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Nachrichten hautnah: Das verspricht die neue Reportage von "Vice News"

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Die ersten Virtual-Reality-Reportagen sind kostenlos im Netz verfügbar. Das Magazin "Vice News" hat zum Beispiel eine Dokumentation aus New York mit einer 360-Grad-Kamera aufgenommen. Wer keine entsprechende Brille hat, kann den Film auch auf dem Smartphone abspielen.

Wer die Reportage von "Vice News" schaut, landet mitten im Film. Virtual-Reality-Brille an, Video ab - und schon stehe ich auf einem Platz in New York, hinter mir schreien Männer. Ich drehe mich um, das Bild dreht sich mit. Jetzt sehe ich die Männer, es sind Demonstranten, sie stampfen, sie schreien auf Englisch: "Ich kann nicht atmen, wenn ich euch im Nacken habe!"

Der Film "Vice News VR: Millions March" zeigt die Proteste gegen die New Yorker Polizeigewalt am 13. Dezember 2014. Zehntausende Menschen gingen damals auf die Straße. Im Sommer zuvor waren Michael Brown und Eric Garner bei Zugriffen der Polizei getötet worden, beide waren schwarz, beide unbewaffnet. Der Regisseur Chris Milk hat die Proteste für das Onlinemagazin mit einer 360-Grad-Kamera gefilmt. Der Zuschauer kann sich im Kreis drehen und genau umschauen, sogar der Himmel und der Boden lassen sich betrachten.

Die Reportage lässt sich kostenlos über die App VRSE für iOS und Android herunterladen. Am Wochenende wurde sie auf dem Sundance Film Festival präsentiert, dahinter steht die von Milk mitbegründete neue Produktionsfirma VRSE, die sich auf Virtual-Reality(VR)-Filme spezialisieren will.

Reise in ein syrisches Flüchtlingslager

Um Nachrichtenwert zu haben, kommt die Reportage einige Wochen zu spät. Das Beeindruckende aber ist die Technik dahinter - und das 360-Grad-Erlebnis. Die Bilder vermitteln dem Zuschauer das Gefühl, den Menschen im Film ganz nah zu sein. Der Sound kommt in Stereo durch die Kopfhörer. Die Schreie der Demonstranten von vorne und hinten, von rechts und links lassen sich deutlich unterscheiden.

Und es gibt bereits eine weitere Dokumentation, die über VRSE erhältlich ist: Sie berichtet von der zwölfjährigen Sidra aus Syrien, die im Flüchtlingslager Zaatari in Jordanien wohnt. Der Zuschauer findet sich im Wüstensand inmitten der Zelte wieder; er steht mit Sidra im provisorischen Klassenzimmer, umgeben von ihren Klassenkameradinnen; er begleitet Sidra auf einen Sportplatz, wo sie mit anderen Mädchen Fußball spielt. Es lohnt sich, den Film mehrmals zu schauen, um die Umgebung genauer zu erkunden.

VR-Brille selbst basteln

Für das besondere Erlebnis sind einige Vorbereitungen nötig. Die über die VRSE-App verfügbaren Filme sind ein Gigabyte groß, der Download dauert selbst mit einer W-Lan-Verbindung sehr lang. Wer keine Virtual-Reality-Brille hat, kann die Reportage wie ein normales Video auf seinem Smartphone abspielen. Um sich umzuschauen, muss der Zuschauer einfach das Smartphone bewegen.

Die perfekte Illusion schafft hingegen nur eine entsprechende Brille. Die können sich die Nutzer mit ihrem Smartphone und einem passenden Gestell selbst basteln. Eines der preiswertesten Gestelle ist das Cardboard von Google, es besteht aus Pappe. Deshalb ist es auch ein wenig wacklig und muss mit Vorsicht behandelt werden.

Mehrere Entwickler arbeiten derzeit an VR-Brillen, so gibt es die Oculus Rift oder die Samsung Gear VR. Regisseur Chris Milk hat über die App VRSE bereits drei weitere Filme im VR-Format angekündigt.

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  • AP/dpa
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