Vorbild Obama So päppeln junge Konservative die Republikaner im Web auf

Vorbild ist der Wahlkampf Barack Obamas: Nach der Niederlage im November wollen junge US-Konservative die republikanische Partei zu einer interaktiven Basisbewegung umformen - ein tiefgreifender Wechsel in der politischen Kultur Amerikas.

Von Tobias Moorstedt


Schon die URL der Web-Projekte zeigt, wie groß die Aufgabe ist, die sich Patrick Ruffini, Aaron Marks und ihre Mitstreiter gestellt haben. Nextgengop.com heißt etwa der Blog von Marks, das Politik-2.0-Projekt von Patrick Ruffini. Die konservativen Web-Aktivisten arbeiten also an der "nächsten Grand Old Party", versuchen ein Phänomen zu programmieren, das gleichzeitig sehr alt und total neu ist - eine Website, die Widersprüche aushalten soll.

Rebuildtheparty.com: Spagat zwischen altem Jubelpatriotismus und webbigen Graswurzel-Idealen

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Aber kann man aus einer endlosen Reihung von Nullen und Einsen ein Parteiprogramm für das 21. Jahrhundert basteln? Können die jungen Konservativen ihre katatonische Partei mit digitalen Tools wie Blackberrys und Blogs einen Elektroschock verpassen und wieder ins Leben zurückholen?

In Washington D.C. nennt man den Wahltag in republikanischen Kreisen bereits 4/11. Die Wahlergebnisse erinnern die rechten Abgeordneten und Strategen offenbar an 9/11 - ein feiger Anschlag auf eine bestehende Weltordnung. Stunden nach der Wahl begann in Blogs, Meetings und Telefonkonferenzen bereits die Diskussion über die Gründe der Niederlage, das Ausmaß der Schäden, die Zukunft der Partei.

Ideologen wie Fox-News-Ikone Sean Hannity oder Grover Norquist (Americans for Tax Reform) betonten, dass die Partei unter Bush von ihren Grundsätzen (kleiner Staat, Budgetkontrolle) abgewichen sei und wieder konservativer werden müsse. Ruffini, Marks und andere junge Konservative befürchten, dass ihre Partei so zu einer "Partei des wütenden weißen Mannes" werden könnte, und arbeiten an einem Update für die konservative Bewegung.

Web-Projekte wie TheNextright.com, NextgenGOP.com oder Rebuildtheparty.com haben das Ziel, den "strukturellen Vorteil auszugleichen", den die Demokraten zurzeit im Gebrauch des Internets, der Graswurzelorganisation und bei den jungen Wählern haben.

Konservatives Polit-Blog: "Zukunft der Republikanischen Partei"

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In einem Zehn-Punkte-Plan fordern sie unter anderem die Rekrutierung von fünf Millionen Online-Aktivisten, sowie die Einführung einer Jugendquote: 40 Prozent der republikanischen Kandidaten sollen unter 40 Jahre alt sein. Es geht Ruffini jedoch nicht nur um Strategie und Taktik. "Wir brauchen eine Politik, die junge Wähler und Führungskräfte begeistert", sagt Ruffini. Laut einer Gallup-Umfrage (November 1998) haben zurzeit nur 34 Prozent der Amerikaner eine positive Meinung von der Partei.

TheNextright.com forderte deshalb kürzlich eine "Agenda der Ethik und Transparenz, umgesetzt mit moderner Technologie". Jeder Spendendollar solle innerhalb von 72 Stunden auf der Web-Seite aufgeführt werden. Alle Treffen mit Lobbyisten sollen gefilmt werden und als Videodatei ins Netz gestellt werden.

Im Mitgliederbereich von Rebuildtheparty.com sieht man Passfotos von schon ein wenig älteren "jungen Menschen", die sich in Gruppen wie "Talk Show Radio Hosts", "Conservative Athletes" oder "R3publicans" zusammenfinden und im Forum über "Reverse Immigration" und die "Bedeutung der Wahlniederlage für die US-Außenpolitik" chatten. Rebuildtheparty.com soll eine konservative Version von Partybuilder.com sein, der digitalen Plattform, mit der die Demokraten im Wahlkampf die Aktivitäten von Wählern und Sympathisanten auf lokaler Ebene belebt und verwaltet haben.

