Verstoß gegen Nutzungsbedingungen PayPal sperrt Datenschutz-Dienst aus

PayPal geht gegen Dienste vor, die beim Versand illegaler Dateikopien nützlich sein könnten und friert das Konto des deutschen Verschleierungsdienstes GT Guard ein. Mit dem Angebot lässt sich die IP-Adresse beim Datentausch verschleiern - beim legalen ebenso wie beim illegalen.

PayPal-Logo: Der Online-Bezahldienst entscheidet selbst, an wen er Geld weiterleitet
REUTERS

PayPal-Logo: Der Online-Bezahldienst entscheidet selbst, an wen er Geld weiterleitet


Der Online-Bezahldienst PayPal hat dem deutschenVerschleierungsdienst GT Guard den Geldhahn abgedreht, das hat GT-Guard-Gründer Michael van Golden per Mail SPIEGEL ONLINE bestätigt: "Ich wurde aus heiterem Himmel von PayPal suspendiert."

GT Guard ist ein Bezahldienst der Firma GT Network. Einzige Bezahlmöglichkeit war bislang PayPal. Das wird GT-Network-Gründer van Golden nun ändern müssen: Mit dem Zahlungsstopp steht der Dienst vor dem Aus. Das verbleibende Geld auf dem PayPal-Konto ist eingefroren und damit zunächst außer Reichweite von van Golden. Gerade mal 180 Euro blockiert PayPal - "meine Firma ist ja kein Großverdiener", sagt der Gründer. "Ich bin auf der Suche nach Alternativlösungen. Da es sich aber um einen VPN/Proxy handelt, gestaltet sich das schwieriger, als ich dachte." Seine Kunden würden am liebsten mit PayPal zahlen, da es weit verbreitet und leicht zu handhaben sei.

Grund für den Zahlungsstopp ist laut einer Mail des "Brand Risk Management"-Teams von PayPal (liegt SPIEGEL ONLINE vor), dass van Golden mit GT Guard gegen die PayPal-Nutzungsbedingungen verstoßen habe und sein Konto deswegen dauerhaft "eingeschränkt" bleibe: "Gemäß der Nutzungsrichtlinien ist für das Akzeptieren von Zahlungen für Filesharing-, BitTorrent- und Usenet-Webseiten sowie für Newsgroups und ähnliche Dienste die vorherige Genehmigung durch PayPal erforderlich."

PayPal will Online-Dienste vorab genehmigen

Offenbar fällt GT Guard in das BitTorrent-Raster: GT Guard verschleiert den Bittorrent-Datenverkehr seiner Kunden, damit diese Bittorrent-Sperren ihrer Internetanbieter, staatliche Online-Zensur und Privatsphärenprobleme beim öffentlichen Filesharing umgehen können. GT Guard dürfte auch als Sicherheitsvorkehrung beim Tausch unrechtmäßiger Kopien gelten, als Abmahnschutz von Medienpiraten. GT Guard hat sich offenbar vor Inanspruchnahme der Dienste nicht von PayPal "genehmigen" lassen und wurde deswegen gesperrt. Van Golden sieht sich ungerechtfertigt abgewürgt: "Ich komme mir ungerecht behandelt vor, denn die Begründungen sind immer 'Filesharing', was ich nicht mache"; zudem würden andere Internet-Dienste ähnlich funktionieren wie GT Guard und keine Probleme mit PayPal haben.

PayPal wehrt sich immer stärker dagegen, als Dienstleister Zahlungen für umstrittene Internet-Dienste abzuwickeln - insbesondere für Filesharing-Angebote. Seit einiger Zeit verlangt PayPal deswegen von solchen Diensten, dass sie sich von PayPal durchleuchten lassen müssen, bevor sie ihre Finanzdienste in Anspruch nehmen können. PayPal will wissen, wie sich solche Dienste vor illegalen oder illegitimen Nutzungsweisen schützen, wie diese Schutzmaßnahmen genau aussehen. Der US-Zahlungsabwickler will uneingeschränkten, kostenlosen Zugriff auf die Dienstleistungen - wohl, um sich selbst ein Bild davon machen zu können.

Obwohl van Golden PayPal vollen Zugriff auf seinen Dienst einräumte und telefonisch erklärte, nur ein "Sicherheitsdienstleister" zu sein, beharrte PayPal auf der Sperre. Wie es nun weitergeht, ist unklar. Eine Stellungnahme kündigte PayPal gegenüber SPIEGEL ONLINE für den Nachmittag an.

Anmerkung: Recherchen haben ergeben, dass das britische Unternehmen GT Network Limited Online-Foren betreibt, in denen anscheinend Torrent-Dateien veröffentlicht werden. Diese Firma ist laut Handelsregister auch Gesellschafter des deutschen Betreibers von GT Guard. Michael van Golden sagt dazu, er sei "technisch gesehen" der Teilhaber der Torrent-Forenseiten. Er betont, dass Paypal auf den Torrent-Seiten nicht eingesetzt wurde.

fko



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