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Highspeed-DSL: Vodafone will ins Turbo-Netz der Telekom

Netzwerkkabel: Vodafone sichert sich den Zugang zum schnellen Telekom-Leitungen Zur Großansicht
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Netzwerkkabel: Vodafone sichert sich den Zugang zum schnellen Telekom-Leitungen

Weil normales DSL vielen Kunden zu langsam ist, geht Vodafone in die Offensive. Der Konzern will künftig die schnellen Datenleitungen der Telekom mitbenutzen. Doch die müssen erst noch gebaut werden - und das kostet Milliarden.

London/Köln - Der Mobilfunkkonzern Vodafone Deutschland setzt beim schnellen Festnetz-Internet auf Technik der Telekom. Die Briten wollen dafür deutschlandweit das Netz des Bonner Konkurrenten nutzen. "Wir verbessern damit unsere Fähigkeit, deutschen Kunden Hochgeschwindigkeits-Breitband- und TV-Dienste anbieten zu können", sagte Vodafone-Manager Philipp Humm am Donnerstag in London.

Vor allem haben die Briten damit wieder bessere Karten im Konkurrenzkampf mit den TV-Kabelanbietern Kabel Deutschland und Unitymedia. "Die Kooperation mit der Telekom und die Nutzung der Vectoring-Technologie ermöglicht uns, im Festnetzmarkt anzugreifen", sagte Vodafone-Deutschland-Chef Jens Schulte-Bockum.

Mit der Vectoring-Technik will die Telekom die mögliche Geschwindigkeit vieler Internet-Anschlüsse verdoppeln. Der dafür nötige Netzumbau wird allerdings erhebliche Kosten mit sich bringen. Insgesamt sollen sechs Milliarden Euro für neue Glasfaserleitungen bis zu den Kabelverzweigern (die grauen Verteilerkästen am Straßenrand) und den Ausbau der Kästen mit Vectoring ausgegeben werden.

Kostenverteilung

Die Telekom will deshalb Konkurrenzfirmen mit ins Boot holen, die einen Teil der Kosten übernehmen. "Wir freuen uns, dass wir mit Vodafone einen weiteren Partner gefunden haben, der sich am Investitionsrisiko beteiligt", sagte Niek Jan van Damme, Deutschland-Chef der Telekom. Eine ähnliche Vereinbarung schloss der Konzern vor wenigen Wochen bereits mit O2.

Vodafone erhalte die Anschlüsse zu besonderen Konditionen und verpflichte sich im Gegenzug, eine festgelegte Menge abzunehmen, erklärte das Unternehmen. Das Festnetz ist das Sorgenkind von Vodafone in Deutschland: Wegen der harten Konkurrenz durch die Kabelbetreiber ist die Zahl der DSL-Kunden rückläufig - jüngst waren es noch rund drei Millionen.

Nur einer kann bestimmen

Die schnellen VDSL-Anschlüsse haben die Düsseldorfer seit Jahren im Angebot, der Erfolg ist mit 10.000 Kunden nur mäßig. Allerdings ist Vodafone-VDSL nur in Innenstädten verfügbar. Die Telekom hat angekündigt, in den kommenden vier Jahren 24 Millionen Haushalten Anschlüsse auf Basis der neuen VDSL-Technik anzubieten.

Gleichzeitig sollen die Zugänge mit Hilfe der Vectoring-Technologie deutlich schneller werden. Statt wie bisher maximal 50 Megabit pro Sekunde sollen sie nach der Umrüstung bis zu 100 Megabit pro Sekunde übertragen. Das klappt aber aus technischen Gründen nur dann reibungslos, wenn eine Telekomfirma die volle Kontrolle über die Technik in den Kabelverzweigern hat. Deshalb ist der Ausbau in der Branche umstritten - Telekom-Rivalen sehen sich benachteiligt.

TV-Kabel sind heute schon so schnell

Die Kooperationsvereinbarung von Vodafone und Telekom werde jetzt der Bundesnetzagentur und dem Bundeskartellamt zur Prüfung vorgelegt, erklärte Vodafone. Der Beginn der Zusammenarbeit sei noch für dieses Jahr geplant. "Wir werden das prüfen, sobald uns die Unterlagen vorliegen", sagte ein Sprecher des Kartellamts.

