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Vertan, vertan: RIAA verklagt rechnerloses Rentnerpaar

Die Klagewelle gegen P2P-Nutzer in den USA rollt weiter. 41 neue Anklagen bringen die Gesamtzahl der Prozesse auf 382 Fälle. Doch auch die Zahl der peinlichen Fehler steigt.

Klagen gegen P2P-Nutzer haben in den Medien mittlerweile einen ähnlichen Stellenwert wie Berichte über BSE-Kühe: Die ersten Fälle waren Sensationen, die nächsten noch interessant, die neuesten werden kaum mehr berichtet. Dass die amerikanische Musikindustrie in Klagewellen Nutzer vor den Kadi zerrt, ist inzwischen ein alter Hut. Man hat sich daran gewöhnt, zumal die ursprünglich anvisierten aberwitzigen Geldforderungen längst zugunsten von realistischeren außergerichtlichen Einigungen abgelöst wurden.

Die ersten 220 Fälle sind verhandelt und endeten samt und sonders mit Einigungen, die den verklagten Tauschbörsen-Nutzern mit 2500 bis 7500 Dollar pro Person noch teuer genug zu stehen kamen. Davon, dass die Medien all das kaum mehr interessiert, will sich die Musikindustrie-Lobby RIAA aber nicht desillusionieren lassen: Die RIAA, sagte deren Chef Cary Sherman in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP, werde trotzdem weitermachen.

Und lässt den Worten Taten folgen: 41 frische Klagen sind nun gerichtsanhängig, und mit zumindest einer davon gelingt es der RIAA wieder, Schlagzeilen zu machen.

Ernest Brenot ist 79 und lebt im US-Bundesstaat Washington. Ihm wird vorgeworfen, über eine P2P-Börse insgesamt 774 Lieder zum Tausch angeboten zu haben. In seinem reichhaltigen Angebot fanden sich unter anderem Werke von Creed, Linkin Park und Guns 'n' Roses.

Gerade das empört den Rentner und seine Frau: Die verwahren sich schärfstens dagegen, solchen "Müll" zu hören, geschweige denn über das Internet zum Tausch anzubieten.

Das, sagt Brenot, fiele ihm auch deshalb schwer, weil er weder über einen Internetanschluss noch über einen Computer verfüge. Das Ganze sei ein Irrtum, nur habe er keine Ahnung, wie er das beweisen solle.

Peinliche Panne

Denn seine im Oktober erfolgte Abmahnung wie die nun eingereichte Klage beruhen auf der Abrechnung seiner Kabelfernseh-Gesellschaft. Über die, sagt Bernot, habe sein vorübergehend und nur kurz bei ihm lebender Schwiegersohn einen zweiten Account unterhalten, der von der Gesellschaft aber nicht abgerechnet worden sei, sondern seiner Rechnung zugeschlagen wurde.

Die Riaa kann all das nicht wirklich freuen: In die Presse schafft sie es mit ihrer Kampagne vor allem dann, wenn ihr offensichtliche Fehler unterlaufen. Klagen gegen 12-Jährige und gegen computerlose Rentner gab es schon zuvor: Nach Auskunft der RIAA sollten aber gerade solche Personen nicht Ziel der Kampagne sein.

Im Visier hat die RIAA vielmehr Menschen, die außergwöhnlich viele Dateien zur Weiterverbreitung anbieten. Die Klagen sollen die P2P-Börsen über kurz oder lang austrocknen, indem sie deren Nutzer abschrecken, selbst zum aktiven Anbieter zu werden. Zwischenzeitlich zeigte die Strategie Erfolg, als beispielsweise KaZaA Einbrüche von bis zu 20 Prozent erlebte. Inzwischen hat das Tauschaufkommen fast wieder den Stand erreicht, den es im Frühsommer, vor den ersten Klagen, hatte.

P.S.: Im laufenden Jahr wurden in Deutschland bisher 49 BSE-Fälle bekannt.

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