Studie in den USA Viele Eltern lesen SMS und Mails ihrer Kinder mit

Kinder stehen beim Surfen unter permanenter Beobachtung: Einer US-Umfrage zufolge prüft ein großer Teil der Eltern den Browserverlauf und liest Nachrichten mit. Studien über Deutschland kommen zu ähnlichen Ergebnissen.

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Kinder beim Surfen: Die meisten Eltern interessiert, was sich ihre Kinder online anschauen
Corbis

Kinder beim Surfen: Die meisten Eltern interessiert, was sich ihre Kinder online anschauen


Wie weit gehen Eltern, um ihr Kind im Netz zu schützen - beispielsweise vor Mobbing, Datenmissbrauch oder verstörenden Bildern? Eine Studie des amerikanischen Pew-Forschungszentrums zeigt: Die Mehrheit der Eltern spioniert auch mal den eigenen Nachwuchs aus; einige lesen sogar E-Mails und Textnachrichten mit.

Für die Studie (hier als PDF) haben die Forscher mehr als tausend Eltern und deren Kinder befragt. Die Kinder waren jeweils zwischen 13 und 17 Jahre alt.

Etwa 60 Prozent der Eltern haben der Studie zufolge schon einmal geprüft, welche Webseiten ihre Kinder besucht haben. Knapp die Hälfte kennt das E-Mail-Passwort ihrer Kinder. Ebenso viele Eltern haben sich schon einmal auf dem Handy ihrer Kinder Textnachrichten oder die Anrufliste angeschaut.

Beim Überwachen kommen mitunter auch technische Hilfsmittel zum Einsatz. So verwenden knapp 40 Prozent der befragten Eltern eine Kinderschutz-Software. 16 Prozent verfolgen per Tracking-App fürs Smartphone, wo sich ihr Kind gerade aufhält.

Geräte der Kinder durchsuchen

Für Deutschland kommen Studien zu ähnlichen Ergebnissen: Einer EU-weiten Umfrage zufolge besitzt die Hälfte der deutschen Eltern Software, um zu Hause das Surf-Verhalten der Kinder aufzuzeichnen. Fast jeder Dritte gibt an, am Heim-PC häufig oder immer die E-Mails oder Textnachrichten seiner Kinder zu prüfen.

Die deutschen Zahlen stammen aus einer Studie, die die EU-Kommission im Jahr 2008 in Auftrag gegeben hat (hier als PDF). Mit den Ergebnissen der Pew-Forscher sind sie aber nur bedingt vergleichbar: Die Kinder der befragten Eltern waren jünger, nämlich zwischen sechs und 17 Jahre alt. Auch die Fragestellungen unterscheiden sich.

Gemeinsam haben die Untersuchungsergebnisse aber, dass sie eine Tendenz hin zur Elternkontrolle konstatieren, die auch zu einer Studie des IT-Unternehmens Intel Security aus dem vergangenen Jahr passt: Aus einer Umfrage mit 1000 deutschen Eltern ging dabei hervor, dass knapp ein Drittel auch mal die Geräte der Kinder durchsucht und ihre Social-Media-Auftritte begutachtet.

Gespräche statt Kontrolle

Inwiefern die elterliche Kontrolle wirklich vor Gefahren wie verstörenden Bildern schützt, lässt sich vermutlich nur im Einzelfall beurteilen. Schließlich können auch Kinder ihre Spuren verwischen: Mehr als jedes dritte Kind verbirgt der Intel-Studie zufolge manche Online-Aktivität vor seinen Eltern - beispielsweise durch Löschen des Browserverlaufs oder bestimmte Einstellungen zur Privatsphäre.

Die vom Familienministerium gestützte Initiative "Schau hin!" rät Eltern eher zu Gesprächen als zur Überwachung. "Pure Kontrolle wirkt auch häufig schlicht kontraproduktiv", fasst eine "Schau hin!"-Autorin zusammen. Das könne Vertrauen zerstören und Gespräche blockieren. In der "Schau hin!"-Rubrik "Internet" finden Eltern Anregungen, um gemeinsam mit den Kindern Regeln zu vereinbaren.

Dass der Rat zum Gespräch durchaus beherzigt wird, ist ein weiteres Ergebnis der zitierten Studien: Mehr als 90 Prozent der Eltern haben mit ihren Kindern schon einmal über Sicherheit im Netz gesprochen - darin stimmen die Ergebnisse der US-Untersuchung und der deutschen Intel-Studie überein.


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insgesamt 17 Beiträge
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Flying Rain 15.01.2016
1. Sry
In den USA ist es auch gängig das wenn das Töchterlein männlichen Besuch hatt (und sei es nur zum Hausaufgaben machen) muss immer (!) die Türe offen sein. In einigen Haushalten kommt man als Junge niemals nie auch nir in die nähe des Zimmers, könnte ja immer was passieren .... So der Bericht meiner Schwester als se vor 5 Jahren in Missouri für ein Jahr auf der Schule war. Das die Eltern dann alles im Internet kontrollieren ist nicht so weit her geholt. Naja bei mir hätte als ich jünger war i-welche logger in den Router hauen müssen weil ich A am Pc keine Spuren hinterlasse und ich B eh nur No-CD- Cracks für Spiele wie AoE2 oder anderes gesucht und gefunden habe ;)
dolledern 15.01.2016
2. also die emails lesen
ist ja wohl wie im Tagebuch lesen. das tut man nicht nicht beim Partner nicht beim Kind. aber das netz mit kindersperre versehen, natürlich. und dem kind kein Tablett oder smart-phone überlassen ist ja wohl klar. bis zu einem bestimmten alter. aber danach hilft ja nur drüber reden. ich habe auch meiner tochter gesagt, das snapchat halt auch gedpeichert wird, egal was andere behaupten....und vorallem Aufklärung bei sexting tut not. ....vielen jugendlichen ist ja gar nicht bewusst , das es da um kinderpornografie geht.
wanderer777 15.01.2016
3. Macht eurr Kinder nicht zu Idioten!
Es ist wichtig, das Kinder SO SPÄT wie nur möglich, und nicht so früh wie möglich mit digitalen Medien in Kontakt kommen. Nur so lernen sie den Unterschied zwischen echter menschlicher Wärme und digitalem Kontakt und sind sich dann diesem Unterschied auch bewusst.
pejoachim 15.01.2016
4. Nein, nein, nein ... das tue ich nicht!
Ich kontrolliere NIE die SMS und Mails meiner Kinder. Das gehört sich nicht. Ich wüsste auch gar nicht, wie ich an ihren Account herankomme, sie sind immerhin 36 und 34 Jahre alt!
Rolf359 15.01.2016
5. Richtig so!
Überwacht die Kids im Netz wo es nur geht, damit sie früh genug lernen, Ihre Spuren zu verwischen bzw. sich so zu verhalten, dass "Big Brother" möglichst wenig mit bekommt.
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