Verizon-Bericht zu Cyberattacken: Spione kommen aus China, Diebe aus den USA

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Verizon-Datensicherheitsreport: Spione in China, Kriminelle in Osteuropa Fotos
Verizon

Mit dem Datensicherheitsbericht von Verizon lässt sich eine Weltkarte der Cyberkriminalität zeichnen. Demnach sitzen die Spione in China, die Diebe in Osteuropa und den USA. Die Schwachstellen aber sitzen ganz woanders.

Das Internet ist ein gefährlicher Ort. Wer sich dort aufhält, sollte sich so gut wie nur möglich gegen alle denkbaren Angreifer absichern. Das ist eine Binse, aber offenbar eine, die man gar nicht oft genug wiederholen kann. Das legt jedenfalls der jährliche Datensicherheitsbericht des Netzanbieters und Dienstleisters Verizon nahe, der am Dienstag veröffentlicht wurde. Dessen Credo: Cyberkriminalität und Spionage sind auf dem Vormarsch, wer sich schützen will, sollte seine Gegner kennen.

Und die sind überwiegend kriminell und daran interessiert, ihren Opfern Kreditkartendaten, Zugangscodes oder Firmengeheimnisse zu entlocken, die sich zu Geld machen lassen. Online-Aktivisten hingegen, die sich aus ideologischen Gründen betätigen und mit ihren Aktionen oft viel Aufsehen erzeugen, sind für nur zwei Prozent der Netzangriffe verantwortlich. Zudem habe sich deren Tätigkeitsfeld verlagert. Statt Daten von fremden Servern zu entwenden, haben sie sich vor allem auf sogenannte DDoS-Angriffe verlegt, mit denen Systeme lahmgelegt oder Dienste unterbrochen werden können.

Die Daten stammen aus einer Untersuchung, die Verizon seit 2004 einmal pro Jahr durchführt. Das Unternehmen verlässt sich dabei nicht nur auf eigenes Material, sondern arbeitet mit 18 weiteren Organisationen aus aller Welt zusammen. Unter anderem haben in diesem Jahr der amerikanische Secret Service, das European Cybercrime Centre (EC3) und das Industrial Control Systems Cyber Emergency Response Team (ICS-CERT) beigetragen. Insgesamt sind für den Bericht mehr als 47.000 Sicherheitsvorfälle ausgewertet worden.

"Eine ziemlich schockierende Statistik"

Ein Ergebnis dieser Untersuchung, das vor allem in den USA für Unruhe sorgt: 96 Prozent der 120 im Bericht aufgeführten Fälle von Cyberspionage können nach China zurückverfolgt werden. Dabei verließen sich die Experten nicht nur darauf, die IP-Adressen der Täter zu verfolgen, sondern glichen diese auch noch mit für chinesische Hacker typischen Angriffsmethoden und Software-Werkzeugen ab. Wer genau hinter den verbleibenden vier Prozent steckt, ließ sich nicht aufklären.

"Das ist eine ziemliche schockierende Statistik", sagte Verizon-Sicherheitsexperte Wade Baker der "Washington Post". Das gilt umso mehr als chinesische Behörden sich immer wieder gegen Vorwürfe des Westens wehren, sie würde Netzspionage im Staatsauftrag durchführen lassen. Erst vor kurzem kündigte China an, gemeinsam mit den USA eine Arbeitsgruppe für Cybersicherheit schaffen zu wollen.

Angriffe durch Insider

Die Mehrzahl der Cyberattacken, mehr als 75 Prozent, war allerdings rein krimineller Natur und finanziell motiviert. Die Täter wurden von Verizon überwiegend in den USA und Osteuropa lokalisiert. Typische Angriffsziele waren Finanzinstitute, Einzelhändler und Restaurants, aus deren Datenbeständen die Täter Konto- und Kreditkartendaten abzugreifen versuchten.

Weil offenbar auch Industriespionage ein weites Feld für Cyberkriminelle ist, richten sich 38 Prozent der Netzangriffe gegen große Unternehmen. Sehr häufig werden dabei traditionelle Phishing-Methoden verwendet. Während die Angreifer Unternehmen in der Regel von außen angehen, sind es in immerhin 14 Prozent der Fälle jedoch Insider, die sich mit Hilfe ihres Wissens Zugang zu geheimen Informationen verschaffen.

