Vize-Mail als Download Hacker knackt Sarah Palins E-Mail-Konto

Ein anonymer Hacker hat das Passwort zu Sarah Palins privatem E-Mail-Account herausgefunden - und in ein öffentliches Forum gestellt. Jetzt ermittelt das FBI. Palin aber muss erklären, warum sie Regierungsmails von einem Yahoo-Account aus verschickte.


Der private E-Mail-Account von John McCains Vize-Kandidatin Sarah Palin wurde von einem Hacker geknackt - und einige der Mails sind nun öffentlich zugänglich. Sehr brisantes Material ist zwar offenbar nicht dabei - peinlich könnte die Sache für Palin dennoch werden. Denn sie benutzte einen privat angelegten Yahoo-Account für Geschäftspost, und das verstößt gegen US-Richtlinien. Schon vor dem Hack waren Palin und ihr Stab in die Kritik geraten, weil sie private E-Mail-Adressen für Geschäftskorrespondenz benutzten.

Kandidatin Palin: Ärger wegen gehacktem E-Mail-Konto
AFP

Kandidatin Palin: Ärger wegen gehacktem E-Mail-Konto

Die "Washington Post" zitierte am 10. September einen Anwalt mit den Worten: "Es gibt einen Grund, warum die Gouverneurin ihre offiziellen E-Mail-Kanäle benutzen sollte, nämlich Sicherheit und Verschlüsselung." Der Anwalt, der eine ehemalige Palin-Vertraute vertritt, die nun zur Palin-Kritikerin geworden ist, fügte hinzu: "Sie führt Staatsgeschäfte von Yahoo aus?" Auch die "New York Times" griff das Thema auf - und bekam von einem Mitglied von Palins Stab die Bestätigung, dass der innere Kreis um die Kandidatin private Mail-Adressen für offizielle Korrespondenz benutzt.

Die Plattform Wikileaks, die am gestrigen Mittwoch eine Datei mit Screenshots aus dem gehackten Palin-Account zum Download anbot, rechtfertigte das Vorgehen ebenfalls mit Palins eigentümlichen E-Mail-Gewohnheiten: "Gouverneurin Palin ist in die Kritik geraten, weil sie private E-Mail-Accounts benutzt, um Regierungsgeschäfte zu führen, und somit Transparenz-Gesetze verletzt", hieß es in einer Mitteilung auf der Web-Seite. "Die Liste ihrer Korrespondenz in Verbindung mit dem Account-Namen scheint diese Kritik zu bestätigen."

Es sind Untersuchungen gegen Palin und ihr Umfeld anhängig, weil sie angeblich Vetraute mit gut dotierten Posten belohnt hat und die Entlassung ihres Ex-Schwagers aus seiner Anstellung bei den Alaska State Troopers betrieben haben soll. Im Rahmen der Untersuchungen wurden einstweilige Verfügungen erwirkt, um Zugriff auf E-Mail-Korrespondenz zu bekommen - die aber beziehen sich nur auf die offiziellen Kanäle. Auch der Regierung Bush ist in der Vergangenheit bereits vorgeworfen worden, private Mail-Adressen zu benutzen, um die Gesetze über öffentliche Unterlagen zu umgehen.

"Wired" zitiert mehrere Betreffzeilen aus dem gehackten Mailaccount, die nahelegen, dass es tatsächlich um offizielle Themen ging. Eine Mail von ihrem stellvertretenden Stabschef Randall Ruaro trage den Betreff "Entwurf des Briefes an Gouverneur Schwarzenegger", eine weitere den Betreff "Nominierungen fürs Berufungsgericht". Eine weitere Nachricht betrifft offenbar den Wahlkampf von Palins Kollegen Sean Parnell, der in den Kongress gewählt werden möchte.

Eine Nachricht von ihrem Stabschef Michael Nizich dreht sich laut Betreff um Möglichkeiten die "Spritkosten für Bewohner Alaskas zu senken", eine weitere um eine "VERTRAULICHE Ethik-Frage".

Das FBI ermittelt gemeinsam mit dem Geheimdienst

Kein Zweifel besteht darüber, dass das Eindringen in den E-Mail-Account gegen das Gesetz verstößt - die Bundespolizei FBI hat bestätigt, dass man begonnen hat, den Vorfall im Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst zu untersuchen. Palins Wahlkampfleiter Rick Davis veröffentlichte eine Stellungnahme: "Dies ist eine schockierende Verletzung der Privatsphäre der Gouverneurin." Man habe die Angelegenheit den Behörden übergeben und hoffe "dass alle, die an diese E-Mails gekommen sind, sie vernichten werden."

Gehackt wurde das Konto offenbar von einem Teilnehmer des Unterforums "/b/" der berüchtigten Web-Boards "4Chan". Der Täter prahlte Berichten zufolge mit seinem Erfolg und postete dann, als andere Teilnehmer Unglauben ausdrückten, das Passwort. Kurz darauf änderte offenbar einer der Forumsteilnehmer das Passwort und benachrichtigte ein Mitglied von Palins Stab.

Aus dem Forum ist auch die Anti-Scientology-Bewegung "Anonymous" hervorgegangen. Es ist unklar, ob Anonymous auch für den Palin-Hack verantwortlich ist - was nicht zuletzt damit zusammenhängt, dass die Gruppierung keine feste Struktur hat und jeder jederzeit behaupten kann, ihr anzugehören. Der Autor der E-Mail an die Palin-Mitarbeiterin identifizierte sich offenbar als Anonymous-Vertreter. Dem widersprach ein "Sprecher" von Anonymous in einem Web-Forum. Er gab an, man habe nichts mit der Sache zu tun.

Inzwischen sind anscheinend sowohl der gehackte Account gov.palin@yahoo.com als auch der Account gov.sarah@yahoo.com gesperrt worden.

cis



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