Waffe des Münchner Amokläufers Was ist eigentlich das Darknet?

Der Amokschütze aus München hat seine Waffe offenbar über das Darknet besorgt. Doch was versteht man darunter überhaupt? Die vier wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

Polizeifahrzeuge vor dem Olympia-Einkaufszentrum in München
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Polizeifahrzeuge vor dem Olympia-Einkaufszentrum in München

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David S., der Amokschütze aus München, hat seine Tat offenbar lange vorbereitet. Doch wie kam ein 18-Jähriger mit psychischen Problemen überhaupt an die Tatwaffe, eine Glock 17? Nach Angaben der Ermittler hat er die Tatwaffe wohl übers Darknet bezogen. Darauf deuten Chatprotokolle hin.

Tatsächlich taucht das Stichwort Darknet häufig dann in den Medien auf, wenn es um schlimme Vorfälle geht, um illegal eingekaufte Waffen, Drogen oder Kinderpornos. Doch das, was man Darknet nennt, ist weit mehr als ein Tummelplatz für Kriminelle.

Hier beantworten wir die wichtigsten Fragen:

1. Was ist mit Darknet gemeint?

Wer im Internet surft, öffnet seinen Browser und kann dann Webseiten wie www.facebook.de oder www.spiegel.de besuchen - oder er sucht Inhalte über Suchmaschinen wie Google. Das Darknet, das "dunkle Netz", kann man sich demgegenüber als virtuellen Hinterraum für Eingeweihte vorstellen, der nicht so leicht zu erreichen und anders gebaut ist als das offene Internet.

Dort gibt es keine zentralen Server. Stattdessen schließen sich viele einzelne Computer zu eigenen Netzwerken zusammen - es entstehen exklusive Kreise, die Nutzer nicht einfach per Google-Suche finden. Die Netzwerke arbeiten unterschiedlich, aber das Ziel ist immer gleich: Die Nutzer sollen anonym bleiben können. Die Daten in den Darknets werden meistens verschlüsselt übertragen, deshalb ist das Darknet schwer zu überwachen.

Doch auch dort gibt es Dinge, die Nutzer des World Wide Web (WWW) kennen dürften: Chaträume, soziale Netzwerke - und viele Online-Shops, die illegal Waffen oder Drogen anbieten und damit maßgeblich zum schlechten Ruf des Darknet beitragen.

2. Wie komme ich ins Darknet?

Wer in ein Darknet gelangen möchte, kann das nicht mit einem herkömmlichen Browser. Der dunkle Teil des Netzes ist nur über spezielle Software zu erreichen. Je nach Darknet ist der Zugang unterschiedlich kompliziert.

Das wohl bekannteste Darknet ist über den sogenannten Tor-Browser erreichbar. Um die Verbindungsdaten seiner Nutzer auch beim Surfen im WWW zu anonymisieren, nutzt Tor eine Technik namens "Onion Routing". Anfragen werden dabei auf wechselnden Routen über verschiedene Server umgeleitet, die jeweils nicht das eigentliche Ziel kennen. Nach dem Passieren verschiedener Stationen gelangt die Kommunikation über einen Exit-Knoten wieder ins offene Netz. Sender und Empfänger sollen so anonym bleiben. In der Vergangenheit sind dennoch immer wieder Tor-Nutzer enttarnt worden.

Vom WWW abgesehen, kann man mit den Tor-Browser Seiten aufrufen, auf die man mit normalen Browsern keinen Zugriff hat. Im Darknet existieren nämlich sogenannte Hidden Services. Das sind in der Regel anonym betriebene Webseiten und Server, die nicht über die IP-Adresse oder eine klassische Adresse wie Google.de oder Spiegel.de angesteuert werden.

Hidden-Service-Adressen enden auf .onion und bestehen aus langen Zahlen- und Buchstabenkombinationen. Derzeit gibt es über 50.000 .onion-Adressen. Um sich zurecht zu finden, gibt es für Interessenten an den Seiten unter anderem eine Art Wikipedia zur Übersicht.

3. Wer benutzt das Darknet?

Das per Tor erreichbare Darknet hat einen ziemlich schlechten Ruf als Ort für Kriminelle. Dabei ist der vermeintlich dunkle Teil des Netzes nicht illegal - zumindest solange nicht, bis man dort etwas Illegales tut.