Basisarbeit statt Wahlapparat

Ein Parteiaktivist aus Montana kann dort zum Beispiel eine Homepage für seine Gruppe einrichten, mit anderen Mitgliedern über Parteiarbeit in ländlichen Gebieten reden, er kann Medienmaterial wie Poster, Sticker oder Wallpaper herunterladen, Pressemitteilungen verschicken oder die E-Mail-Listen und Datenbanken der Partei nutzen, um alle registrierten Wähler aus einem bestimmten Bezirk zu einer Veranstaltung einzuladen. Aufgaben, für die man früher ein Büro und zwei Sekretärinnen brauchte, erledigen sich quasi von selbst.

insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
San Martin 18.11.2008
1.
Zitat von sysopKann Barack Obama die US-Demokratie mit den Mitteln des Internets beleben? Ist politische Partizipation per Web auch ein Modell für Deutschland? Diskutieren Sie mit!
Sie schreiben Demokratie beleben. Ist die denn schon total für tot erklärt? :) Und nein. Das Netz kann manipuliert, gehackt werden. Es ist äusserst unsicher. SpOn und jeder wurde oft angegriffen, das sollte ieine Lehre sein.
Silverhair, 19.11.2008
2.
Zitat von San MartinSie schreiben Demokratie beleben. Ist die denn schon total für tot erklärt? :) Und nein. Das Netz kann manipuliert, gehackt werden. Es ist äusserst unsicher. SpOn und jeder wurde oft angegriffen, das sollte ieine Lehre sein.
Sicherlich ist Demokratie in vielen Teilen schon Töter als Tod. Es hat sich eingebürgert das Politik in Hinterzimmern - Ausschüssen oder oft auch Lobbytreffen stattfindet. Gesetzesentwürfe werden geheimgehalten, inzwischen sogar die Gesetze selber oft. Der Bürger bekommt eine "Presseerklärung" und darf sich wenn dann noch bissle Ärgern in dieversen Foren. Eigentlich sollte der Bürger Sowohl Gesetze als auch Verwaltungsakte begutachten können, in praxis verhindern von "Staatlichen Geheimhaltungsvorschriften" bis hin zu "Geschäftsgeheimnissen" einen praktischen Einblick. Auch wenn die USA nicht perfekt sind, so urteilen in den USA die Gerichte sogar bei geheimdienstlichen Akten zur Veröffentlichung, und, natürlich müssen Parlamentarier in den USA nicht nur eine weisse Weste vortäuschen, sondern schlichtweg alles was in irgendeiner Art ihren Leumund und ihre Handlungen betreffen könnten veröffentlichen. Deutschland befindet sich schon jetzt da im demokratischen Defizit, es wird geführt von einer fest verankerten Gruppe von "Fürsten" die höchsten mal geruhen ihre überaus eliquenten Ergüsse einer selektierten Presse zu überlassen. --- Und - es ist vollkommen egal wie oft diese Server "angegriffen werden" oder von aussen versucht wird zu manipulieren, dafür sorgt schlichtweg die pure Masse der Menschen die sich dran beteiligen. Einen einzelnen Abgeordneten, oder eine Gruppe wie eine Partei durch "Lobbyarbeit" zu manipulieren ist kindisch einfach gegenüber der Schwierigkeit die Meinung von zigtausenden "Usern" in einem Bestimmten Lichte erscheinen zu lassen. Wie Politik betrieben wird in D. ist ziemlich seltsam. knapp 1 Mio von Leuten ist in den diversen Parteien "eingeschrieben" - aber teilnehmen an der aktiven Politik sind höchsten noch 5% die sich Parteiintern wählen lassen, und gegenüber den Bürgern noch durch Landeslisten gegen abwahl gesichert sind. Das heißt, das knapp 50.000 Menschen von einem 80 Mio Volk über Moral, Gesetze, Stimmungen und Gesellschaftliche Entwicklung letztlich bestimmen - bis in die Bereiche der privaten Lebensplanung. Das GG schreibt "Wahlen UND Abstimmungen" als