Angriffe auf kritische Infrastruktur Eichhörnchen gegen Hacker 623 : 1

Amerikas Stromnetz ist angeblich bedroht, von Hackern aus China oder Russland. Eine neue Onlinekarte legt nun einen anderen Schluss nahe: Der gefährlichste Gegner ist schon im Land. Und er kann klettern.

Eichhörnchen (vor dem US-Kapitol in Washington): gefährliche Nager
REUTERS

Eichhörnchen (vor dem US-Kapitol in Washington): gefährliche Nager


Eine neue Website macht mit einem Augenzwinkern auf eine bislang unterschätzte Gefahr für Stromnetze aufmerksam. Weltweit 623 Angriffe habe man schon Eichhörnchen zuschreiben können, heißt es auf cybersquirrel1.com. Hingegen gab es erst eine einzige erfolgreiche Infrastruktur-Attacke eines Staates. Mithilfe einer Übersichtskarte macht die Seite anschaulich, wo es in den vergangenen Jahrzehnten schon zu Problemen kam.

In die Wertung gehen nicht nur die Attacken von Eichhörnchen ein, die offenbar gern auf Strommasten klettern und an Kabeln nagen, sondern auch Fälle, in denen Vögel, Mäuse, Ratten und Waschbären für Betriebsstörungen verantwortlich waren. Für die Auflistung der Vorfälle dienen jeweils Meldungen örtlicher Zeitungen als Beleg.

Neben Ereignissen aus den USA finden sich auf der Seite auch Vorfälle aus Europa. Die größten Störenfriede außer den Eichhörnchen sind der Zählung zufolge Vögel, sie stecken hinter 214 erfolgreichen "Operationen". Für Deutschland sind unter anderem Vorfälle gelistet, die auf einen Marder und eine Ratte zurückgeführt werden.

Karte von cybersquirrel1: Die Übersichtskarte vermerkt jeweils den Ort und die Tierart, die die Störung verursacht hat

Karte von cybersquirrel1: Die Übersichtskarte vermerkt jeweils den Ort und die Tierart, die die Störung verursacht hat

Die USA dagegen haben bislang nur einen Punkt gesammelt: Stuxnet war ein von den USA vermutlich in Zusammenarbeit mit Israel entwickelter Virus, mit dem das iranische Atomprogramm sabotiert wurde. Russland und China waren der Übersicht zufolge noch kein einziges Mal erfolgreich. Der Macher von cybersquirrel1, C. Thomas, im Hauptberuf bei der IT-Sicherheitsfirma Tenable Network Security angestellt, sagt: "Der einzige erfolgreiche Cyberangriff auf Infrastruktur, der zu physischen Schäden geführt hat, ist nach allgemeinem Wissen Stuxnet gewesen." Die Öffentlichkeit solle sich daher weniger mit Cyberattacken beschäftigen, sondern mehr mit "pelzigen Feinden".

Auch in Europa werden regelmäßig Kabel durchgenagt

Auch in Europa werden regelmäßig Kabel durchgenagt

Die jüngste Zwischenbilanz von cybersquirrel1 fasst den Dezember 2015 zusammen: Zum Jahresende soll es weltweit insgesamt 24 Operationen gegeben haben, elf von Eichhörnchen, zehn von Vögeln und jeweils einen von einer Ratte, einer Schlange und einem Waschbären. 17 Bundesstaaten und vier Länder seien betroffen gewesen. 77.264 Kunden hätten Probleme mit der Stromversorgung gehabt.

meu

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insgesamt 34 Beiträge
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Dengar 14.01.2016
1. Tja
Diese "Terroristen" würden eben keine Überwachungsmaßnahmen rechtfertigen, außerdem wären Nachrichten über ihre "Angriffe" kaum auflagenfördernd. Da ist das Schreckgespenst einer offenbar doch recht unwahrscheinlichen terroristischen Bedrohung durch die bösen Russen natürlich viel spannender, weil fantasieanregender.
Andraax 14.01.2016
2. Überwachung
Also ich finde schon, dass aus Sicherheitsgründen alle Gefährder aus den Gruppen der Eichhörnchen, der Ratten und der Vogel überwacht werden sollten. Wäre doch mal eine sinnvolle Beschäftigung für die ganzen Wissenschaftler aus der Biologie, anstatt haltlose Gerüchte über eine nicht-existente Evolution zu verbreiten.
amidelis 14.01.2016
3. Wer weiß
Es könnte ja sein dass die putzigen Tierchen abgerichtete Agenten einer fremden macht sind. Sorgfältig dressierte skrupellose Drahtzieher rücksichtsloser Angriffe. Tauben katzen und andere, harmlos wirkende Tierchen wurden schon früher von cia und kgb auf den feind angesetzt. Hier muss man hinsehen anstatt pauschal eine ganze wirbeltiergattung unter generalverdacht zu stellen.
h_harz 14.01.2016
4. Realitätsfern
Dieser Bericht zeigt auch, wie weit sich Politiker und Behörden mittlerweile von der Realität entfernt haben. Da werden Milliarden für Schnüffeleien und ungesetzliche Eingriffe in die Privatsphäre ausgegeben, im Endeffekt vollkommen umsonst, Ergebnis gleich null. Ein wirkliches Problem, wie Kabel liebende Eichhörnchen, die realen Schaden verursachen, wird komplett übersehen und ignoriert. Ich vermute, für einen Bruchteil der Kosten, die der ganze, paranoide Überwachungsunsinn kostet, könnte man die Masten so sichern, das die kleinen Kerlchen den Mast nicht mehr hochklettern können oder wollen.
observer2014 14.01.2016
5. Wer die Wahrheit verschweigt
macht sich auf Dauer unglaubwürdig. Stromausfälle durch Tiere haben in der Berichterstattung der Medien, als Sprachrohre von Natur- und Tierschützern, natürlich nicht den Stellenwert eines kriegerischen Aktes. Ich habe auch noch nirgends in den Medien gelesen oder gehört, für wieviele Verspätungen der Züge der Deutschen Bahn AG Selbstmörder, unvorsichtige Autofahrer an Bahnübergängen oder spielende Kinder an oder auf den Gleisen verantwortlich sind. Schuld ist immer die Bahn AG sagen jedenfalls die Medien. Die glauben, die Wahrheit gepachtet zu haben.
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