Verpixelte Satellitenbilder: So kommen blinde Flecken in Googles Weltkarte
Verboten? Zensiert? Gehackt? Wenn auf Google Earth ganze Areale verschwinden, kursieren im Netz schnell Verschwörungstheorien. Dabei ist der Grund meist gar kein Geheimnis: Manchmal aktualisiert Google die Datenbank - und manchmal greift das Militär ein.
Zuletzt ist Liechtenstein von der virtuellen Landkarte verschwunden: Das Fürstentum war im Mai auf den Satellitenbildern von Google Maps plötzlich nur noch verschwommen zu sehen. Blogger Jeffrey Nigg aus Liechtenstein entdeckte die Verpixelung, schrieb einen Artikel über die angebliche Zensurmaßnahme , in den Kommentaren unter seinem Beitrag war dann zu lesen, Liechtenstein habe wohl keine Lizenzgebühren an Google gezahlt oder Finanzschieber steckten dahinter.
Die Auflösung des Rätsels war jedoch banal: Bei einer Aktualisierung der Bilddatenbank sei ein Fehler aufgetreten, erklärte eine Google-Mitarbeiterin im Liechtensteiner Google Blog. Kurze Zeit später war das Fürstentum wieder scharfgestellt.
Seit es Google Earth gibt, stellen Verschwörungstheoretiker regelmäßig wüste Theorien über mysteriöse Stellen in den Satellitenbildern des Erderkundungsdienstes auf. Mal verschwindet ein Dorf, mal versetzt ein schwarzer Balken die Nutzer in Aufregung.
Google verpixelt Aufnahmen nicht - sagt Google
Auch die "Huffington Post" berichtete kürzlich über geheimnisvolle Stellen, die Google angeblich vor seinen Nutzern verstecke. Doch diese Unterstellung lässt sich wohl kaum halten. Google macht die Aufnahmen, die bei Google Earth (und im Satelliten-Modus von Google Maps) eingebunden sind, nicht selbst; das Unternehmen bezieht sie ausschließlich von externen Anbietern.
"Wenn Orte oder Gebäude bei Google Earth verpixelt dargestellt sind, liegt das daran, dass die Original-Satellitenbilder bereits verpixelt waren", erklärte Google-Sprecher Stefan Keuchel auf Anfrage. Die jeweiligen Quellen der Satelliten- und Luftbilder sind immer am unteren Bildrand angegeben. Dort stehen - je nach Zoomstufe - Lizenzgeber wie Aerowest, GeoEye oder Aerodata.
Für einige deutsche Städte hat Google beispielsweise Luftbilder vom Dortmunder Unternehmen Aerowest lizenziert. So stammen die Aufnahmen dieser Städte auf höchster Zoomstufe von Aerowest; auf ihnen sind unter anderem sämtliche Anlagen des Chemieunternehmens BASF in Ludwigshafen detailliert zu erkennen.
Alles scharf in Deutschland
Es habe noch nie Anfragen gegeben, dass Aerowest Aufnahmen von bestimmten Stellen verpixeln solle, versichert der Geschäftsführer des Unternehmens - und Aerowest mache dies grundsätzlich nicht. Außerdem handele es sich bei Luftbildern - anders als bei höher auflösenden Fotos wie bei Google Street View - nicht um personenbezogene Daten.
In Deutschland, wo Hunderttausende Anwohner ihre Häuser auf Google Street View verpixeln ließen, sind tatsächlich kaum Stellen auf Google Earth unkenntlich gemacht. Egal ob Kernkraftwerke, Industrieanlagen, Flughäfen oder Militärstützpunkte: Fast alles ist beim virtuellen Flug über die Landschaft offen sichtbar, teils gestochen scharf.
Anders in den Niederlanden. Dort müssen Luftbilder vor Veröffentlichung vom Militär genehmigt werden, wie Fred Hagman vom belgischen Luftbildanbieter Aerodata mitteilt. Bestimmte militärische Sperrbereiche müssen auf Anweisung verpixelt werden. Die Ergebnisse muten teils recht albern an: Über dem Weltraumforschungs- und Technologiezentrum (Estec) der Europäischen Weltraumorganisation ( Esa) im holländischen Nordwijk scheint eine gigantische Wolke in Tarnfarben zu schweben, ähnlich verpixelt sind fast alle Militärflughäfen in den Niederlanden, darunter die Volkel Air Base, Deelen Air Base und Woensdrecht Air Base.
Kein Zufall also, dass der einzige derart unkenntlich gemachte Militärstützpunkt in Deutschland die Nato-Air-Base in Geilenkirchen ist - direkt an der Grenze zu den Niederlanden gelegen.
US-Gesetz verbietet hochauflösende Israel-Aufnahmen
Auch in den USA gibt es Beschränkungen: Ein US-Gesetz legt fest, dass Luftaufnahmen von Israel nur in relativ geringer Auflösung verbreitet werden dürfen. Je höher die Auflösung, desto kleinere Details sind erkennbar. "Wir können zwar hochauflösende Aufnahmen von Israel machen, müssen sie aber auf eine maximale Auflösung von zwei Metern herunterfiltern", erklärt eine Sprecherin des US-Satellitendienstes GeoEye.
Die US-Regierung ließ zudem vor allem in der Vergangenheit oft Satellitenbilder verpixeln, wenn sie die Sicherheit der Nation gefährdet sah. So war zeitweise das Weiße Haus in Washington verdeckt. Auch viele der 51 angeblich von Google auf Google Earth gelöschten Orte, die eine US-Website vor einigen Jahren zusammentrug, sind inzwischen wieder frei sichtbar.
Inzwischen setzt sich offenbar die Erkenntnis durch, dass Verbote solcher Aufnahmen nichts bringen: In der vernetzten Welt lassen sie sich nur schwer kontrollieren; zu viele Länder haben eigene Satelliten, zu viele Quellen für Satelliten- und Luftbilder gibt es. Auch ohne Google Earth kann man jederzeit an hochauflösende Aufnahmen herankommen.
Selbst detaillierte 3-D-Satelliten-Aufnahmen sind dank spezieller Software inzwischen möglich. Erst im Mai stellten Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt ein Modell vor, mit dem man virtuell über den Mount Everest fliegen kann - als säße man im Helikopter. Die Technik wird immer besser - und immer leichter verfügbar.
Deshalb hat Indien laut indischer Medien kürzlich auch die gesetzlichen Beschränkungen für Fernerkundungsdaten gelockert, die zehn Jahre zuvor eingeführt worden waren. Alle Aufnahmen mit mehr als 5,8 Metern Auflösung dürfen jetzt auch ohne vorherige Prüfung durch die staatliche Raumfahrtorganisation kommerziell verwendet werden. Und dass, obwohl die Terroristen von Mumbai ihre Anschläge im Jahr 2008 mithilfe von Google Earth geplant haben sollen.
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- Samstag, 23.07.2011 – 09:37 Uhr
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- Google Earth: Schwarzer Balken in Kanada
- Blog: Zensierung von Liechtenstein
- Google Blog Liechtenstein: Des Rätsels Lösung
- Huffington Post: 13 Places Google Doesn't Want You To See
- New York Times: Governments Tremble at Google's Bird's-Eye View
- IT Security: 51 Things You Aren't Allowed to See on Google Maps
- Indian Express: Government Eases Norms on Use of Satellite Pictures
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