Verbraucherschützer: Endlich Schluss mit Abo-Fallen

Jahresabos für Informationen, die Abzocker einfach aus Wikipedia ziehen, saftige Gebühren für aus Foren zusammengeklaute Kochrezepte oder Muster-Hausaufgaben - der Spuk soll bald vorbei sein, verspricht Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger. Das Gesetz dagegen soll schon 2011 greifen.

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Abo-Fallen im Internet: Bloß nicht zahlen

2010 wird Millionen Internet-Surfern unangenehm in Erinnerung bleiben: Kaum einer, der nicht in eine der lästigen Abo-Fallen hineingeraten ist und plötzlich Geld zahlen soll, obwohl er doch gar nichts bewusst bestellt hat. Selbst den früheren Hamburger Oberbürgermeister Ole von Beust hat es kalt erwischt, wie "Finanztest" berichtet. Wie unzählige andere Bürger hat auch er lediglich nach kostenlosen Programmen gesucht, in seinem Fall war es ein spezielles Kochrezept für Gulasch. Ein unbedachter Mausklick - und schon kommt wenig später die erste Rechnung. Die meisten haben dann ein dubioses Abonnement in Höhe von 96 Euro am Hals über ein oder zwei Jahre Laufzeit - und jede Menge Ärger.

Mal sollen die Betroffenen Witze heruntergeladen haben, Hausaufgabentipps, Routenplaner oder Ahnenforschung. Mal geht es um Intelligenztests, Lehrstellensuche oder Virenschutzprogramme. Hunderte solcher Seiten sind im Netz, die so tun, als sei ihr Service gratis. Fast immer sind die Hinweise auf Kosten so gut versteckt, dass sie übersehen werden.

Mit der Massenplage soll jetzt bald Schluss sein. Die Bundesregierung will dem Abkassieren endlich einen Riegel vorschieben. Schon nächstes Jahr dürfte es so weit sein. Dann soll die so genannte "Buttonlösung" den Abo-Fallen den Boden entziehen, wie Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) ankündigte. Künftig sollen Internet-Nutzer klare Hinweise auf eine Kostenpflicht erhalten. Nur wer per Mausklick bestätigt, dass das Angebot seinen Preis hat, darf zur Kasse gebeten werden. In Frankreich gibt es bereits eine "Buttonlösung". Kostenfallen sind dort kein Thema.

Keine Adresse rausrücken für Basteltipps

"Auch geübte Surfer fallen serienweise rein", sagt Jutta Gurkmann vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv). Die Verbraucherzentralen können sich kaum retten vor Anfragen genervter, ratloser Bürger. Etwa 22.000 Beschwerden laufen pro Monat ein, so die Schätzungen. Viele Betroffene wehren sich anfänglich noch gegen die Rechnungen aus heiterem Himmel. Werden sie dann aber durch ständige Mahnschreiben und Inkassodrohungen unter Druck gesetzt, zahlen viele am Ende doch - häufig nur, um den Spuk endlich los zu sein. Der vzbv schätzt den Schaden in Deutschland auf mehrere Millionen Euro.

Die neuste trickreiche Variante trifft jetzt auch Besitzer von Smartphones, warnt Gurkmann. Klicken sie beim Internet-Spaziergang auf Werbebanner, sitzen sie ebenfalls schnell in einer Abo-Falle fest. Über den Netzbetreiber wird dann versucht, für angeblich kostenpflichtige Dienstleistungen abzukassieren.

Mit dem geplanten Gesetz werde endlich geholfen, ist Bettina Dittrich, Juristin der Verbraucherzentrale Sachsen, überzeugt. Wann es greift, ist noch unklar. Bis dahin sollten Verbraucher aber weiterhin auf der Hut sein.

Sobald Internet-Nutzer auf der Suche nach kostenlosen Programmen nach persönlichen Daten wie dem Namen, der Anschrift oder der E-Mail-Adresse gefragt werden, sollten die Alarmglocken schrillen, mahnt Dittrich zur Vorsicht. Warum sollte die Anschrift beim Abrufen kostenloser Horoskope oder Hausaufgabentipps wichtig sein?

Bloß nicht zahlen

Wer frech eine Rechnung zugeschickt bekommt, braucht nicht bezahlen. Wer nichts bestellt hat, muss auch nichts überweisen. Ein juristischer Vertrag kam schließlich nicht zustande. In der Regel sind die Forderungen völlig aus der Luft gegriffen. Dutzende Gerichte haben laut Gurkmann bereits so geurteilt.

Trotzdem halten es Verbraucherschützer für wichtig, den angeblichen Vertrag mitsamt Kostenpflicht zur Sicherheit per Einschreiben zu bestreiten. Gratis-Musterbriefe für Erwachsene wie für Minderjährige gibt es bei allen Verbraucherzentralen, beispielsweise online unter www.vz-rlp.de/muster. Immer neue Mahnungen von Rechtsanwälten, Drohungen mit Zwangsvollstreckung, Pfändung oder Gerichtsvollzieher könnten dann getrost ignoriert werden, so Dittrich.

Berrit Gräber/dapd

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Warnung: So sehen die Abo-Fallen im Web aus
Info Abo-Fallen
Bei Abo-Fallen handelt es sich fast immer um Programme, die es sonst im Internet kostenfrei gibt. Am Anfang heißt es meist "Jetzt gratis Zugang einrichten". Dann kommt doch eine Rechnung.

Ratenzahlungsangebote werden häufig frech mit den Mahnschreiben verschickt, um den angeblichen Schuldnern die Zahlung "leichter" zu machen. Bloß nicht unterschreiben. Sonst wird die Forderung anerkannt. Auch unbegründete Rechnungen müssen dann bezahlt werden.

Sind Kinder oder Teenager reingefallen, sollten die Eltern zurückschreiben und die Zahlung verweigern. Die angeblichen Verträge sind doppelt unwirksam. Minderjährige dürfen Abonnements nur mit Zustimmung der Eltern abschließen. Diese müssen nicht für ihren Nachwuchs haften. Sie sollten sich auch nicht einschüchtern lassen, wenn mit Strafanzeige gedroht wird, weil die Kleinen vielleicht beim Alter geschummelt haben. Das ist nicht verboten. Das Risiko falscher Angaben trägt der Anbieter.


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