Die Partnerschaft zwischen Vodafone und der Telekom ist eine Kampfansage an die Kabelnetzbetreiber, die sich mittlerweile 15 Prozent des Breitbandmarktes gesichert haben. Die beiden Platzhirsche Kabel Deutschland und Unitymedia können dank verlässlich sprudelnder Mieteinnahmen aus TV-Kabelanschlüssen ihre Internet-Anschlüsse zu Dumpingpreisen in den Markt drücken. Zudem erlauben ihre Kabelnetze schon heute Geschwindigkeiten von 150 Megabit pro Sekunde - ohne all zu großen Aufwand wären auch 400 Megabit pro Sekunde möglich.

mak/Reuters/dpa-AFX

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1. Der entscheidende Teilsatz
u.loose 16.05.2013
...dank verlässlich sprudelnder Mieteinnahmen aus TV-Kabelanschlüssen ihre Internet-Anschlüsse zu Dumpingpreisen in den Markt drücken. Müssen eigentlich die Kabelanbieter auch reinen Vermarktern wie 1&1 Zugang zu ihren Netzen geben? Wundert eigentlich dass die ganzen "Netzaktivisten" sich so auf das Festnetz einschießen. Alleine durch den Quasi Anschlusszwang in Städten ans dolle Kabelfernsehen, haben die Kabelnetzbetreiber praktisch alle Telefon und Internet Anschlüsse fest in der Tasche...
2. Cool!
zick-zack 16.05.2013
Da hat man seinen Anschluß dann bei Vodakom oder Telefone...
3.
ponyrage 17.05.2013
Zitat von u.loose...dank verlässlich sprudelnder Mieteinnahmen aus TV-Kabelanschlüssen ihre Internet-Anschlüsse zu Dumpingpreisen in den Markt drücken. Müssen eigentlich die Kabelanbieter auch reinen Vermarktern wie 1&1 Zugang zu ihren Netzen geben? Wundert eigentlich dass die ganzen "Netzaktivisten" sich so auf das Festnetz einschießen. Alleine durch den Quasi Anschlusszwang in Städten ans dolle Kabelfernsehen, haben die Kabelnetzbetreiber praktisch alle Telefon und Internet Anschlüsse fest in der Tasche...
Merkwürdig, dass trotzdem der Wettbewerb nicht funktioniert und die Telekom glaubt, sich mit Drossel-Plänen durchsetzen zu können, finden Sie nicht? Bin gespannt auf die nächste Telekom-PR von Ihnen. Nebenbei bemerkt: Traffic ist nahezu kostenlos, die Drosselung also großer Unsinn. Teuer ist die Bereithaltung der Kapazität 24/7, nicht der Abruf, der dann folgt. Für den Abruf ist ja vorgebaut (jedenfalls ist das die Pflicht des Anbieters). Hier könnte eine Differenzierung ansetzen (alle denkbaren Abstufungen von 3-100 Mbit/s). Warum die Telekom das nicht macht? Weil sie schon heute nicht leistet, was der Anschluss angeblich hergibt (auch nicht auf 16 Mbit Leitungen). Wenn sie dann auch noch differenzieren würde, dann würden die Kunden ja die Leistung am Ende noch tatsächlich haben wollen, weil sie deutlich mehr für die höheren Geschwindigkeiten bezahlen müssten. Und das geht nun wirklich nicht! Da sind die Sesselfurzer davor!
4. Und somit...
oberle- 17.05.2013
... ist die geplante Volumen-Begrenzung zum nächsten Anbieter unterwegs. Guten Morgen, Internet-Steinzeitalter.
5. Kostenträger des Netzausbaus
leffy 17.05.2013
Zitat: "Wir freuen uns, dass wir mit Vodafone einen weiteren Partner gefunden haben, der sich am Investitionsrisiko beteiligt", sagte Niek Jan van Damme, Deutschland-Chef der Telekom. Somit straft sich die Telekom selber Lügen, dass der Netzausbau nur durch die Preiserhöhung kombiniert mit der Drosselung finanzierbar ist. Die MItbewerber beteiligen sich also doch! Und bezeichnenderweise wird auch gleich noch erzählt, dass nicht die letzte Meile, die ja mit einer der Engpässe ist ausgebaut wird sondern nur noch mehr ausgequetsch wird ohne zu Inverstieren.
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FAQ zur DSL-Drosselung der Telekom
Für wen gelten die Obergrenzen?
Zunächst einmal geht es nur um Neukunden, die einen Vertrag vom 2. Mai 2013 an abschließen. "Bestehende Verträge sind von den Änderungen nicht betroffen", versprach die Telekom in einer Mitteilung vom 22. April. Greifen soll die Tempo-Bremse zudem "nicht vor 2016".
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Haushalt die Obergrenze überschreitet?
Das lässt sich mit Blick auf das Jahr 2016 schwer sagen. Der Telekom zufolge kommt ein Kunde heute im Schnitt auf einen DSL-Datendurchsatz 15 bis 20 Gigabyte pro Monat. Das passt zwar mehrfach in die niedrigste angekündigte Obergrenze von 75 Gigabyte für Anschlüsse mit einer Geschwindigkeit von bis zu 16 Megabit pro Sekunde. Allerdings nimmt der Videokonsum aus dem Netz rasant zu. Neue TV-Geräte sind Internet-tauglich, Sender bauen ihre Mediatheken aus, immer mehr Dienste bieten Streaming von Filmen und Serien an. Bis 2016 kann der Datenhunger der deutschen Haushalte also noch stark zunehmen.
Wofür reichen 75 Gigabyte Inklusiv-Volumen?
Laut Telekom reicht das neben dem Surfen im Netz und dem Bearbeiten von E-Mails zum Beispiel, um zehn Filme in herkömmlicher Auflösung sowie drei HD-Filme anzuschauen, 60 Stunden Internetradio zu hören, 400 Fotos anzusehen und 16 Stunden lang Online-Spiele zu spielen. Wenn solche Online-Dienste in einem Haushalt mit mehreren Personen fest zum Alltag gehören, häuft sich locker eine höhere Nutzung an. Allerdings: Der hauseigene Telekom-Videodienst Entertain zehrt nicht am Datenkontingent.
Wie reagieren Anbieter von Streaming-Diensten?
Nach aktuellem Stand würden das Inklusiv-Volumen der neuen Verträge schnell verbraucht werden, wenn man Konkurrenzangebote zu T-Entertain benutzt. Wer also Filme über Apples iTunes, Amazons Lovefilm, Watchever oder YouTube anschaut, würde sein bezahltes Kontingent schnell erreichen und dann gedroselt werden. Bis 2016 könnten die Anbieter aber noch Partnerschaften mit der Telekom abschließen, die ihnen gegen Bezahlung einen "Managed Service" bieten würde. Auf dieses Weise könnten sie sich aus der Drosselung freikaufen, so dass ihre Kunden ihre Angebote ohne Angst vor Einschränkungen nutzen könnten. Die Kosten dafür müssten vermutlich auf die Preise der jeweiligen Angebote aufgeschlagen werden.

