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Verapplet: Die Queen und ihr iPod

Queen Elisabeth II. hat die Vorzüge des iPod entdeckt. Ab sofort weiß man bei Staatsbanketten, langweiligen Schönwetterreden und fürchterlichen Blechkonzerten nicht mehr, ob sie zuhört oder nicht. Es sei ihr gegönnt: Leben wir nicht alle lieber mit unserem eigenen Soundtrack?

Yesssss, den will sie haben: Queen Elisabeth II. hat die Vorzüge der Beschallung per Ohrstöpsel entdeckt
[M] SPIEGEL ONLINE, DPA, Apple

Yesssss, den will sie haben: Queen Elisabeth II. hat die Vorzüge der Beschallung per Ohrstöpsel entdeckt

Man hat's nicht leicht, wie jeder weiß, und das gilt natürlich ganz besonders, wenn man hauptberuflich Königin von England ist. Nie hat man seine Ruhe, ständig wird man um- und belagert, be- und überwacht, in die Pflicht genommen und zu allen möglichen, langweiligen Dingen genötigt: stundenlanges Winken, langweilige Spaziergänge und -fahrten, grässliche Blech- und Dudelsackkonzerte sowie ein nicht enden wollender Aufmarsch redenschwingender Herr Wichtigs gehören zum Arbeitsalltag.

Dazu kommt die Kakophonie der Medien. Nichts passt denen in den Kram: Lächelt die Queen, auch wenn sie eigentlich nicht will, wird ihr Kälte und Falschheit und weiß der Fuchs was noch vorgeworfen. Lächelt sie nicht, passt das auch nicht. Zeigt sie sich menschlich und pflegt ihre Hobbys (Tauben und Wildhühner erschießen, Rotten seltsamer Hunde ausführen, anderen Hunden zu Tode gehetzte Füchse vorwerfen) bietet auch das Anlass zu Kritik. Und mischt sie sich gar unter das ganz normale Ascot-Volk und lässt sich dabei erwischen, wie sie sich wie eine Schneekönigin über zwei Pfund Wettgewinn freut, wirft man ihr gleich wieder Geiz und Geldgier vor.

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Königlicher iPod: Zehn königliche Gründe, zum iPod zu greifen

Nein, Queen Elisabeth II. hat offensichtlich genügend Gründe, sich ab und an aus dieser widrigen Welt und in ihren eigenen Film-Soundtrack hineinzuzappen. Wie man das heute zeitgerecht, stilvoll und ohne Zuhilfenahme bewusstseinsverändernder Chemikalien bewerkstelligt, soll ihr Prince Andrew, der von der Öffentlichkeit weitgehend vergessene zweitälteste Sohn und Bruder des Hobby-Architekturkritikers Charles, erklärt haben.

Der, fand nun die britische Boulevardzeitung "The Sun" mit Hilfe eines anonymen "Eingeweihten" aus Palastkreisen heraus, soll ein wahrer Tech-Head sein: Nicht nur, dass er mit einem iPod umgehen kann, nein, er soll sogar bereits vor drei Jahren seine Mutter in den selbstständigen Gebrauch eines Mobiltelefons eingeführt haben. Man stelle sich das mal vor. Und da gibt es Lästermäuler, die die "Royals" für weltfremd halten.

Von wegen: Mit scharf-analytischem Blick soll die Queen erkannt haben, was für ein praktisch Ding so ein iPod doch sei. An ein Wunder grenzt, dass sie sich das Ding überhaupt noch kaufen musste: Eine bessere Werbung hätte Apple sich kaum wünschen können, als den Buckingham Palace vom Butler bis zum letzten Corgy mit iPods auszustatten.

Doch die Queen zahlte selbst: stolze 255 Euro. Dafür bekam sie den schicken, silbernen iPod Mini in der sechs-Gigabyte-Version. 10.000 Stücke, rechnete die "Sun" vor, passten darauf - und nimmt damit offensichtlich an, dass die Queen nicht nur dienstlich Ozzy Osborne, Elton John und andere Drei-Minuten-Stück-Produzenten hört (wie beim Palastfest 2002), sondern natürlich auch privat.

"Dancing Queen": Die "Sun" hat ihren Spaß mit der iPod-Geschichte

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Doch was sie wirklich hört, weiß niemand. Die "Sun" hat die Geschichte längst zu einer Online-Aktion "Was packt die Queen auf ihren iPod?" aufgebohrt, flankiert von Karikaturen und hämischen Kommentaren darüber, wo und wem sie künftig alles nicht mehr zuhören wird. Der "Eingeweihte" wollte nur verraten, dass sie Musik liebe und sich "beeindruckt" darüber gezeigt habe, wie "klein und handlich" das Dudelding sei.

Und natürlich bleibe ihr der "komplizierte" Vorgang des Musik-Downloads aus dem Internet erspart. "Ich bin mir sicher", sagte dazu der "Eingeweihte", "dass das einer der Höflinge für sie tun wird." Ansonsten könne wahrscheinlich auch Prinz Andrew helfen, "denn er ist wirklich ein Ass in solchen Spielereien".

Frank Patalong

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