Voice of America Mit Webservern gegen die Zensur in China

Die Voice of America, Radio-Relikt des Kalten Krieges, hat eine neue Aufgabe gefunden. Der Sender will durch den Aufbau eines dezidierten Servernetzes Chinas Web-Zensur unterlaufen.


Ja, es gibt sie noch, die Voice of America (VOA), den einst als Stimme der Freiheit gegründeten Auslandsrundfunk der USA, der mit dem Ende des Kalten Krieges seine primäre Aufgabe verlor: den Ostblock zu destabilisieren. Der ehemalige Propagandasender überlebte in stark abgespeckter Form - und besinnt sich nun auf seine Wurzeln. Einmal mehr will er Eingreifen in die Medienpolitik, in die Zensur eines Landes, dem die USA nicht unbedingt freundlich gegenüber stehen. Und erstmals tritt der Radiosender nicht als Inhalte-Anbieter, sondern als Hardware-Händler auf.

Denn die USA wollen chinesischen Internetnutzern nun helfen, die Blockadepolitik ihrer Regierung im weltweiten Datennetz zu unterwandern. Die Muttergesellschaft des US-Auslandssenders will den Aufbau eines Servernetzes finanzieren, das es Chinesen erlauben würde, ohne Wissen der Behörden gesperrte Webseiten wie etwa von Amnesty International zu besuchen, berichtete die "New York Times" am Donnerstag.

Die VOA-Muttergesellschaft International Broadcasting Bureau sei in fortgeschrittenen Gesprächen mit der kalifornischen Computerfirma Safeweb, die auch schon Gelder vom Geheimdienst CIA erhielt. Nach Angaben der Zeitung würde Safeweb mit den Regierungsgeldern ein dutzend neuer "Privatsphären-Server" aufbauen und speziell für den chinesischen Markt ausrüsten. Die Technik täuscht elektronische Filter und Sperren, indem sie ihnen vorspiegelt, dass die Informationen nicht von einer verbotenen, sondern von einer "harmlosen" Webseite kommen.



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