Alternativ könnten sich die Anbieter zum Kampf gegen die neue Regelung der Telekom entschließen.
Was passiert, wenn man das Inklusiv-Datenvolumen überschritten hat?
Die Geschwindigkeit des Internet-Zugangs wird auf 384 Kilobit pro Sekunde gedrosselt. Das entspricht der Leistung sogenannter Schmalband-Anschlüsse, mit denen die Telekom im ADSL-over-ISDN-Verfahren Internetzugänge in ländliche Gebiete bringt. Das reicht, um E-Mails abzufragen und - mit viel Geduld - auch im Internet zu surfen. Wer sich mit diesen Einschränkungen nicht abfinden will, kann gegen einen Aufpreis zusätzliches Datenvolumen hinzubuchen. Die Tarife dafür wurden von der Telekom noch nicht genannt.
Machen andere Internet-Provider bei der Drosselung mit?
Vodafone will nicht mitziehen: "Wir haben keine Pläne, die DSL-Geschwindigkeit unserer Kunden zu drosseln." Auch Unitymedia Kabel Baden-Württemberg erteilte einer Drosselung eine Absage: Bereits heute könnten Datenübertragungsraten von 150 Megabit pro Sekunde angeboten werden, die mit wenigen technischen Anpassungen auf 400 Megabit pro Sekunde erhöht werden könnten. Bei Kabel Deutschland dagegen gibt es bereits Datengrenzen - sie funktionieren aber anders als bei der Telekom. So ist ein Tagesvolumen von zehn Gigabyte vorgesehen, nach dem das Tempo gedrosselt werden kann. Derzeit passiert das aber erst ab 60 Gigabyte pro Tag. Bei 1und1 gehört das Drosselungsprinzip bereits fest zum günstigsten Tarif dazu: Bis 100 Gigabyte pro Monat surft man mit bis zu 16 Megabit pro Sekunde, danach nur noch mit der langsamsten DSL-Geschwindigkeit von 1 Megabit pro Sekunde.


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