Server-Attacken Web-Shop für Computersabotage aufgeflogen

Wer einen Server lahmlegen will, kann sich einen solchen Angriff im Netz bestellen. Den Anbietern eines solch zweifelhaften Service, der Seite vDOS, wurde ihr Geschäft nun zum Verhängnis.

Serverraum
DPA

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Wer eine unliebsame Webseite abschießen will, muss heutzutage kein Hacker mehr sein: In Web-Shops lassen sich Serverattacken ganz bequem einkaufen - wie ein Staubsauger bei Amazon. Einer der größten Online-Läden dieser Art, vDOS, ist nun aber offline. Die beiden mutmaßlichen Betreiber, zwei junge Israelis, sind festgenommen worden.

Ins Rollen gebracht hat den Fall der US-Sicherheitsexperte Brian Krebs. Er berichtete auf seinem Blog vergangene Woche über den Service von vDOS und die Identität der Betreiber. Krebs war eine Datenbank der Seite zugespielt worden.

"Mächtige Cyberwaffen, die man per Klick erhält"

vDOS verdiente sein Geld damit, sogenannte Distributed-Denial-of-Service-Attacken (DDoS) zu orchestrieren. Mit Hilfe von etlichen Rechnern werden dabei massenhaft Abfragen an einen Server gerichtet. Das Ziel ist es, den anvisierten Server zu überfordern.

Eine DDoS-Attacke ist kein Hackerangriff im engeren Sinne , da nicht in ein System eingedrungen wird. Man braucht aber Zugriff auf möglichst viele Rechner. Anbieter wie vDOS verkaufen zu diesem Zweck den Zugang zu etlichen Rechnern, die sie vorher durch Viren und Trojaner gekapert und zu sogenannten Botnets zusammengeschlossen haben.

"Es wäre eine Untertreibung, zu sagen, dass vDOS für die Mehrzahl der DDoS-Attacken verantwortlich ist, die in den vergangenen Jahren das Internet verstopft haben", schreibt Sicherheitsexperte Krebs. Auf vDOS habe man verschieden schwerwiegende Attacken einkaufen können, basierend auf der Dauer der Attacke in Sekunden, so Krebs weiter.

Zwischen April und Juli diesen Jahres habe vDOS mehr als 277 Millionen Sekunden an Angriffen ausgeführt, umgerechnet sind das fast neun Jahre. Der Dienst habe Zehntausende Kunden gehabt. Für die Betreiber ein lohnendes Geschäft: Mehr als 600.000 Dollar sollen sie laut der geleakten Unterlagen in den vergangenen zwei Jahren mit vDOS verdient haben, schreibt Krebs.

Services wie vDOS brächten "mächtige Cyberwaffen, die man per Klick erhält, in die Hände von Menschen, die sonst gar nicht wüssten, wie sie solche Attacken starten sollten", warnt Krebs. Offiziell bewarb vDOS seine Dienste als legalen "Stresstest".

Aus den Unterlagen schloss Krebs auch auf die mutmaßlichen Betreiber von vDOS, zwei junge Israelis. Kurz nach Veröffentlichung des Eintrags wurden sie in Israel festgenommen, berichtete die örtliche Nachrichtenseite "The Marker". Die Festnahme stehe im Zusammenhang mit Ermittlungen des amerikanischen FBI.

Mittlerweile sind die beiden 18-Jährigen offenbar wieder entlassen. Sie mussten laut dem Bericht 10.000 Dollar Kaution bezahlen, ihre Pässe bei den israelischen Behörden abgeben und stehen unter Hausarrest, bei dem sie das Internet nicht benutzen dürfen.

Die beiden Männer hatten erst im August ein Forschungspapier über DDoS-Attacken veröffentlicht, unter Klarnamen - und haben sich auch sonst nicht viel Mühe gemacht, ihre Spuren zu verwischen, kommentiert Krebs die Festnahme in einem weiteren Blogeintrag.

Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potenziell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.

gru



insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
GoaSkin 12.09.2016
1.
Hoffentlich wertet da auch jemand aus, wer die Kunden waren, um Diese zur Rechenschaft zu ziehen.
willibaldus 12.09.2016
2. Pennäler
Wenn die schon über 2 Jahre im Geschäft sind, dann haben wohl zwei Pennäler die (kriminelle) Geschäftsidee ihres Lebens verwirklicht. Oder aus einem Hobby ein Geschäft gemacht. Soll man die wirklich Männer nennen?
securityfreak 29.09.2016
3. DDoS-Attacken
Die Abwehr von DDoS-Angriffen gehört zum Standardrepertoire in der IT-Security. Mittlerweile existiert jede Menge Literatur, die grundsätzliche Maßnahmen beschreibt, etwa hier das Neueste von Jens Libmann: bit.ly/1tkDYv2 Demnach lässt sich bereits mit 20% Einsatz 80% Sicherheit erzielen. Außerdem gibts auch darin Controlling, damit lässt sich die Wertschöpfung beziffern.
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