdammt: Wählen dürfen nur US-Bürger.

Eine Gruppe Londoner Autoren mit dem Namen Benrik Limited wollte das nicht hinnehmen und startete in der vergangenen Woche eine Website mit dem Namen Globalvote2004.org. Dort dürfen Surfer aus aller Welt ihre Stimme bei der Präsidentenwahl abgeben. Wie bei der richtigen Wahl, stehen sieben Kandidaten zur Auswahl: Neben den Favoriten George W. Bush (Republikaner)und John Kerry (Demokraten) noch Ralph Nader (Reformpartei), Michael Badnarik (Liberale), Michael Peroutka (Verfassungspartei), Walter Brown (Sozialisten) und David Cobb (Grüne).

"Selbst wenn Sie kein US-Bürger sind, wird die Wahl am 2. November große Auswirkungen auf ihr Leben haben", schreiben die Initiatoren. "Die Idee von Demokratie erfordert, dass sie die Möglichkeit haben, zu sagen, wer über unser Schicksal bestimmt."

Die Resonanz auf die Online-Wahl war gewaltig. Nach Berichten von CNN und der Nachrichtenagentur Reuters brachen die Server am Donnerstag unter der Last der Zugriffe zusammen. Nachdem die Kapazitäten erweitert wurden, ist die Seite wieder erreichbar. Im Schnitt werde pro Sekunde eine Stimme abgegeben - insgesamt seien bereits 150.000 zusammen gekommen.

"Der große Zuspruch ist kein Zeichen von Anti-Amerikanismus", meint Ben Carey, Mitorganisator von Globalvote2004. "Er zeigt vielmehr, wie groß das Bedürfnis ist, eine Stimme bei der Wahl zu haben, deren Ergebnis alle betrifft." Stimmen kämen aus allen Ländern der Welt, so aus Kirgisien, Armenien und Venezuela.

Carey betont, dass Globalvote2004 selbst unparteiisch auftritt. Gleichwohl komme es zu harscher Kritik, vor allem aus den USA: "Einige Europäer, wie Ihr, haben eine völlig übertriebene Überzeugung von ihren dummen Meinungen", schrieb nach Angaben Careys ein Surfer. "Glücklicherweise habt ihr wie wir einen Boss mit Weisheit und Mut (gemeint ist Tony Blair, die Red.). Sie retten euern Arsch und ihr seid zu blöd, es zu merken."

Die Abstimmung im Internet ist naturgemäß manipulierbar. Globalvote2004 verlangt allerdings die Angabe einer E-Mail-Adresse, an die nach der Stimmabgabe eine Nachricht mit Bestätigungslink geschickt wird. Erst nach Anklicken dieses Links wird die Stimme gezählt. Mit einer E-Mail-Adresse darf nur ein Mal gewählt werden. Wer mehrere Mailaccounts nutzt, hat allerdings auch mehrere Stimmen.

Die Ergebnisse der Internet-Präsidentenwahl sollen 48 Stunden vor der eigentlichen Wahl bekannt gegeben und schnellstmöglich US-Medien zur Verfügung gestellt werden. Möglicherweise, so Carey, beeinflusse die Online-Abstimmung ja die Wahlentscheidung von manchem Amerikaner. "Auf jeden Fall dürfte es für US-Bürger interessant sein, zu erfahren, wie man außerhalb der USA über die Wahl denkt."

Was die Künstler der Amsterdamer Comedy-Bühne Boom Chicago von der Wahl, insbesondere den Wahlcomputern halten, ist kein Geheimnis. In einem Video enthüllen sie, wie George W. Bush die Wahl gewinnen könnte: durch eine in seinem Sinn programmierte Software. Wer Kerry wählen will, klickt ins Leere - und am Ende unvermeidlich auf Bush.

Vote
Bush vs. Kerry

Wenn Sie den nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten mitwählen dürften, für wen würden Sie stimmen?

Die Abstimmung ist beendet. Klicken Sie hier, um das Ergebnis zu sehen.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.