Vom Fernsehen zum Podcast WDR-Computerclub ist auferstanden

Als der legendäre WDR-Computerclub 2003 abgesetzt wurde, protestierten die Fans der TV-Sendung vergeblich. Die altgedienten Moderatoren, Wolfgang Back und Wolfgang Rudolph, haben das Aus nie so recht verwunden. Jetzt wagen sie einen Neustart des Computerclubs als Podcast.

Von Helmut Merschmann


Diesmal werden sie zum Abschied nicht die Daumen in die Höhe recken. Mit dieser Geste hatten sich die beiden „WDR Computerclub“-Moderatoren, Wolfgang Back und Wolfgang Rudolph, zwanzig Jahre lang von ihrem Publikum verabschiedet. Bis 2003 an höherer Stelle der Daumen gesenkt und die Sendung abgesetzt wurde. Alle Proteste und Online-Petitionen brachten keinen Erfolg. Durch die Fan-Gemeinde ging damals ein verzweifeltes Raunen. Sie hatten die beiden Wolfgangs lieb gewonnen und sich längst an den hölzernen Stil ihrer Moderation gewöhnt.

Back (links), Rudolph: "Erst die 486er bei der Telekom abgeben"
Wolfgang Kloiber

Back (links), Rudolph: "Erst die 486er bei der Telekom abgeben"

Die karge Studiokulisse des „Computerclub“ versprühte stets den Charme einer Werkbank. Daran zerlegten die beiden Computerprofis, die immer ein wenig an Pat und Patachon erinnerten, so manchen Heimcomputer in seine Einzelteile. Alles was die Computerei in jenen Jahren beschäftigte, von BTX bis Internet, wurde von Back und Rudolph auf Herz und Nieren geprüft. Bastelanleitungen gab es inklusive. Nachdem am 22. Februar 2003 die letzte Sendung über den Äther ging, wanderten im Anschluss die komplette Homepage und einzelne Videomitschnitte auf den Internet-Friedhof Archive.org.

Wiederauferstanden von den Toten ist der „Computerclub “ nun in Form eines Audio-Podcasts im MP3-Format zum kostenlosen Download. Auf den Webseiten von Wolfgang Back liegt die erste der wöchentlich geplanten Audio-Shows im Bereich „Aktuelles“ vor. Die Sendung nennt sich „Computerclub 2“ und ist dreißig Minuten lang. „Triple Play“, die Verbindung von Fernsehen, Internet und Telefonie, sowie HDTV sind die Themen der ersten Folge. Professionell produziert, mit Telefoninterviews und Jingle-Einspielungen, berichten die beiden Profis auf ihre ebenso routinierte wie persönliche Art über Neuigkeiten und deren Zukunftschancen.

Server gingen in die Knie

Dass sich Back und Rudolph mit der Tonebene bescheiden müssen, erleben die ehemaligen Fernsehmacher nicht als Einschränkung. „Ich glaube, man kann viele Dinge über Audio genauso gut erzählen, genauso gut erklären, wie man das per Fernsehen macht“, sagt Back zu Beginn des Podcasts. „Denn wir hatten sehr viele Audio-Stücke auch in unserem Computer Club.“ Allerdings wird bereits daran gedacht, demnächst einen Video-Podcast zu produzieren, um dem alten „Computerclub“-Charme zu entsprechen. Doch erst müssen sie – so will es ein Running Gag – ihre „486er bei der Telekom abgeben“.

Die Kunde vom Neustart des alten „Computerclub“ hat sich im Web rasch verbreitet. Die Server seien ziemlich in die Knie gegangen, sagte Rudolph im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Im Gästebuch von Back finden sich euphorische Kommentare, die von „Schön, dass ihr wieder da seid“ reichen bis zu „Der erste Streich ist absolut gelungen“. Ein Michael schreibt: „Da kommen wahnsinnige Erinnerungen hoch, wie ich damals (Jahrgang 1968) euren HardBit-Tonstream mit einer Datasette direkt vorm Fernseher aufgenommen habe, oder auch die Aktion mit den Daten über Teletext und Interface“. Alles klar?

In Kürze wird es eine eigene Homepage für den „Computerclub 2“ geben. „Ich habe heute auch die Internetadressen cc-zwei.de und cczwei.de reservieren lassen“, schreibt Back auf seine Homepage. Verschwiegen wird auch nicht, dass noch Sponsoren und Themenideen gesucht werden. Die Hörer sollen sich beteiligen - Vorschläge willkommen.

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