Verbrecherjagd SMS-Fahndung floppt

Bei der Jagd auf Verbrecher würde die Polizei gern auch Taxifahrer, Fahrschullehrer und Tankstellenbetreiber mit einspannen. Aber die eigens entwickelte SMS-Fahndung ist weniger erfolgreich als erwartet - ihre Zukunft sogar ungewiss.


Polizei-Fahndung: Handy bislang kein Erfolgskonzept
DPA

Polizei-Fahndung: Handy bislang kein Erfolgskonzept

Wenn es um Ordnung und Sicherheit geht, will der rechtschaffene Bürger bestimmt gern mithelfen - so dachte man wohl in deutschen Polizeidienststellen, als die SMS-Fahndung entwickelt wurde. Deutschlandweit starteten zwölf Polizeidirektionen die Verbrecherjagd per Handy. Beispielsweise nach einem Banküberfall schickt die Polizei die Täterbeschreibung als Kurzmitteilung an registrierte Handy-Nummern - allerdings offenbar ohne durchschlagenden Erfolg.

"Zehn Stellen haben die SMS-Fahndung aber bereits wieder abgeschafft", sagte Sirko Eckert, Projektleiter bei der Polizei in Magdeburg. Die Gesamtbilanz falle sehr dünn aus. "Mir ist nur ein Fall bekannt, wo eine SMS-Fahndung zum Erfolg geführt hat", erklärte Eckert.

Nach bislang fünf Einsätzen und keinerlei Rückmeldung aus der teilnehmenden Bevölkerung steht die SMS-Fahndung vier Monate nach ihrer Einführung in Magdeburg vor einer ungewissen Zukunft. Mitte Januar soll über die Weiterführung des Pilotprojektes entschieden werden, sagte Eckert.

Mit dem Programm können Kriminelle und Vermisste auch per Kurzmitteilung aufs Handy (SMS) gesucht werden. "Bisher gab es zu wenig Fälle, um eine umfassende Aussage über den Erfolg oder Nicht-Erfolg der SMS-Fahndung zu treffen", sagte Eckert. Vorgeschrieben sei, das Verfahren nur bei schweren Straftaten oder bei der Suche nach vermissten Menschen zu aktivieren. "Einmal suchten wir nach zwei Kindern, ein weiteres Mal nach einem älteren Herren und ein anderes Mal nach einem jungen Mann, der suizidgefährdet war", sagte Eckert. Weiterhin gab es die SMS-Fahndung nach einem Raub sowie nach einem Überfall auf einen Einkaufsmarkt.

"In allen fünf Fällen kam keinerlei Rückmeldung von den bisher rund 350 Teilnehmern", sagte Eckert. Die Gründe dafür sieht er in der immer noch zu geringen Teilnehmerzahl und im relativ geringen Bekanntheitsgrad der neuen Fahndungsart. "Vielen Bürgern ist es vielleicht auch unheimlich, eine SMS ausgerechnet von der Polizei aufs Handy zu bekommen."

Die Bochumer Polizei wertete die Handy-Fahndung zumindest noch im März als Erfolg. Insgesamt 94 Handys und elf Faxgeräte seien in die Kommunikation während einer verbotenen NPD-Kundgebung eingebunden gewesen. "Die Zustellzeiten betrugen etwa 10 Sekunden", schreibt Frank Plewka auf der offiziellen SMS-Fahndungssite. Doch auch in Bochum steht das Projekt auf der Kippe: Im Februar soll entschieden werden, wie es weiter geht.



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