Im einfachsten Fall verwenden diese Täter sogenanntes Social Engineering, nutzen also das Vertrauen von Kollegen aus, um sich beispielsweise Passwörter zu geschützten Systemen zu verschaffen. Zwei Tätergruppen fallen auf: Zum einen jene, die innerhalb eines Monats nach ihrer Kündigung Daten abgreifen. Zum anderen ehemalige Angestellte, die über Hintertüren oder nicht stillgelegte Firmen-Accounts weiter Zugang zu den Computern haben.

Aufschwung für Phishing

Keine neue Erkenntnis, sondern eine traurige Bestätigung ist, dass 76 Prozent der Netzwerkeinbrüche nur deshalb möglich sind, weil Anwender zu schwache Passwörter verwenden oder sie sich stehlen lassen. Echtes Hacking oder der Einsatz von Schadsoftware werden nur bei etwa der Hälfte der Dateneinbrüche verwendet.

Nach Abschluss des Berichts kommt Verizon-Mann Wade Baker zu dem Schluss, dass kein Unternehmen und keine Behörde immun gegen Cyberangriffe ist. "Man muss seinen Gegner verstehen, seine Motive und Methoden kennen, dann die Verteidigung entsprechend aufbauen und immer auf der Hut sein", sagt der Experte weiter. Und damit empfiehlt er natürlich sich selbst und sein Unternehmen, denn Verizon verdient Millionen damit, Unternehmen und Behörden mit Sicherheitsdienstleistungen zu versorgen.

Dabei ist es nach wie vor am wichtigsten, die Anwender aufzuklären. Schließlich hat sich der Anteil von Phishing-Attacken im letzten Jahr vervierfacht. Ein sicheres Zeichen dafür, dass diese uralte und oft amateurhaft ausgeführte Methode zum Ausspionieren von Nutzerdaten immer noch Erfolg hat.

