US-Wahlkampf: Behörden stoppen Stimmenverkauf im Web

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Der US-Wahlkampf ist teuer und bringt im Musterland des Kapitalismus erstaunliche Geschäftsmodelle auf den Plan. Die Versteigerung von Wahlstimmen im Internet wurde von den Behörden nun verboten.

Am 16. August bemerkte ein Kunde des Auktionshauses eBay das Angebot "Vote of one US-Citizen". 20 Gebote gab es schon, das höchste lag laut eBay bei 10.000 Dollar. Insgesamt gab es bei eBay sechs Stimmen für zusammen 10.100 Dollar. Von ihnen kam ein Anbieter nur auf einen Dollar, ein anderer auf 99 Cents. Diese Preise könnten sich Bush und Gore mit ihrem Budget sogar leisten, sie würde sich sogar ein Drittel der Ausgaben sparen.

So einfach ist es aber nicht. Stimmenverkauf verstößt in den USA sowohl gegen Bundesgesetze als auch gegen die der einzelnen Staaten. Deswegen sperrte eBay nach einer Intervention des US-Justizministeriums die Auktionen am 18. August. Ebenso Yahoo!, auf dessen US-Seiten ebenfalls Stimmen gehandelt wurden. Anfang dieser Woche löschte dann die Seite voteauction.com ihre Inhalte.

Die Behörden hatten mit rechtlichen Schritten gedroht. Seit Anfang August hatte hier der New Yorker Student James Baumgarten seine Geschäftsidee präsentiert: Unentschlossene Wähler sollten sich nach Bundesstaaten zusammenschließen und ihre Stimmen als Gruppe versteigern. Bevor die Seite geschlossen wurde, lagen die Gebote für New York und Kalifornien schon bei 100 Dollar, 200 Wähler hatten Baumgarten per E-Mail ihre Stimmen angeboten. Das Geld sollte am Ende unter den Beteiligten aufgeteilt werden.

Leider regnet es keine Geldscheine im US-Wahlkampf ...
DPA

Leider regnet es keine Geldscheine im US-Wahlkampf ...

"Schwer wiegende Konsequenzen" könne dies haben, drohte Doug Kellner vom zuständigen New Yorker Wahlausschuss. "Es sollte bekannt werden, dass das öffentliche Anbieten seiner Stimme selbst aus Spaß eine ernste Angelegenheit ist."

Baumgarten hingegen glaubt, dass hier eine Schimäre verteidigt wird: "Die Wahlkampfindustrie zahlt Hunderte von Millionen für den Versuch, die Präsidentschaftswahlen zu beeinflussen. Das ist doch ineffiziente Geldverschwendung. Wir verbessern das System, indem wir das Geld direkt zu den Wählern bringen."

... aber hinter der Kulissen werden alle verfügbaren Geldquellen mobilisiert, um das Spektakel zu finanzieren
DPA

... aber hinter der Kulissen werden alle verfügbaren Geldquellen mobilisiert, um das Spektakel zu finanzieren

Teuer ist das Ganze ohnehin

Sheila Krumholz von der Initiativgruppe Center for Responsive Politics sieht die Aktion als Ausdruck der Frustration: "Sachentscheidungen und Wahlen werden durch Geld bestimmt oder zumindest beeinflusst. Jeder weiß, dass Geld einen unleugbaren Einfluss auf das heutige System hat." Der darf aber nicht zu offensichtlich sein.

146 Millionen Dollar werden George W. Bush und Al Gore beim Präsidentschaftswahlkampf ausgeben, schätzt die "Washington Post". Etwa einen halben Dollar pro US-Bürger. Oder anderthalb Doller für jeden der vermuteten 100 Millionen Nichtwähler.

Alkohol statt Cash

George Washington sah den Stimmenkauf 1757 bei seinem Wahlkampf um einen Sitz im Abgeordnetenhaus Virginias ganz pragmatisch. 391 Wähler gab es in seinem Bezirk. Der spätere Präsident soll der Legende nach jedem von ihnen gut anderthalb Liter Rum, Wein, Bier und Apfelwein spendiert haben.

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