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Versehentlich: Schrottdiebe kappen Internetverbindung nach Deutschland

Rund zehn Stunden ging in der letzten Woche kaum etwas zwischen Asien und Deutschland: Bulgarische Metalldiebe durchtrennten irrtümlich ein Glasfaserkabel und unterbrachen den Datenfluss. Der Vorfall blieb nur deshalb ohne zu große Konsequenzen, weil die Diebe nachts tätig wurden.

Glasfaser: Die schnelle, dünne Leitung ist auch schnell gekappt Zur Großansicht
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Glasfaser: Die schnelle, dünne Leitung ist auch schnell gekappt

Sofia - Ein Trio bulgarischer Schrotthändler hat eine zentrale Internetverbindung zwischen Deutschland und Asien gekappt. Der Datenstrom sei in der Nacht vom vergangenen Mittwoch auf Donnerstag für zehn Stunden unterbrochen gewesen, teilte das bulgarische Innenministerium in Sofia am Montag mit. Die drei Männer hatten demnach in der Stadt Jambol im Südosten des Landes im Boden nach Metallkabeln gegraben, um diese weiterzuverkaufen.

Dabei durchtrennten sie ein Glasfaserkabel, das unter anderem für die Übermittlung von Bankdaten zwischen Deutschland und Asien genutzt wird. Die drei Männer seien am Montag festgenommen worden. Der Schaden beläuft sich ersten Schätzungen zufolge auf 900.000 Euro.

Der Diebstahl der Metallkabel von Telefonanbietern, Eisenbahnen oder Stromanbietern ist in Bulgarien weit verbreitet. Meist stecken Schrotthändler hinter den Delikten. Die Regierung in Sofia versucht, den um sich greifenden Diebstahl mit einer schärferen Regulierung der Schrotthändler-Branche zu bekämpfen.

Internetausfälle wegen gekappter Kabel sind nicht selten: Die digitale Infrastruktur hängt zum Teil an höchst filigranen Verbindungen. Kompliziert wird das, wenn eines der wenigen Unterseekabel durch Umwelteinflüsse, Schleppanker oder -netze oder Sabotage beschädigt wird: Das Gros des weltweiten Datenverkehrs geht heute über solche Unterseeverbindungen.

Bei den wichtigsten Verbindungen haben die Infrastrukturunternehmen mittlerweile redundante Strukturen aufgebaut: So gibt es die Hauptverbindungen zwischen Nordamerika und Europa in einer geografisch deutlich voneinander getrennten doppelten Schlaufe, was Totalausfälle verhindern soll. Auch Leitungsunterbrechungen wie die in Bulgarien lassen sich in der Regel abfangen, indem man den Datenfluss zeitweilig anders umleitet.

Engpässe sind in solchen Fällen allerdings unvermeidlich. Zwar gibt es bei der Infrastruktur Überkapazitäten, doch die werden durch den ständig steigenden Datenumsatz immer wieder aufgefressen - es ist ein Wettlauf zwischen den Kabellegern und dem steten Anstieg der Netzwerk-Nutzung. Bis 2014, prognostizierte kürzlich das Unternehmen Cisco, einer der wichtigsten Player auf dem Markt, werde sich das Datenvolumen gegenüber heute noch einmal vervierfachen.

pat/AFP

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