Überwachung US-Antidrogenbehörde hat schon seit 1992 Telefondaten gesammelt

Bereits vor den Anschlägen vom 11. September 2001 wurden in den USA massenhaft Telefondaten gespeichert. Einem Medienbericht zufolge hat die Antidrogenbehörde DEA zeitweise Anrufe von US-Bürgern in mehr als hundert Staaten erfasst.

Logo der DEA: Seit den Neunzigern Telefondaten gesammelt
REUTERS

Logo der DEA: Seit den Neunzigern Telefondaten gesammelt


Ging es um die massenhafte Sammlung von Telefondaten, stand bislang meistens der US-Geheimdienst NSA in der Kritik. Offenbar hat aber auch die US-Antidrogenbehörde DEA Telefonverbindungen von US-Bürgern überwacht - und das in größerem Umfang als bislang bekannt.

Die Zeitung "USA Today" berichtet unter Berufung auf mit der Operation befasste Mitarbeiter, dass die DEA schon 1992 begonnen hat, Daten über Telefonate zu sammeln, die Amerikaner ins Ausland führten. Gemeinhin gelten die Terroranschläge vom 11. September 2001 als Zäsur in der US-Sicherheitspolitik. Die Ereignisse dienten den Geheimdiensten als Rechtfertigung für die Einführung neuer und schärferer Überwachungsprogramme.

Mit dem damals bereits laufenden DEA-Programm sollen Metadaten zu den Gesprächen erfasst worden sein, also Details wie die beteiligten Telefonnummern, die Anrufdauer, das Datum und die Uhrzeit der Anrufe. Mit solchen Informationen lässt sich mit relativ großer Sicherheit sagen, wer mit wem in Verbindung steht und wie intensiv der Kontakt ist. Offiziell half das Programm der DEA dabei, gegen Drogenkartelle vorzugehen.

Das Programm lief bis 2013

"USA Today" zufolge brauchten die DEA-Fahnder keine richterliche Genehmigung, um auf die Daten zuzugreifen. Die Ermittler sollen sich bei ihren Zugriffen nicht nur auf Informationen beschränkt haben, die im Zusammenhang mit Drogendelikten standen. So seien die Metadaten zum Beispiel auch bei den Ermittlungen nach dem Bombenanschlag in Oklahoma City ausgewertet worden, bei dem 168 Menschen starben.

Zeitweise sollen mit dem DEA-Programm so gut wie sämtliche Telefonate aus den USA in insgesamt 116 Ländern erfasst worden sein. Die Zielländer wechselten im Laufe der Jahre, heißt es, unter ihnen waren Kanada, Mexiko und die meisten Staaten Mittel- und Südamerikas.

2013 wurde das Überwachungsprogramm schließlich eingestellt, kurz nach den NSA-Enthüllungen, die auf den Dokumenten Edward Snowdens basieren. Das Justizministerium hatte es zuvor stets genehmigt, unter vier verschiedenen US-Präsidenten.

Ein Vorbild für NSA-Überwachung

Von der Existenz der DEA-Datensammlung erfuhr die Öffentlichkeit erstmals im Januar 2015. In Gerichtsdokumenten ging es um Ermittlungen, die sich auf telefonische Kontakte zu Personen in Iran und den Bruch des Handelsembargos gegen das Land bezogen.

Laut einem Brief, der "USA Today" vorliegt, hat sich das Justizministerium im Jahr 1998 an Sprint gewandt und den Telekommunikationskonzern zur Herausgabe von Daten aufgefordert. Es handele sich bei dem Überwachungsprogramm um "eine der wichtigsten und wirkungsvollsten Initiativen der Drogenfahnder", hieß es in dem Schreiben.

"USA Today" berichtet, der damalige Justizminister William Barr habe die DEA bereits 1992, also sechs Jahre zuvor, ermächtigt, bei Telefongesellschaften nach Listen zu Anrufen in bestimmte Länder nachzufragen.