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insgesamt 24 Beiträge
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1. Was regt man sich auf? Wo die eigene....
joG 23.04.2013
....Regierung Industrie- und Wirtschaftsspionage im befreundeten Ausland ohne gesetzliche Grundlage betreibt und das ganze Volk jubelt? Wenn Datenklau so wenig schlimm ist? Warum die Aufregung? Das Land findet es ok.
2. Aha...
rentier75 23.04.2013
Zitat von sysopMit dem Datensicherheitsbericht von Verizon lässt sich eine Weltkarte der Cyberkriminalität zeichnen. Demnach sitzen die Spione in China, die Diebe in Osteuropa und den USA. Die Schwachstellen aber sitzen ganz woanders. Verizon-Datensicherheitsreport: Spione in China - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/verizon-datensicherheitsreport-spione-in-china-a-896051.html)
... die Schwachstellen sitzen an der Tastatur und schreiben Kommentare bei SPON. ... in der Tat, denn die Opfer von "Cyberattacken" sind all jene fleissigen und arbeitssamen Menschen weltweit die keine Zeit haben zu "Hacken" oder Schadsoftware zu programmieren. Diese Menschen wollen lediglich ihre Freizeit verlängern indem sie sich des Internets bedienen um unliebsame Tätigkeiten schnell und effektiv zu erledigen: Internetbanking, Einkaufen und schnell mal was loswerden (Facebook, SPON-Kommentare...) oder auch nur per Email jemanden zu grüssen. Das Gleiche gilt für die Arbeit, kaum einer hat wirklich "Spass" am Internet, es ist lediglich ein Werkzeug zur schnelleren Bearbeitung alltäglicher Dinge. Wo wir früher in die Bibliothek gegangen sind um etwas zu wissen klicken wir heute auf wikipedia u.a. Wir nehmen den Hammer um einen Nagel in die Wand zu schlagen, kriminelle Elemente nehmen einen Hammer um einer 90jährigen Dame den Kopf einzuschlagen um an deren Ehering zu kommen.... So ist das auch mit dem Werkzeug Internet.
3. Rumänen Schlagen Sich Wacker
henrik-flemming 23.04.2013
Kaum zu glauben, aber Rumänien und Bulgarien sind die ärmsten EU Staaten. Aber die Anzahl der Fachkräfte pro per Kapita scheint dort um einiges höher, als in China zu liegen. Nur, warum können wir diese Leute nicht in unsere normale Wirtschaft einbinden? Die EU macht irgendetwas sehr sehr falsch!
4.
Atheist_Crusader 23.04.2013
Zitat von joGDabei ist es nach wie vor am wichtigsten, die Anwender aufzuklären. Schließlich hat sich der Anteil von Phishing-Attacken im letzten Jahr vervierfacht. Ein sicheres Zeichen dafür, dass diese uralte und oft amateurhaft ausgeführte Methode zum Ausspionieren von Nutzerdaten immer noch Erfolg hat.
Aufklärung... seien wir mal ehrlich: um sich gegen die meisten Phishing-Attacken zu schützen, reicht eine Portion gesunder Menschenverstand vollkommen aus. Warum sollte mir zum Beispiel meine Kreditkartenfirma eine eMail schreiben, wenn Daten meiner Karte geklaut wurden, und mir einen Link bieten, um sie zu sperren? Wenn sie das wissen, dann könnten sie die Karte vorsorglich sperren, oder mich einfach anrufen. Das ist schließlich der normale Weg. Für wichtige Sachen verschickt man keine eMails, man schickt entweder einen brief oder lässt einen Telefonsklaven von der Kette. ...gut, was den Großteil der Skepsis ausgelöst hat war natürlich der Fakt, dass ich gar keine Kreditkarte habe, aber das sind Details ;) Aufklärung ist... nett, aber hilft nur gegen exakt die Gefahren, die die Belehrung umfasst. Also bestenfalls. Ein bisschen eigenes Mitdenken ist einfach nötig, sondern fällt der Nutzer später ganz einfach auf neue Maschen herein. Ich find's auch immer verwunderlich, was da für Leute auf solche Angriffe hereinfallen. Oft sind das die Art von Universalskeptikern, die zwar in der globalen Erwärmung eine Verschwörung der Solarzellenindustrie sehen und der Bundeskanzlerin nichtmal glauben wenn sie einen Satz mit "Guten Tag" beginnt... aaaber wenn ein anonymer Prinz aus Nigeria gerade sie als Gehilfen auswählt, um seine Reichtümer heimlich außer Landes zu schaffen, dann ist das natürlich vollkommen glaubhaft.
5. Das tut man doch
rentier75 23.04.2013
Zitat von henrik-flemmingKaum zu glauben, aber Rumänien und Bulgarien sind die ärmsten EU Staaten. Aber die Anzahl der Fachkräfte pro per Kapita scheint dort um einiges höher, als in China zu liegen. Nur, warum können wir diese Leute nicht in unsere normale Wirtschaft einbinden? Die EU macht irgendetwas sehr sehr falsch!
... und es heisst ja auch Internet und nicht Intranet. Diese Fachkräfte müsste man in Deutschland nach deutschen Tarifen bezahlen und so lässt man sie lieber da unten. Da sie aber dort auch zuwenig verdienen, verdienen sie eben ein bisschen dazu. Die Eingabetastaturen der Geldautomaten in Norwegen werden in Bulgarien produziert, dort wird die Ausschussquote in der ein oder anderen Schicht erhöht. Von dort gelangen voll funktionstüchtige Eingabetastaturen zu einem "Manipulator" (der sitzt irgendwo in einem balkanischen Dorf), von dort werden sie an die jeweiligen Gruppen in Westeuropa verteilt, diese wiederum nutzen sie um Geldautomaten anzuzapfen... den Rest kennt jeder. Das Startsperresteuergerät sitzt bei einigen Luxusautos in der Instrumententafel die wiederum auch "Made in Bulgaria" ist..... Durch die hohe Arbeitslosigkeit in diesen Ländern zusammen mit einem nicht vorhandenen Sozialsystem werden die Menschen erfinderisch, man sagt ja auch "Not macht erfinderisch!" Würde man in Deutschland sofort das HartzIV komplett streichen und keiner würde mehr Geld vom Amt bekommen, was glauben Sie was wir hier plötzlich für einen Überschuss an Fachkräften hätten. Es gibt Romagruppen die in 30- 45 min einen kompletten Baukran abbauen können, schneller als jede Firma dazu in der Lage ist, allerdings bekommen diese selten eine Anstellung bei uns weil sie weder lesen noch schreiben können. Wie erklären Sie sich ein "spurloses" Verschwinden von 8achsigen Autokranen?
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Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potentiell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.


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