Valentinstag Liebesbriefe, cut & paste

Am 14. Februar droht wieder der Valentinstag - und damit eine Menge Ärger, wenn man wieder vergisst, den Partner verbal und postalisch zu beglücken. Zum Glück gibt's im Web Lohnschreiber - und auch den einen oder anderen kostenlosen Cyrano.


Schööön: Stimmt der Valentinsgruß, dann klappts auch mit der Nachbarin
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Schööön: Stimmt der Valentinsgruß, dann klappts auch mit der Nachbarin

"Mein lieber Schatz", "Liebes Schnuckerbömsken" oder doch lieber "Grüß dich, freaky Lady"? Wer beim Schreiben eines Liebesbriefs schon bei der Anrede passen muss, dem hilft Ratgeber-Autor Rene Zey auf die Sprünge: "Entwickelt sich ein längerer Briefwechsel, können Sie Ihre Anreden phantasievoll steigern und sie den Stufen ihrer wachsenden Liebe anpassen."

Wer sich nicht durch Zeys Ratgeber "Liebesbriefe" (Falken Verlag) hangeln will, kann auf Autoren im Internet zurückgreifen. Und die erinnern natürlich an den "Tag der Verliebten": "Nicht vergessen: Am 14. Februar ist Valentinstag!", heißt es etwa bei Romantische-briefe.de.

58 Mark kostet zum Beispiel eine Auftragsbotschaft beim Online-Dienst Liebesbriefe.de. Chef Jeannot Lucchi und seine Autoren - darunter auch ein Chefredakteur, der in seiner Freizeit Liebesbriefe schreibt - sehen sich als Förderer der alten Briefkultur. Häufig geht es bei den E-Mail-Anfragen um "Tränen, Schmerzen, Abschied", sagt Lucchi. Schätzungsweise 1500 Liebesbotschaften seien in den vergangenen drei Jahren schon verschickt worden, ohne dass die Empfänger wüssten, dass ein Fremder zur Feder gegriffen hat - häufig mit positiver Resonanz. Aber: "Manchmal kann auch ein Brief nicht helfen."

Eine "neue Romantik" vermutet der Autor Thomas Neuß (Romantische-briefe.de), bei dem der schriftliche Liebesbeweis ab 39,90 Mark zu haben ist, als Motiv der Auftraggeber. Auch er spricht von "ganz viel Resonanz". "Das ist die Sache, die uns vorantreibt."

Sogar das Muster für einen - erfolgreichen - Heiratsantrag hätten die Auftragsschreiber schon verfasst. Auch wenn die Partnerschaft eingefahren ist, kann ein Liebesbrief helfen und neue Impulse geben, bestätigt Kommunikationstrainerin Marion Bergmann (Herzenspost.de). Besonders häufig sind es nach Angaben der Agenturen die Männer, denen die Worte fehlen und die bereit sind, für einen Brief vom Ghostwriter bis zu 85 Mark zu zahlen.

Liebesbriefe sind auch kostenlos zu haben. Unter liebste.de komplettiert ein "Cyber-Cyrano", der ein bisschen aussieht wie die langnasige französische Romanfigur, gratis einen vorformulierten Liebesbrief mit den Angaben des Internetsurfers. Das nicht ganz ernst gemeinte Angebot kann dann so aussehen: "Herzallerliebstes Mausi, meine Gedanken kreisen Tag und Nacht nur um Dich. Du bist so unglaublich schön, ich kann es kaum mehr erwarten, bis Du endlich Zurückhaltung und Abendkleid fallen lässt und ich mich Dir nähern darf. Vor Sehnsucht kann ich weder essen noch trinken - nicht einmal Hummer und Champagner bringe ich über meine Lippen."

"Mausi" könnte folgendermaßen antworten, schlägt der Computer vor: "Liebes Bärchen, ich will nicht viele Worte machen: Mir ist nicht entgangen, dass Du ziemlich männlich bist und Smoking und Hut stehen Dir gut - aber ich möchte auch gerne wissen, wie's darunter aussieht."

Wer zum Valentinstag dann doch lieber selbst einen Brief verfassen will, für den gibt es bei Liebesbriefe.de ein paar Goldene Regeln: "Sagen Sie deutlich, was Sie sagen wollen", "zu viele Worte zerstören die Botschaft" und "Beginnen Sie mit dem ersten Satz und setzen Sie die Anrede später ein" - also nicht mit "Schnuckerbömsken" anfangen.

Caroline Bock, dpa



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