Verstorbener King of Pop Jacksons Tod bewegt und bremst das Netz

So viele Klicks - das muss ein Hackerangriff sein. Nachdem Web-Seiten den Tod Michael Jacksons meldeten, klickten so viele Menschen Google News USA an, dass die Software von einer Attacke ausging und automatisch Sicherheitssperren aktivierte. Vielerorts verlangsamte sich das Netz auf Zeitlupentempo.


Am schnellsten war ein Internet-Portal: In den Vereinigten Staaten meldete zuerst die Prominenten-Klatsch-Seite TMZ.com, dass Michael Jackson gestorben ist. "Wir haben einen Hinweis bekommen", sagte Harvey Levin, Chefredakteur des zu AOL gehörenden Dienstes. Levin: "Wir hätten es nicht gebracht, wenn wir nicht sicher gewesen wären." Dann bestätigten die "Los Angeles Times" und die Nachrichtenagentur AP die Meldung. Die "LA Times" war kurz darauf im Netz erst einmal nicht mehr zu erreichen.

Die Google-Technik betrachtete die heftige Nachfrage nach Michael Jackson zunächst als einen koordinierten Hacker-Angriff. Als Schutzmaßnahme mussten Nutzer des Dienstes Google News etwa eine halbe Stunde lang einen "Captcha"-Check absolvieren, also eine angezeigte Buchstaben-Ziffernfolge eingeben, ehe die News-Ergebnisse der Michael-Jackson-Anfrage angezeigt wurden. Das Hauptangebot der Google-Suche sei nicht betroffen gewesen, sagte Google-Sprecher Gabriel Stricker.

Das Monitoring-System von Akamai für den "Net Usage Index" stellte fest, dass der Datenverkehr von Nachrichtenseiten im Web um 50 Prozent nach oben schnellte.

"Venturebeat" berichtet unter Berufung auf den Traffic-Monitoring-Spezialisten Keynote Systems dass eine Vielzahl US-amerikanischer Nachrichtenseiten deutlich messbar langsamer wurden: ABC, AOL, LA Times, CNN Money und CBS seien, nachdem sich die Nachricht von Jacksons Tod verbreitet hatte, deutlich langsamer geworden, Ladezeiten hätten sich von im Schnitt vier auf im Schnitt neun Sekunden erhöht.

Jackson dominierte auch das Twitter-Rauschen - mehr Tweets pro Sekunde zu einem Thema gab es zuletzt bei der Wahl von Barack Obama im November 2008. "Wir haben mehr als doppelt so viele Tweets pro Sekunde erlebt, als die Nachricht rauskam und die Leute ihren Schmerz und ihre Erinnerungen teilen wollten", schrieb Twitter-Mitbegründer Biz Stone in einer E-Mail. Zu diesen Leuten gehörten auch prominente Twitter-Nutzer wie Lindsay Lohan, Ashton Kutcher, John Mayer und Ryan Seacrest.

In Apples Online-Musik-Shop iTunes Store eroberte Jacksons Album "Thriller" innerhalb weniger Stunden den ersten Platz unter den am häufigsten heruntergeladenen vollständigen Alben. YouTube verzeichnete eine starke Nachfrage nach Videos mit Michael Jackson, während bei Facebook Mahnwachen und Online-Gedenkaktionen organisiert wurden.

Anmerkung der Redaktion: Der britische Außenminister Miliband hat sich - anders als zunächst berichtet - nicht per Twitter zum Tod Jacksons geäußert. Laut Außenministerium handelt es sich bei der entsprechenden Twitter-Meldung um eine Fälschung. SPIEGEL ONLINE hat die entsprechende Passage entfernt.

lis/AP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.