Mittel der Entscheidungen des Souveräns vor, ind deutschland hat man es auf .. "Stimmvieh wählt" reduziert. Ich denke das da endlich mal dringenst Abhilfe notwendig ist, da D. eher schlimmer wie eine Bananenrepublik regiert wird den wie ein moderner Staat andem alle Teilnehmen. Die Finanzkrise - hätte sich locker zumindest für Deutschland vermeiden lassen, wenn nicht Politiker und Lobbyisten nur das einzige Wort geführt hätten - sondern wenn sie sich den schon seit Jahren schwelenden Probleme in diesem Finanzmarkt hätten stellen müssen. Obama - hat unbesehen seiner Amerikanischen Interessen in einem absolut recht. Deutschland - Europa braucht einen "Wechsel" - und dann sollte doch eine so alte Kulturnation hinbekommen können.
schnuppe, 19.11.2008
3.
Vorhaben in Deutschland: http://www.e-konsultation.de/studien/
xengei 20.11.2008
4.
Um die Frage "Regieren mit dem Netz - geht das?" kommentieren zu können muss man sich zuerst darüber im klaren sein, wer das Internet bzw. Web 2.0 überhaupt nutzt. Im Allgemeinen sind dies nämlich jüngere Generationen. Womit wir schon beim ersten Problem dieser Regierungsmethode wären. Obama erreicht über das Internet zwar einen großen Teil, v.a. auch die zukünftigen Wähler, nicht aber alle Bürgerinnen und Bürger. Des weiteren sollte man bedenken, dass das Internet relativ leicht zu manipulieren ist. Wer sich mit Informatik auskennt, dem ist es beispielsweise ein Leichtes Beiträge so zu verändern, wie er sie braucht. Das dritte Problem zeigt sich, wie im Text beschrieben jetzt schon. Obama ist es nicht möglich auf der offiziellen Seite "change.gov" eine solche Diskussionsplattform einzurichten, da er die Seriosität des Weißen Hauses wahren muss. Was allerdings sehr wohl außerordentlich gut mit dem Web funktioniert sind folgende Aspekte. Durch ein zielgerichtetes Informieren, über aktuelle Diskussionen und Vorgänge in der Regierung, per Internet, hat man die Möglichkeit an jedem Ort dieser Erde sich zu informieren. Zweitens erhält man eine viel größere Meinungspluralität, da sich jeder, der das gerne möchte, in Foren äußern kann. Dies wiederum hat zur Folge, dass momentane Gedanken und Gefühle der Bürgerinnen und Bürger besser erkennbar sind und die Regierung darauf reagieren kann. Zu guter letzt unterstützten die Äußerungen der Kritiker hoffentlich auch Verfassungsorgane in ihrer Kontrollfunktion. Als Fazit kann man also sagen, dass sich das Regieren mit dem Web in einem Anfangsstadium befindet und man sicher noch viel verbessern sollte; dennoch bringt diese Regierungsart auf Dauer viele Vorteile mit sich.
ResJon 25.11.2008
5.
Ich denke die Regierung über das Internet mitzugestalten ist für viele Bürger viel attraktiver als irgendwelche Briefe oder Mails an Abgeordnete zu senden, die dann vielleicht nicht ein mal gelesen werden. Viele Menschen sind auch einfach zu faul um sich um sowas in Form von Briefen zu kümmern...in entsprechenden Diskussionsrunden im Internet bekommt man darauf viel schneller eine Antwort. Die Einrichtung einer Internetseite auf der man sich um die Belange der Bürger kümmert bzw. sie informiert könnte viele neue Arbeitsplätze erschaffen. Meiner Meinung nach ist die direkte Wahl der Regierung über das Internet aber zu gefährlich. Diese Wahlen könnten Hacker manipulieren und so die Macht in die Hände von Personen spielen, denen das Volk egal ist. Mitgestaltung ja, Wahlen nein!
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