USA Online-Handel soll besteuert werden

In den USA sind Online-Käufe von der Mehrwertsteuer befreit. Zu Unrecht, finden Gouverneure von über 40 Bundesstaaten. Jahr für Jahr gehen ihnen Summen in zweistelliger Milliardenhöhe durch die Lappen.


Der US-Kongress soll auch den Internet-Handel besteuern
AP

Der US-Kongress soll auch den Internet-Handel besteuern

An den steuerpolitischen Rahmenbedingungen kann der Niedergang der Dot.coms eigentlich nicht liegen - zumindest nicht in den USA. Seit 1998 müssen amerikanische Bürger keine Steuern auf Online-Einkäufe zahlen. Dem wollen die Gouverneure nicht mehr länger tatenlos zusehen, berichtet die "Washington Post". In einem offenen Brief an alle Kongressabgeordneten fordern sie, die Steuerbefreiung des Internet-Handels nicht zu verlängern. Die Bestimmung läuft am 21. Oktober aus.

Das Gesetz zum steuerfreien Online-Handel war den Gouverneuren schon lange ein Dorn im Auge. Schätzungen zufolge müssen die Bundesstaaten jährlich auf Steuern in Höhe von bis zu 13 Milliarden Dollar verzichten.

Die Mehrwertsteuer zählt zu den wichtigsten Einnahmequellen der Bundesstaaten. Wenn der Online-Handel in den nächsten Jahren weiter an Bedeutung gewinnt, wären die Einnahmen der öffentlichen Hand massiv betroffen. Schulen und die staatliche Verwaltung seien deshalb letztlich durch den Preisvorteil der Internet-Firmen gefährdet.

Gefahr für den E-Commerce

Unterstützung erhalten die Gouverneure von den Einzelhändlern und den Betreibern großer Einkaufszentren. Sie fürchten, dass ihnen die Bundesstaaten im Kampf um mehr Einnahmen noch höhere Steuern aufbrummen. Die entsprechenden Verbände haben deshalb schon vor längerer Zeit ihre Lobby-Maschinerie angeworfen.

Die Befürworter des steuerfreien Internet-Handels befürchten dagegen, dass Abgaben die noch junge E-Commerce-Branche gefährden könnte. Außerdem verweisen sie auf das extrem komplizierte Steuerrecht in den Vereinigten Staaten: Schätzungsweise 7500 verschiedene Abgaben-Bestimmungen gibt es in den Bundesstaaten und Bezirken der USA. Das mache es den Online-Händlern fast unmöglich, Steuern dort abzuführen, wo ihre Kunden leben.

Das haben auch die Gouverneure erkannt. Sie fordern in ihrem Brief dazu auf, das Steuersystem zu vereinheitlichen und zu vereinfachen.



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