Video-Portal Vimeo Zahlen statt bezahlt werden

Neben Googles Video-Plattform YouTube will sich Vimeo als Anlaufstelle für hochwertige Clips empfehlen. Firmen und Filmemacher müssen für Extra-Dienste zahlen. Die Seite will so auf Qualität setzen - und nun in Europa wachsen.

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Keine aufdringliche Werbung, wenig Trash: Die vor acht Jahren gegründete Video-Plattform Vimeo ist so etwas wie der Gegenentwurf zu YouTube. Das New Yorker Unternehmen setzt auf Filmemacher, die ihre eigenen Clips im Netz präsentieren wollen - und will keine Fernseh-Resterampe oder Halde für spontane Handy-Homevideos sein. Vimeo soll Qualität anziehen und setzt dafür auf aktuelle Technik. Als eine der ersten Plattformen bot sie HD-Videos und einen HTML5-Player an.

Elf Millionen registrierte Nutzer zählt der Dienst, rund 70 Millionen Besucher kommen im Monat auf die Seite. Zum Vergleich: YouTube besuchen monatlich mehr als 800 Millionen einzelne Nutzer.

Der Abstand soll jetzt etwas kleiner werden, Vimeo will in Europa wachsen. Bald soll das Portal auch in Spanisch, Deutsch und Französisch verfügbar sein. "Wir wollen so in Europa bekannter werden", sagte Produktentwickler Blake Whitman im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Ein Büro in London wurde bereits eröffnet.

Geld verdienen will das Unternehmen mit Mitgliedsbeiträgen und sparsam eingesetzten Anzeigen. Die Plattform setzt auf ein sogenanntes Freemium-Modell: Eine Basisversion ist kostenlos, Extras wie mehr Speicherplatz oder ausführliche Statistiken kosten umgerechnet rund 46 Euro im Jahr. Wie viele der registrierten Vimeo-Nutzer zahlen und so den Betrieb mitfinanzieren, will Whitman nicht sagen.

Community regelt sich weitgehend selbst

Rechnet sich Vimeo denn? Will er auch nicht sagen, erst mal soll es um Wachstum gehen. Hinter Vimeo steht mit InterActiveCorp die Internetfirma von Barry Diller, dem ehemaligen Chef des Filmstudios Paramount. Zu den mehreren Dutzend Websites im Firmenreich gehören Dating-Portale, die Ratgeberseite ask.com und das Wörterbuch dictionary.com. Mit seinen Online-Geschäften setzte IAC im ersten Quartal dieses Jahres rund 640 Millionen Dollar um und wies einen Gewinn aus.

Zur zweiten großen Video-Plattform neben YouTube soll das Unternehmen weitgehend so wachsen wie bisher schon: ohne große Werbung. Videos und Funktionen sollen Nutzer anziehen. Ohnehin setzt das Unternehmen mit seinen mehr als 50 Mitarbeitern, die vor allem im Hauptquartier in New York arbeiten, auf die Nutzer. Denn als verhältnismäßig kleine Firma kann Vimeo keine Scharen von Mitarbeitern damit beschäftigen, auf der Plattform nach missliebigen Inhalten zu suchen und auf die Meldungen der Nutzer zu reagieren.

"Bei uns macht das die Community weitgehend selbst", sagt Whitman. Damit das so bleibt, muss die Community mitwachsen. Vimeo ist optimistisch, dass das gelingen kann. Und weil ausdrücklich nur Filmemacher Clips auf die Plattform stellen sollen, spart sich die Firma auch Verhandlungen mit Rechteverwertern wie der Gema. Ob und wie Musik lizenziert werden müsse, obliege den Uploadern. "Wenn wir eine Nachricht kriegen, dass ein Video Rechte verletzt, dann sperren wir das", sagt Whitman. Das US-Unternehmen unterliegt dem Digital Millennium Copyright Act, vorab müssen die Clips nicht geprüft werden.

Kreative schätzen den schlichten Auftritt

Vor allem hält Vimeo die Videos seiner Nutzer frei von Bannern, Buttons und Werbung. Andere Clip-Plattformen schalten zur Finanzierung ihrer kostenlosen Dienste vor dem eigentlichen Video bis zu 30 Sekunden lang Werbung. YouTube blendet außerdem Werbebanner in die Clips ein und ermöglicht Textlinks im laufenden Video. Vimeo verzichtete bei seinem Player schon früh auf allzu viele Schaltflächen und grafische Elemente - und wurde so schnell zum Liebling von Designern, die den schlichten Auftritt dem marktschreierischen YouTube vorziehen.

Während Googles Video-Zirkus YouTube einige ausgewählte Nutzer an den Werbemillionen beteiligt, müssen kommerzielle Nutzer bei Vimeo sogar noch mehr zahlen als Plus-Kunden. Ein Business-Account kostet 200 Dollar pro Jahr, zunächst richtet sich das Angebot an kleinere Firmen. Künftig sollen weitere Bezahlangebote hinzukommen.

Besonders stolz sind Whitman und seine Kollegen auf das Vimeo-Festival, bei dem Anfang Juni die besten nichtkommerziellen Clips gekürt werden. Beim ersten Festival vor zwei Jahren gewann der Designer Onur Senturk - und wurde daraufhin von Paramount beauftragt, an Grafiken für "Transformers: Dark Side of the Moon" zu arbeiten. Seitdem hat er unter anderem an der Titelsequenz von "The Girl with the Dragon Tattoo" und "Final Destination 5" gearbeitet. Einige seiner Arbeiten stehen auf Vimeo - als Aushängeschild für die Art von Nutzern und Videos, die Vimeo anziehen will.

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Last Ninja 21.05.2012
1. Das einzige Problem
Vimeo hat sich bei Designern etabliert und steht auch wirklich für hochwertigere Videos. Da gibts also eher keine verwackelten Handyvideos von Toren bei Fussballspielen zu sehen. Das Problem ist nur, dass man auf so eine Seite ja Videos stellt, damit sie gesehen werden. Und da ist Youtube klar besser. Da ist der Faktor oft weit als 10x größer. Und wenn ich sehe dass ein Video bei Vimeo 500 Klicks hat, dasselbe bei YT aber 30.000 dann ist das bei Vimeo am Ende doch irgendwie nur ne "nette Sache, wenn das Video auch dort zu finden ist"...
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