Im Artikel wird hervorgehoben, dass das DEA-Überwachungskonzept als Vorbild für ähnliche Programme der NSA gedient haben dürfte. Ein Beamter des Justizministeriums sagte der Zeitung, er habe NSA-Mitarbeiter wiederholt über die Vorgehensweise der DEA instruiert. Die NSA lehnte es auf Anfrage von "USA Today" ab, diese Aussage zu kommentieren.

meu



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Harris1948 08.04.2015
1. Nichts neues
Im Buch von Robert Escobar namens 'Escobar' hat er selbstgesagt, dass die DEA im Jahr 1992 mit einer neuen Technologien, Anrufe in ganz Medellin gesammelt haben um Escobar zu finden.
hansfrans79 08.04.2015
2.
Zitat von Harris1948Im Buch von Robert Escobar namens 'Escobar' hat er selbstgesagt, dass die DEA im Jahr 1992 mit einer neuen Technologien, Anrufe in ganz Medellin gesammelt haben um Escobar zu finden.
Ist ja wohl ein kleiner Unterschied, ob einer das in einem reißerischen Buch behauptet oder ob es handfeste Belege gibt wie jetzt.
j.vantast 08.04.2015
3. Nichts hat sich geändert
Aha, "eine der wichtigsten und wirkungsvollsten Initiativen der Drogenfahnder"? Diese Aussage basiert wohl auf der Tasache das man ein paar Marihuana Konsumenten verhaftet hat. Denn wenn man sich so die Situation mit harten Drogen in den USA so anschaut haben diese über 20 Jahre Überwachung augenscheinlich nichts bewirkt.
Duzend 08.04.2015
4. Du sollst nicht dealen! Deine Regierung mag keine Konkurrenz
In ihrem War on Drugs ging es der US-Regierung nie darum, dass möglichst wenige US-Bürger einer Sucht erliegen würden, aus der sie so schnell und so unbeschadet nicht wieder ohne fremde Hilfe herauskommen würden, sondern darum, dass die Drogen selbst künstlich scheinbare Mangelware blieben, nur mit Illegalitätspreisaaufschlag gehandelt und gleichzeitig das Drogengeschäft ein von der CIA kontrolliertes bleiben würden. Grosse technologische Längen ist die amerikanische Wirtschaft dabei gegangen udn viel hat sich die Volkswirtschaft ihre eigene Zersetzug kosten lassen. Einer wie der Escobar wollte wahrscheinlich einfach nur mitverdienen und wurde irgendwann unbequem. Damals fand man den Iran irgendwie schnafte und verkaufte ihm heimlich Waffen. Das Geld daraus konnte man gut für eine weitere Episode aus unserer Reihe "Wir machen Regime-Change in Ländern, in denen wir nichts zu suchen haben" gebrauchen. Wenn das nicht ganz reichte oder um auch die lokalen Bauern im so gesegneten Land ein bisschen von den neuen Verhältnissen profitieren zu lassen, schipperte man eben parallel zum Waffenschmuggel Drogen aus Nicaragua gen USA. Reagan stritt damals noch Stunden vor dem Interview Eugene Hasenfus' alles ab, und man kann sich fragen, ob CIA und DEA längst nach Gesetzen leben, die noch nicht einmal die US-Regierung kennt. "Die hören alles ab..." stimmt. "...weil sie die schädlichen Wirkungen von Drogen von euch fernhalten wollen", stimmt nicht. Und hat nie gestimmt. Wer wirklich nicht will, dass seine Bürger ungewollt in Abhängigkeit geraten, der hat nicht dieses Steuersystem, der führt nicht so viele Kriege, der verschleudert nicht sein Tafelsilber an Schnorrer, der stumpft die Kinder nicht so systematisch ab, der verherrlicht in seinen Sportveranstaltungen und Kinofilmen nicht ad ultimo Rache und Zerfleischung, der hat nicht dieses Banken- und auch nicht dieses Gesundheitssystem. Die Abhörerei ist nur noch der Ausputzer gegen alles, was sich dann immer noch an Widerstand regen könnte.
nochnbier 08.04.2015
5. Und wie wir alle festgestellt haben ...
... war diese Vorratsdatenspeicherung nachweislich so suuuper erfolgreich, dass wir mittlerweile in einer vollkommen drogenfreien Welt leben. Deshalb will unser Innenminister und die Groko uns immer noch mit der VDS beglücken ... Wie schön so eine kompetente Regierung zu haben.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.