Verschollener Abenteurer: Google sucht nach Fossett

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Die Internet-Giganten Amazon und Google helfen in einer gigantischen Netz-Aktion bei der Suche nach dem verschollenen Abenteurer Steve Fossett. Nutzer auf der ganzen Welt werten Satellitenbilder aus - auch SPIEGEL ONLINE machte mit.

Nevada ist der vermutlich hässlichste und langweiligste Staat der USA. Von Las Vegas abgesehen gibt es dort nichts als Staub, Fels, Gras und niedriges, von Trockenheit, Hitze und Wind ausgedörrtes Buschwerk. Eine Gegend für Atombombentests, geheime Militäranlagen und Desperados auf der Flucht.

Trotzdem starren heute weltweit Menschen auf Satellitenbilder dieser kahlen, öden Landschaft. Sie suchen nach Steve Fossett, dem Abenteurer, der mit einer einmotorigen Maschine vermutlich irgendwo im Westen Nevadas abgestürzt ist. Eine Woche ist das her - und nun sitzen weltweit Menschen vor ihren PC-Bildschirmen und suchen nach dem Millionär mit der Vorliebe fürs Extreme (siehe Fotostrecke unten).

Die Zahl der Satellitenbilder schrumpft sekündlich

In einer Art Koalition der Mächtigen haben sich Richard Branson, Fossets Freund und Sponsor, und die Internet-Giganten Google und Amazon zusammengetan, um die Suche nach dem verschollenen Abenteurer zu beschleunigen. Google hat nagelneue Satellitenbilder von der Region besorgt, in Amazons Internet-Minijob-Börse "Mechanical Turk" kann sich nun jeder freiwillige Helfer anmelden und kleine Satellitenbild-Quadrate nach Spuren eines möglicherweise abgestürzten Flugzeugs absuchen. Gut 100.000 Bilder waren am Montagvormittag noch abzusuchen, aber die Zahl schrumpft im Sekundentakt. Die Web-Welt hält Ausschau nach Fossett - "Crowdsourcing" wird diese Art der Arbeitsteilung übers Netz genannt.

Ich habe heute selbst ein bisschen mitgesucht. Eine knappe Stunde lang habe ich auf ein ödes Satellitenbild nach dem anderen gestarrt, um nach einem Objekt zu suchen, das in Form und Größe irgendwie einem Kleinflugzeug ähneln könnte. Gefunden habe ich nichts - bis auf ein paar Büsche. Aber nach 70 Bildern von graubraunen Berghängen erscheinen sogar die fast so interessant, dass man versucht ist, ein Häkchen zu setzen bei der Einschätzung: "Dieses Bild enthält fremde Objekte, die man sich genauer ansehen sollte".

Andere waren bei der Internet-Vermisstensuche schon erfolgreicher: Im "Google Earth Blog" unterhalten sich freiwillige Fossett-Sucher über ihre Entdeckungen und verlinken Bilder von Objekten, die zum Teil wirklich sehr nach Flugzeug aussehen. Was aber nichts heißen muss: Seit Fossetts Verschwinden sind bei den Suchanstrengungen, die nicht nur per Satellitenbild, sondern auch mit Flugzeugen und Hubschraubern vorangetrieben werden, bereits sechs bislang unentdeckte Flugzeugwracks an den Berghängen Nevadas gefunden worden. Der hässliche Staat muss voll sein mit den skelettierten Überresten abgestürzter Piloten.

Schneller als je ein Mensch zuvor

Fossett verschwand am vergangenen Montag. Seit einer Woche laufen nun also die Suchaktionen. Das Gelände, in dem die Absturzstelle vermutet wird, ist 44.000 Quadratkilometer groß, das entspricht in etwa der Fläche Niedersachsens. Fossett war diesmal eigentlich gar nicht auf Abenteuer aus: Er startete von einer Ranch im Westen Nevadas, um die Gegend nach einem geeigneten Terrain für seinen nächsten Rekordversuch abzusuchen. Mit einem raketengetriebenen Auto wollte er schneller fahren als je ein Mensch zuvor.

Richard Branson, der gemeinsam mit "Freunden bei Google" an der Organisation der Suchaktion beteiligt war, macht sich Sorgen um Fossett. Er habe ihm von dem Raketenauto-Rekordversuch abgeraten, weil das eine sehr riskante Aktion sei, sagte Milliardär Branson dem kanadischen Fernsehen. Branson verglich Fossett mit Lawrence von Arabien, der bei einem Motorradunfall ums Leben kam, nachdem er in den Wüsten der arabischen Welt vielfach sein Leben riskiert hatte: "Wenn Sie sich die Geschichte von Abenteurern ansehen, sind es oft die einfachen Dinge, die ihnen Probleme bereiten."

Vielleicht führt die Satellitenbild-Suche ja tatsächlich zu einem Ergebnis. Der erste derartige Versuch ist allerdings gescheitert: Als der Microsoft-Wissenschaftler Jim Gray vor einigen Monaten mit seiner Yacht im Pazifik verschwand, wurde eine ähnliche Aktion gestartet - ohne Erfolg. Gray gilt bis heute als vermisst.

Nachtrag: In der Zeit, die die Entstehung dieses Textes in Anspruch genommen hat, hat die Netzgemeinde über 3000 Satellitenbilder unter die Lupe genommen. Fossetts Flugzeug scheint bislang aber keiner entdeckt zu haben.

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