US-Zeitungskrise: Google gewinnt Wettbewerb für gedruckte Anzeigen

Eine US-Zeitung hat einen Wettbewerb für besonders gute, gedruckte Anzeigen ausgerichtet. Nun steht der Gewinner fest: Es ist ausgerechnet der Internetkonzern Google, der mit Werbung im Web Milliarden verdient.

Google-Büro in New York: Kreative Printanzeigen kann der Internetkonzern auch Zur Großansicht
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Google-Büro in New York: Kreative Printanzeigen kann der Internetkonzern auch

Gedruckte Zeitungen haben es nicht leicht. Junge Leser gehen lieber ins Internet, die Werbekunden gleich hinterher - in den USA gibt es deshalb seit mehreren Jahren eine Zeitungskrise. Traditionsreiche Blätter schrumpfen oder verschwinden gleich für immer. In dieser Untergangsstimmung versucht die "USA Today", die Zeitung mit der größten gedruckten Auflage im Land, mit einem Wettbewerb für etwas gute Laune zu sorgen. Sie sucht die beste Print-Anzeige.

Wie viele Blätter hat auch "USA Today" mit dem Medienwandel zu kämpfen. Die Redaktion soll sich seit drei Jahren mehr um Tablets und Smartphones kümmern. Gleichzeitig wurde der Abbau von mehr als 100 Arbeitsplätzen angekündigt.

Gewonnen hat die "USA Today Print Advertising Competition" nun ausgerechnet Google. Die Jury, Werbefachleute und ein Kolumnist der "USA Today", entschieden sich für ein Motiv des Internetkonzerns. Damit, berichtet die "New York Times", habe Google in der Zeitung Anzeigenplatz im Gegenwert von einer Million Dollar gewonnen.

Die Anzeige war im Oktober in der "New York Times" veröffentlicht worden, in Deutschland wurde eine übersetzte Version in der "Süddeutschen Zeitung" gedruckt. Zu sehen ist darin eine Zeitungsmeldung, in der es heißt, der Dalai Lama habe einen Termin nicht wahrnehmen können. Die Meldung ist nachträglich handschriftlich korrigiert, dank des Videochats von Google+ habe der Besuch eben über das Internet stattgefunden.

Deutsche Version der Google-Anzeige: Werbung für Videochat Zur Großansicht
Google

Deutsche Version der Google-Anzeige: Werbung für Videochat

Das Internet! Dort verdient Google mit passgenauer Werbung Milliarden, während die Verlagshäuser erst allmählich dahinter kommen, wie man im Web Geld verdienen kann. Für die Medienbranche ist Google Freund und Feind zugleich: Einerseits macht sich der Konzern mit seiner Suchmaschine, mit YouTube und zahlreichen weiteren Angeboten im Werbemarkt breit. Andererseits schickt Google Besucher auf die Websites der Verlage, die sich extra für die Suchmaschine herausputzen. Dass Google dafür Überschriften, Textanrisse und Vorschaubilder nutzt, gefällt allerdings auch wieder nicht allen.

Google ist nicht der Grund für die Krise der Zeitungen, aber im Aufstieg des Konzerns spiegelt sich deren Niedergang. Dass nun Google mit einer korrigierten Zeitungsmeldung in einer Zeitung für eines seiner Angebote wirbt und auch noch einen Printanzeigen-Wettbewerb damit gewinnt, dürfte in der Branche nicht nur auf Zustimmung stoßen.

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insgesamt 6 Beiträge
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1. Presse
a.peanuts 17.01.2013
Man fragt sich manchmal, ob Firmen,wie Google nicht unsere Demokratie gefährden. Pressefreiheit kann es nur geben,wenn die Presse Geld verdient und nicht aus Geldnot von Grossmäulern aufgekauft wird.
2. Bravo !!!
Hugh 17.01.2013
Zitat von sysopDPAEine US-Zeitung hat einen Wettbewerb für besonders gute, gedruckte Anzeigen ausgerichtet. Nun steht der Gewinner fest: Es ist ausgerechnet der Internetkonzern Google, der mit Werbung im Web Milliarden verdient. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/usa-today-google-gewinnt-wettbewerb-fuer-gedruckte-anzeigen-a-878021.html
Wieso ausgerechnet? Google kann es eben. Und lässt die gierigen Verlage ("Leistungsschutzrecht") weit hinter sich.
3.
wooz 17.01.2013
Zitat von HughWieso ausgerechnet? Google kann es eben. Und lässt die gierigen Verlage ("Leistungsschutzrecht") weit hinter sich.
Google ist ein Schmarotzer, der mit anderer Leute Arbeit Geld verdient. Wenn jemand explizit von sich behaupten muss, eh "nicht böse" zu sein, sollten sämtliche Alarmglocken klingeln.
4. Schmarotzer oder Symbiose?
tubaner 17.01.2013
Zitat von woozGoogle ist ein Schmarotzer, der mit anderer Leute Arbeit Geld verdient. Wenn jemand explizit von sich behaupten muss, eh "nicht böse" zu sein, sollten sämtliche Alarmglocken klingeln.
Ist Google ein Schmarotzer oder lebt es in Symbiose mit anderen Webseiten? Solange nur gejammert wird und Google nicht großflächig durch entsprechende robots.txt ausgesperrt wird (was jeder Administrator innerhalb von Minuten für seine Seite einrichten könnte), ist es aus meiner Sicht ganz klar das Zweite.
5.
Stäffelesrutscher 17.01.2013
Was ist das denn für eine Übersetzung der Anzeige ins Deutsche? Weil ihm ein Visum für Südafrika verweigert wurde, nahm er »in Südafrika an der Feier ... via Hangout teil«? Er konnte doch teilnehmen, obwohl er nicht in Südafrika war! »joined the celebration ... via hangout« steht im Original. Kein Wort von Südafrika. Deswegen funktioniert die Anzeige. Die Übersetzung macht die ganze Pointe kaputt.
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