US-Wahlkampf Fahrrad-Graffiti gegen Bush

Um sicher zu gehen, dass US-Präsident Bush im November auch wirklich abgewählt wird, lassen sich seine Gegner einiges einfallen. Ein New Yorker hat einen Fahrrad-Drucker entwickelt, der Anti-Bush-Losungen auf die Straße schreibt.

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Straßen-Ink-Jet: "I love New York"
Joshua Kinberg

Straßen-Ink-Jet: "I love New York"

Die Technik ist noch schlechter als zu Zeiten der ersten Nadeldrucker. Damals hämmerten acht Nadeln Buchstaben aufs Papier. Später gab es bessere Geräte, die immerhin 24 Nadeln benutzten und somit auch feiner aufgelöste Schriften hinbekamen.

Joshua Kinberg gibt sich mit fünf Dosen zufrieden, um Texte auszudrucken. Sein Medium ist allerdings kein großer Stapel Endlospapier. Kinberg nutzt vielmehr das, was es in New York reichlich und obendrein kostenlos gibt: Den Asphalt auf Straßen und Fußwegen.

Kinberg ist eine Art Fahrradkurier. Doch statt Botschaften nur von A nach B zu bringen, schreibt er sie direkt auf die Straße. Die fünf Spraydosen an seinem Gepäckträger sind mit einem Kreide-Aerosol-Gemisch gefüllt. Die Farbe ist leicht mit Wasser abwaschbar und nach spätestens 14 Tagen verschwunden - Kinberg will keinen Ärger wegen Sachbeschädigung riskieren.

In der Fahrradtasche steckt ein Laptop, der die fünf Dosen ansteuert. Für ein großes "i" feuern alle fünf Düsen gleichzeitig, beim "L" bleibt die unterste Düse länger geöffnet als die vier übrigen. Rollt das Fahrrad zu schnell, dann werden die Buchstaben in die Breite gezogen.

Der Fahrrad-Drucker ist alles andere als eine technisch-nostalgische Spielerei - es geht um Politik. "Bikes against Bush" nennt Kinberg das Projekt, bei dem gewöhnliche Fahrräder in "internetgesteuerte, taktische Medien-Artillerie" umgewidmet werden. Er wolle "gewaltfreien, kreativen Widerstand" gegen den Wahlparteitag der Republikaner leisten, schreibt der Aktivist auf seiner Website. Der Parteitag findet in knapp einem Monat in New York statt.

Bis dahin muss die Technik seines Rades funktionieren. "Bislang habe ich den Prototyp nur bei einigen Straßendemonstrationen gezeigt", sagt Kinberg im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Die erste auf die Straße geschriebene Botschaft lautete "I love New York". "Ich habe extra diesen Satz gewählt, weil ich niemandem zu Nahe treten wollte", erklärt Kinberg. Bei anderen Vorführungen sprayte er "Defend New York" (Verteidigt New York) und "Dissent is Patriotic" (Abweichende Meinungen sind patriotisch) auf den Asphalt.

Stop Bush: "Taktische Medien-Artillerie"
Joshua Kinberg

Stop Bush: "Taktische Medien-Artillerie"

Künftig sollen Besucher seiner Homepage "Bikes against Bush" entscheiden, welche Texte das Fahrrad auf die Straße schreibt. Das Ganze könnte auch in Echtzeit geschehen, denn der Steuer-Laptop in der Fahrradtasche ist über ein W-Lan permanent online.

Um zu verhindern, dass Bush-Anhänger sich des Fahrrads bedienen, will Kinberg die Texte jedoch erst nach einer Prüfung an den Drucker senden. "Alle eingetippten Texte werden auf der Homepage archiviert und sind abrufbar", verspricht der New Yorker. "Nur einige werden tatsächlich gedruckt." Der Fahrer entscheide, wo und wann dies geschehe - "nach taktischen Kriterien", betont Kinberg.

Damit jeder weiß, wo das Fahrrad welchen Text auf die Straße geschrieben hat, wird alles genauestens im Internet dokumentiert. Auch ein Schnappschuss mit einer Webcam soll jeweils erstellt und auf die Homepage gestellt werden.

Kinberg schraubt bereits an einem zweiten Fahrrad-Drucker. "Es gibt einige technische Verbesserungen." So soll das Ausdrucken auch schneller werden. Es gibt jedoch noch einen anderen Grund für den Zweitdrucker: Er dient bei Bedarf als Ersatzsystem.

Politische Aktionen mit Computer oder Handy scheinen Kinberg zu liegen. Zuvor hatte er mit seiner Website "Bluetooth against Bush" nach eigenen Angaben eine halbe Millionen Menschen erreicht. Auf der Seite ruft Kinberg Handybesitzer dazu auf, ihr Telefon auf den Namen "Bluetooth Against Bush" zu taufen und über die Bluetooth-Funktion Kontakt zu anderen Handybesitzern aufzunehmen.

Welche Art von Nachrichten übertragen werden sollen, macht der Aktivist schnell klar: "Down with Dubya" (Nieder mit George W.). Auf dem Handy der Nachbarn könnte dann der Text "'Down With Dubya' wurde soeben via Bluetooth übermittelt" erscheinen.

Beim so genannten "Bluejacking" schicken sich Menschen in der U-Bahn, auf Bahnhöfen oder im Kino via Bluetooth kostenlos Nachrichten zu. Der Funk reicht nur einige Meter weit. Bluetooth wird mittlerweile selbst zum Flirten genutzt.

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