Auf großen Darknet-Markplätzen werden allerdings viele illegale Geschäfte abgewickelt. Die 2013 geschlossene Silk Road war so ein Ort. Waffen- und Drogenhändler und auch Pädophile nutzen die technischen Möglichkeiten durchaus für ihre Zwecke.

In den Online-Shops können Kunden und Händler nur schwer belangt werden, bezahlt wird auf Darknet-Marktplätzen oft mit der Krypto-Währung Bitcoin. Um Bitcoin zu bekommen, gibt es gesonderte Onlinebörsen, wo man sein Geld in die Krypto-Währung umtauschen kann.

Doch die Anonymität, die ein Darknet bietet, ist auch ein Segen für Menschen in autoritär regierten Ländern, die sich vor Überwachung durch das Regime schützen wollen. Chinesische Dissidenten benutzen Darknet-Netzwerke genauso wie Journalisten oder Whistleblower. Auch viele ganz normale Webseiten haben Tor-Adressen, Facebook zum Beispiel ist unter https://facebookcorewwwi.onion/ zu erreichen.

4. Ist das Darknet das Gleiche wie das Deep Web?

Die Begriffe Darknet und Deep Web werden häufig synonym verwendet. Streng genommen gibt es zwischen Dark- und Deep Web aber einen Unterschied: den Zugangsweg. Deep-Web-Seiten lassen sich per normalen Browser aufrufen, Darknet-Seiten nicht.

Wenn man sich einen Eisberg vorstellt, ist das WWW die sichtbare Spitze über Wasser. Unter Wasser gibt es aber noch einen großen anderen Bereich, das Deep Web - man findet es, wenn man weiß, wie man hinkommt.

Auch das Deep Web wird nicht nur für illegale Sachen genutzt: Große Teile des Deep Webs sind sogar unspektakulär und bestehen zum Beispiel aus riesigen Informationsdatenbanken, passwortgeschützten Seiten und solchen, die nicht für Suchmaschinen gelistet sind und die bei einer Suche folglich nicht angezeigt werden.

Kann man eine Seite also mit einem normalen Browser und ohne Zusatzsoftware öffnen, liegt sie vielleicht im Deep Web, aber nicht im Darknet.



insgesamt 128 Beiträge
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Seite 1
yiogio 25.07.2016
1. Man muss doch nicht mehr Reklame machen als nötig!
Es muss niemand interessieren, wo man sich Waffen oder Drogen im Darknet besorgen kann. Animiert doch nicht noch Weitere sich damit zu beschäftigen!
HansFröhlich 25.07.2016
2. Nur eine Eselsbrücke
Man hätte auch schreiben können, der Begriff Darknet sei nur sowas wie eine Eselsbrücke für unsere Neuländer, damit man sich unter dem vielbeschworenem nonexistenten "rechtsfreiem Raum" auch endlich mal was vorstellen kann. Beispiel: Zum Aufruf eines gepflegten Teilekatalogs muss ich einen wirklich speziellen Browser (IE6) verwenden. Die Übertragung erfolgt sogar verschlüsselt und es gibt Benutzername und Passwort. Verschleihern könnte ich die Verbindung noch dadurch, dass ich sie durch einen malayischen VPN Tunnel jage. Ist aber kein Darknet, obwohl Misere nicht sehen kann, was für böse Teile ich mir da anschaue.
Jaegerismus 25.07.2016
3. ist das wirklich nötig???
...jungen, unwissenden mit diesem Artikel ein "how to" für das Darkweb zu vermitteln? Schlimm genug, das der Amokläufer seine Waffe vermutlich über diese Kanäle bezogen hat. Bitte gebt etwaigen Nachahmern nicht noch das Handwerkszeug in die Hand. Danke
spon-facebook-1716829589 25.07.2016
4. Darkweb-Unfug
Der Täter hatte die Waffe keinesfalls aus dem Darkweb. Dort gibt es nur Daten, kein Metall. Der hat höchstens über das Darkweb Kontakt zum Verkäufer aufgenommen. Die Waffe hat er dann vermutlich mit einem Päckchen aus der Slovakei bekommen.
Nonvaio01 25.07.2016
5. dann darf die frage
nach der Vorratsdaten speicherung doch mal gestellt werden. Da plant ein Mensch seit fast einem Jahr eine Tat, im Internet und der Staat weis davon nichts. Der vorwand um Terror zu verhindern zieht ja wohl nicht mehr. Ein totaler witz wer immer noch die Vorratsdaten speicherung befuehrwortet.
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